Abgefahren - Teil 8

von T.S. Marian
veröffentlicht am 22.07.2022
© T.S. Marian, mannfuermann.com
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Bareback / Bisexuell / Das erste Mal / Große Schwänze / Junge Männer / Muskeln / Romantik / Sportler

Knapp acht Stunden später

»Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was Ihr hormongesteuerten Youngsters da so treibt?«

Nico, der Psychotherapeut, saß an unserem Küchentisch, trank bereits den dritten Latte Macchiato mit Hafermilch und schüttelte milde lächelnd den Kopf.

 

»Klaas und ich waren bestimmt auch keine Engel. Nein, garantiert nicht. Aber so einen hübschen Hetero vor den Augen seiner Freundin zu ficken? Da gehört schon was zu. Chapeau!«

Erschöpft stand ich auf und holte mir aus dem Kühlschrank eine eiskalte Cola.

»Nochmal, Nico. Wir haben nicht vor ihren Augen gefickt. Sie hat uns überrascht. Gerade hatten wir ..., Du weißt schon, ... Höhepunkt und den ganzen Kram, da kam sie herein. Keine Ahnung, wie lang sie bereits da war oder was sie en Detail gesehen hat. Aber es war wirklich keine Absicht.«

»Nein, natürlich nicht. War alles nur Zufall. Ein Versehen. So wie das mit dem Portemonnaie und dem Handy. Nicht zu vergessen den Schlüssel. So ist er, mein Toby.«

Pjotr stand auf dem winzigen Küchenbalkonaustritt und rauchte bestimmt bereits die zehnte Zigarette, seit Nico hier eingetroffen war.

»Wenn Du mich nicht so gedrängt hättest, wäre das wahrscheinlich alles nicht passiert. Wenn Du bemerkt hättest, dass ich mich geschnitten habe und nicht einfach so mit Nico und Klaas verschwunden wärst, dann ...«

»Wir haben Dir ne Nachricht hinterlassen, wo wir hin sind.«

Zu mehr als einem mitleidigen Seitenblick auf ihn, war ich gerade echt nicht in der Lage.

»Vom halbnackten Barkeeper gesagt zu kriegen, wo die Freunde sind. Super. Nen Zettel schreiben, geht wohl nicht mehr?«

»Ich würde sagen, Du hast Dich gut zu trösten gewusst, mein Kleiner.«

Pjotr machte mit der Zunge hinter der Wange eine eindeutige Blowjob-Geste.

»Und mein Toby macht es ja nicht mit Halbnackten. Nein, bei ihm muss die halbe studentische Öffentlichkeit Augenzeuge seiner kompletten Nacktheit werden. Und der seines One-Night-Stands!«

»Ich war nicht nackt, verdammt. Ich hatte mir die Bettdecke umgelegt.«

Langsam wurde ich sauer. Pjotr zog nochmal an der Zigarette und drückte sie dann im Blumentopf aus.

»Hey, Pjotr, verdammt nochmal. Wir haben Aschenbecher genug. In dem Pott züchte ich doch gerade Basilikum.«

Auf die, bisher noch sehr mickerige Aussaat schauend, zuckte Pjotr nur mit den Achseln.

»Na, Kräuter liegen Dir wohl nicht. Dafür gedeiht aber junges Gemüse in Deiner Obhut besser.«

»Arsch!«

Nico erhob sich.

»Kinder, seid lieb. Alles wird gut. Was hat denn die Freundin genau gesagt, als sie Euch ... überraschte? Und Pjotr, kann ich mir eine nehmen?«

Mit einem Nicken deutete Nico auf die offene Schachtel Gauloises auf dem Fensterbrett.

»Klar, aber ich dachte, Du rauchst seit fünf Jahren nicht mehr.«

Bereits auf dem Balkon stehend, zündete sich Nico genüsslich die Zigarette an und nickte.

»Stimmt. Rauche ich etwa? Ach so, und wenn Ihr beiden Spaken das Klaas mitteilen solltet, werde ich Euch nicht nur die Freundschaft kündigen. Nein, ich schicke Euch den gesamten GayBears-Club zu einem kleinen Wochenend-Gangbang mit Euch als Special-Guests auf den Hals. Verstanden?«

Während ich schluckte und verstummte, musste Pjotr laut auflachen.

»Aber Nikki, wer sagt denn, dass ich davon nicht schon die ganze Zeit geträumt habe?«

Aber Nico konterte trocken:

»Ich kenne Dich wahrscheinlich besser als Du Dich selbst, Pjotr. Wenn wir nicht schon so lange befreundet wären, würdest Du Menschen wie Klaas und mich doch mit keinem einzigen Blick würdigen.«

Mit einer einzigen Geste würgte er Pjotrs Versuch einer Entgegnung ab.

»Pjotr, ich liebe und schätze Dich. Das weißt Du genau. Aber ehrlich gesagt, bist Du der egozentrischste, altersfaschistoideste, eingebildeteste, narzisstischste, eitelste, zu lang gewachsene, süße Polacken-Arsch, den ich jemals kennengelernt habe.«

So stark musste ich losprusten, dass mir die eiskalte Cola aus der Nase wieder rauskam.

»Super, Nico. Treffer versenkt. Da hörst Du es mal, Pjotr. Das war eine perfekte fachärztliche Anamnese.«

Dann traf mich sein Blick und ich schwieg abrupt.

»Du hältst mal brav die Schnauze, Tobias. Du bist auch nur marginal verträglicher als Dein Partner da.«

»Nikki, wie oft soll ich Dir noch sagen, dass Toby und ich nur ...«

Erneut schnitt Nico Pjotr das Wort ab.

 

»Ja, ja, ja! Wer’s glauben mag? Klar, Ihr seid nur Fuck-Buddies. Bin mal gespannt, wann Ihr endlich ehrlich Euch selbst gegenüber werdet? Leute, Klaas und ich haben auch eine, na, sagen wir mal, gelockerte Beziehung. Versteht Ihr das? Wir hatten und wir werden wahrscheinlich auch weiterhin gelegentlich mal Sex mit anderen haben. Aber Klaas ist mein Mann. Und das bleibt auch so. Er ist das größte Glück und die größte Leistung meines Lebens. Diese Erkenntnis wünsche ich Euch beiden Löffeln auch. So, und jetzt zurück zu dem hübschen Kerl auf Eurer Couch. Wie kommt der denn hierher?«

Also berichtete ich Nico von den gestrigen Ereignissen:

Nachdem Lucas vor dem Fahrstuhl zusammengesackt war, rannte ich panisch zurück ins Zimmer, warf Hose und Hemd über und lief zurück zum immer noch regungslosen Lucas. Entsetzt sah ich, dass fast alle Leute auf dem Flur ihre Smartphones zum Fotografieren und Filmen hervorgeholt hatten. Der nackte Student, ein perfektes Bild für die sozialen Medien.

Eingehüllt in die Decke und, unter einem Konzert von empörten Beschimpfungen und frivolem Gelächter, schleppte ich ihn wie einen Sack Kartoffeln in die Privatsphäre seines Zimmers. Da er auf keine meiner Fragen antworten wollte oder konnte, er meine Versuche zu trösten, geradezu beleidigend zurückwies, hatte ich hilflos und verzweifelt nach seinem Handy gesucht, seinen Daumen auf den Fingerabdruck-Sensor gedrückt und Pjotr angerufen, der gerade wieder zuhause angekommen war. In groben Zügen flüsternd ihm die Situation geschildert, mit der Bitte mir mein Portemonnaie, Handy und Schlüssel vorbeizubringen. In der Zwischenzeit trank Lucas sämtliche Alkoholika-Reste, die er fand, darunter drei Dosen Bier und gut eine halbe Flasche Jim Beam auf ex.

Sein Handy klingelte. Im Glauben, Isa riefe zurück, riss er es mir brutal aus der Hand. In Verbindung mit den Getränken aus der Abschleppbar war Lucas so stark angetrunken, er verstand einfach nicht, dass der Anruf für mich war. Nämlich von Pjotr, der bereits mit dem Wagen unten wartete. Mit viel Mühe bekam ich ihn wenigstens in seine Boxer. Barfuß, aber ohne Hemd, schubste ich ihn zum Fahrstuhl, aus dem Haus direkt hinein ins Auto. Pjotr und ich hatten ihn dann schlafend hoch in unsere Wohnung getragen und aufs Sofa gelegt. Ohne großartig weiterzureden, sind wir ebenfalls ins Bett. Nach dem Aufwachen und einer dringend notwendigen Dusche hätte ich dann in meiner Hilflosigkeit ihn, also Nico, angerufen. Und wie bei so einem guten Freund üblich, knapp fünfzehn Minuten später, säße er nun hier.

»Geht es ihm halbwegs gut?«, fragte Nico und drückte seine Zigarette auf den Balkonfliesen aus.

»Er schläft noch immer«, sagte ich mit einem Kopfnicken in Richtung Wohnzimmer.

»Nein, er schläft nicht. Der liegt komatös da und schnarcht, als holze er den halben Stadtpark ab.«

Pjotr zuckte nur mit den Schultern, als ich ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwarf.

»Pjotr, zeig mal Nico, was Dir Clara heute Morgen für Links zukommen ließ. Clara ist eine gute Bekannte von Pjotr, die ehemals in dem Studi-Heim wohnte und deswegen gut vernetzt ist.«

Er zückte sein iPhone, tippte kurz und schon präsentierte er uns diverse Fotos eines nackten Lucas. Manche von hinten, manche von der Seite und auch einige frontal von vorne aufgenommen. Ja, sogar ein paar Bilder von mir in der Bettdecke und von meinem nackten Arsch waren zu sehen. Dazu explizite Großaufnahmen von Lucas Penis und dem Sperma, das an ihm herabfloß.

»Oh, das ist nicht gut«, seufzte Nico.

»Na ja, als Portfolio für eine Karriere als Pornostar würden sich ein paar Bilder schon eignen.«

Ich schleuderte Pjotr ein paar sehr wütende Blicke zu.

»Hey, man muss sowas mit Humor betrachten. Schade, Toby, dass das Foto von Deinem nackten Knackarsch verwackelt ist, sonst würde ich es vergrößern lassen und übers Bett hängen.«

Nico grinste, knuffte mir gegen die Schulter und erwiderte:

»Da muss ich ihm leider recht geben, Toby. Das Bild hätten Klaas und ich dann auch gerne. Aber mal im Ernst: Was soll ich denn Eurer Meinung nach mit ihm anfangen, wenn er denn überhaupt heute noch wach wird?«

 

Noch bevor ich es konnte, antwortete Pjotr.

»Nikki, Du bist der Therapeut. Keine Ahnung. Steck ihn in eine Zwangsjacke. Schließlich will ich nicht, dass die Hete hier womöglich ausflippt und Dinge zerstört.«

Nico verdrehte die Augen.

»Nochmal, Ihr Lieben. Ich bin ein Psychotherapeut. Kein Psychiater. Nur die dürfen Einweisungen ausstellen und dafür Zwangsjacken ordern. Ach, Pjotr, ich weiß, Du hättest zu gerne mal so eine Jacke in Deiner Sammlung von unzähligen Sex-Toys, oder?«

Er streckte Nico die Zunge raus. Stattdessen sagte ich:

»Es geht darum, dass er mit mir seine ersten schwulen Erlebnisse hatte, die, das wirst Du zugeben müssen, kaum alptraumhafter hätten enden können.«

Geradezu altväterlich nahm mich Pjotr von hinten in den Arm.

»Diese Drama-Queen hier, Nikki, hat das Talent aus wirklich jedem noch so harmlosen Fick, einen Nightmare on Elmstreet zu machen. Und wie in diesen amerikanischen Horrorstories üblich, betteln eigentlich alle weiblichen und männlichen Studenten darum, von ihm, dem Freddy Krüger des Sex, aufgespießt zu werden. So also auch der hübsche Schnuckel da auf unserer Couch.«

Mein Ellenbogen stieß in Pjotrs Magengrube. Wie Sylvester Stallone in Rocky, wankte mein Freund, sank auf die Knie und rief mit zusammengekniffenen Augen: »Adrien, Adrien! Äh, falsch. Toby, oh, Toby!« Dann lachte er lauthals los.

»Jungs, spielen wir jetzt am Sonntag Mittag Scharade? Ging es gerade nicht um ..., sag schnell, Toby, wie heißt die gepiercte Sahneschnitte noch gleich ... ?«

»Lucas. Ihr redet doch über mich? Ich heiße Lucas!«

Da lehnte er an der Küchentür. Lucky Luke. Und sah alles andere als lucky aus.

»Und kann mir mal einer sagen, wo ich hier bin?«

Ich stand auf, auch um ihm den Platz anzubieten, und sagte:

»Du bist bei mir, beziehungsweise bei uns.«

Ich zeigte auf Pjotr, der sich mittlerweile wieder aufgerichtet hatte.

»Das ist Pjotr, mein Fr...«

»Freundlicher Vermieter. Hallo, Lucas. Schön, Dich kennenzulernen. Hab schon viel von Dir gehört und gesehen. Ja, und der kahlköpfige alte Mann da, ist Nico, unser Haus- und Hofseelenklempner. Immer bereit, im Falle einer Verstopfung die geistigen und körperlichen Rohre wieder frei zu blasen.«

Damit hielt er Lucas breit lächelnd seine Hand hin, während ich die meinen innerlich vors Gesicht schlug.

»Magst Du nen Kaffee, Lucas?«

»Danke, ja!«

Lässig und sich seiner Überlegenheit voll bewusst, schlenderte Pjotr rüber zum Vollautomaten.

»Was darf es denn sein? Cappuccino, Americano, Crema, Milchkaffee, Latte Tobiato hattest Du ja wohl gestern erst ausreichend.«

»Verdammt, Pjotr!« Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. »Könntest Du einmal Deine spitzen und durchaus geistreichen Wortspiele stecken lassen?«

»Das war Humor. Das hat Dein neuer Lover hier bestimmt richtig verstanden, gell? Also, welchen Kaffee darf ich servieren?«

»Kaffee, schwarz. Ohne Firlefanz.«

Pjotr nickte anerkennend.

»Straight also! So wie der ganze Kerl! Na ja, zumindest bis gestern, gell?«

Ein leichtes glucksendes Lachen war von ihm zu hören, bevor er sich seiner Aufgabe als Barista widmete.

»Hör mal, Lucas. Wir können auch gerne in mein Zimmer gehen. Ist zwar sehr klein, aber immerhin gewissermaßen ironiefrei.«

»Hat Isa versucht, mich zu erreichen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Dein Phone habe ich hier angeschlossen.« Ich zeigte auf das Fensterbrett, wo sein Handy am Ladekabel hing.

»Schau selber nach. Vielleicht ist ja jetzt was gekommen.«

»Danke. Auch fürs Aufladen:«

Lucas schaute schnell nach und wir alle sahen, wie er beim Klicken und die Nachrichten schluckte und immer blasser wurde.

»Scheiße! Diese Schweine!«

Offensichtlich hatte er die Fotos von sich in den Social Medias entdeckt.

Sogar Pjotr schwieg und schob ihm den fertigen Kaffee auf dem Küchentisch entgegen.

»Ja, das ist gerade nicht so schön, aber in zwei Tagen ist das auch bereits wieder vergessen, Lucas. Ganz bestimmt!«

Mehr tröstende Worte fielen mir leider auch nicht ein. Lucas warf mir einen skeptischen Blick zu und wandte sich ab. Weinte er? Ich konnte es nicht ausmachen.

 

»Isa hat mit mir Schluss gemacht. Sie hat mir ein Foto geschickt. Da, schau!«

Damit hielt er mir sein Smartphone unter die Nase. Das Bild zeigte einen Umzugskarton vor einer Wohnungstür.

»Das tut mir sehr leid, Lucas.«

»Hmm! Hast Du gelesen? Ich soll meinen Scheiß bis heute Nachmittag abgeholt haben und die Schlüssel in Ihren Briefkasten werfen. Ansonsten stellt sie den Kram neben die Mülltonnen. Mann, die verliert keine Zeit.«

»Na, Du hast ja wenigstens noch Dein Studentenzimmer. Dann kommt das eben dahin, oder?«

Sein Blick wurde immer finsterer.

»Ach ja? Meinst Du echt, dass ich mich da noch blicken lassen kann? Wie stehe ich denn da? Die nackte Schwulette auf dem Flur? Der Typ, der sich dabei erwischen ließ, wie er in den Arsch gefickt wurde? Du glaubst doch nicht, dass ich dahin zurückkann.«

Er ließ sich auf einen der Stühle sinken und starrte mit leeren Augen aufs Display. Innerlich gab ich ihm recht. Diese öffentliche Aktion wäre mir auch gewaltig unangenehm gewesen. Selbst ohne Erkenntnis, dass die eigene Sexualität nicht mehr so klar definiert ist, wie zuvor.

»Willst Du vielleicht allein sein, Lucas? Sollen wir mal nach nebenan gehen, während Du nachdenkst?«

Nico meldete sich sofort zu Wort.

»Ich denke ja auch, wir sind zu viele hier. Rede mit Toby hier, Lucas. Wenn Du nach einem neutraleren Gesprächspartner suchst, auch gerade, was Deine persönliche Entwicklung der letzten Zeit angeht, da gibt es hier gute Anlaufpunkte. Das Hans-Magnus-Hirschfeld-Zentrum z.B. Oder Hein & Fiete. Alles Beratungsstellen, die Du im Internet finden kannst. Aber lass Dir mir sagen: Auch wenn Deine Lebensplanung gerade sehr am Wackeln ist, die Situation am Eskalieren. Dass, was Du da erlebt hast, erleben viele so. Und schau Dich um. Hier sind mehrere glückliche Schwule versammelt. Das ist nicht das Ende der Welt. Das ist wahrscheinlich sogar eine wichtige Erfahrung für Dich. Du wirst Dir persönlich näher kommen. Auch wenn es jetzt erstmal nicht so aussieht. Pass auf, hier ist meine Visitenkarte. Solltest Du Dich nicht in so ein öffentliches Begegnungszentrum trauen, kannst Du auch gerne mal bei mir aufschlagen. Und mach Dir keine Sorgen, was Krankenkasse oder so angeht. Ich darf immer ein paar Probestunden so abrechnen. Also, Kopf hoch. Toby hat gesagt, Ihr hättet ein gutes Erlebnis gemeinsam gehabt. Das darf man nicht vergessen oder kleinreden. Dass Deine Freundin gerade stinkig ist, kann man auch verstehen. Auch da werdet Ihr bestimmt noch drüber reden.«

Damit klopfte Nico kurz auf Lucas Schulter.

»Toby, Du passt etwas auf ihn auf. Und Du, Pjotr, hältst mal für ne Weile Dein freches Mundwerk. Ich muss jetzt heim zu meinem Bärchen, sonst kann ich ebenfalls mit einer Eifersuchtstirade rechnen.«

»Ich bring Dich noch raus. Und vielen Dank, Nikki«

Ich nahm Nico in den Arm und begleitete ihn zur Tür.

»Der Hübsche schafft das schon. Aber sei Du etwas einfühlsamer als Dein Göttergatte, ja?«

Zwei Küsse auf die Wange und er trabte das Treppenhaus hinunter. Als ich in die Küche zurückkehrte, sass Pjotr Lucas gegenüber und beide nippten stumm an ihren Kaffeetassen. Ich machte mir ebenfalls noch einen weiteren Cappuccino und setzte mich zu ihnen. Keiner wollte als das Schweigen brechen. Oder keinem fiel etwas ein.

»War ich total breit?«

Lucas murmelte etwas in seine Tasse hinein.

»Bitte was? Ich hab Dich nicht ganz verstanden, Lucas.«

»Ich muss doch völlig besoffen gewesen sein. Gib’s zu! Anders wäre diese Scheiße doch nie passiert.«

Ich sah zu Pjotr hinüber. Schmallippig, eine Augenbraue leicht hochgezogen, wartete er gespannt auf meine Antwort. Ich brauchte einen Moment. Überlegte, wie ich es am diplomatischsten formulieren sollte.

»Na ja, Du hattest natürlich in der Abschleppbar etwas getrunken. Aber es war nicht so viel, Lucas. Ehrlich! Also von betrunken kann da nicht die Rede sein. Nachher, also nachdem Deine Freundin aufgetaucht war, da hast Du Dir voll die Kante gegeben.«

»Warum habe ich das bloß gemacht? Ich bin erledigt. Am Arsch, am Arsch, am Arsch!«

 

»Es war blöd, dass sie es so erfahren musste, aber, Lucas, ey, es ist jetzt auch kein Weltuntergang. Und komm, gib es ruhig zu, es war die logische Konsequenz aus allem, was vorher passiert ist. Sei ehrlich, Du wolltest es doch. Du warst neugierig. Du warst geil und ich auch.«

Pjotr warf mir einen wissenden, spöttischen Blick zu.

»Ich weiß nicht, ob ich es wollte. Also, irgendwie vielleicht schon, aber ...«

Erneut sank sein Kopf auf die Tischplatte.

Pjotr berührte Lucas an der Schulter, bevor er so sachlich antwortete, wie ich es nur selten im privaten Gespräch von ihm gehört hatte.

»Toby hat recht. Du wolltest es. Toby hat Dich nicht verführt oder gezwungen. Da ist etwas in Dir passiert, was schon lange geschlummert hat und auf den Dornröschen-Kuss gewartet hatte. Nichts daran ist schlimm. Schon gar nicht verwerflich.«

Lucas hob seinen Kopf und schaute ihn erstaunt an.

»Ja, Lucas, ich meine das ganz ernst. Du wolltest es, Du hast es genossen. Es hat Dir und Deinem Körper gutgetan. Und ich weiß, wovon ich rede. Glaub mir. Toby und ich hatten auch irgendwann in grauer Vorzeit unser Coming-out. Das ist für die Wenigsten einfach. Meins war auch furchterregend. Aber ich habe es überstanden. Das wirst Du auch.«

Stumm lehnte ich an der Wand und hörte überrascht Pjotr zu. Nie zuvor hatte er über seine sexuelle Vergangenheit und die damit verbundenen Probleme gesprochen. Zumindest nicht mit mir.

»Mein Vater hat geschrien, als meine Mutter ihm erzählte, sie hätte Pornos, ekelhafte Pornos mit Männern, bei mir hinterm Bücherregal gefunden. Er hat darauf bestanden, dass ich zur Beichte gehe und mich danach in ein katholisches Internat gesteckt. Tja, er dachte, dass es das Böse aus mir austreiben würde. Dass ich gleich in der ersten Woche mit dem jungen Novizen aus dem Priesterseminar ficken würde, konnte er nicht wissen und weiß es bis heute nicht. Irgendwann, nach dem Abitur, als ich anfing, ebenfalls im Finanzwesen zu arbeiten und zu studieren, habe ich ihm meinen damaligen Freund vorgestellt und gesagt, er dürfe wählen. Er könne seinen einzigen Sohn behalten, dann müsse er ihn komplett so akzeptieren, wie er ist. Oder aber, wir würden uns nie wiedersehen. Er könne mich auch gerne enterben. Aber das Geheimnis würde niemals ein Geheimnis bleiben. Er hat es geschluckt. Zähneknirschend, aber geschluckt. Heute ist es bereits kein Thema mehr.«

Er machte eine kurze Pause, nahm einen kleinen Schluck seines Kaffees und fuhr fort.

»Er weiß auch von Toby. Ich nehme, was das angeht, einfach kein Blatt vor den Mund. Und das rate ich Dir auch. Klar, ich hatte Freunde und Schulkameraden, die sich abgewandt haben. Na und? Sind halt nie wirkliche Freunde gewesen. Ende! Dafür habe ich so viele neue gute Freunde kennengelernt. Und nur die wenigsten davon sind ebenfalls schwul. Dir wird es gut gehen, Lucas. Richtig gut. Egal, welche Sexualität Du jetzt hast. Schwul, bi, Hetero. Aber verstecken ist echt Kacke. Gefährdet nur Deine Gesundheit. Wenn Du es genossen hast, Dich von Toby durch die Matratze nageln zu lassen, und Du hast es genossen, Toby kann nämlich selbst Steine zur Ekstase vögeln, dann sei froh und dankbar. Du hättest nämlich auch ein schlechtes Sexerlebnis haben können. Ja, ich stehe nämlich ebenfalls darauf, von dem schweigenden Blödmann da in der Ecke, richtig gefickt zu werden. Das kann der saugut. So, und jetzt rufst Du einfach bei Deiner Freundin an, quatsch ihr auf die Mailbox. Sag, ihr zwei Hübschen hättet wohl dringend Redebedarf. Triff Dich mit ihr und sei ehrlich. Wenn sie halbwegs Verstand hat, wird sie es vielleicht nachvollziehen können. Ob sie es akzeptiert, pff, keine Ahnung. Aber Du redest. Klaro?«

Damit stand er auf und ging nach nebenan, ohne auf eine Antwort von Lucas zu warten.

Der hockte am Tisch wie ein Schüler, der gerade nachsitzen aufgebrummt bekommen hatte. Regungslos starrte er auf das schwarze Display seines Handys. Als lege die korrekte Antwort darunter versteckt.

»42«

Er schaute mich noch verwirrter an.

 

»Die Antwort auf alle Fragen. 42!«

»Verstehe ich nicht.«

Ich löste mich von der Wand und ging auf ihn zu.

»Vergiss es. Ist nicht wichtig. Dachte, Du würdest vielleicht Douglas Adams kennen?«

»Wer soll das sein?«

»Ein englischer Autor. Stammt aus seinem Roman Per Anhalter durch die Galaxis. Die Antwort, die ein Computer ausspuckt, auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und des Universums. Ist aber jetzt auch egal. Pjotr hat echt recht, Lucas. Also, mit dem Reden und überhaupt mit dem Coming-out und so.«

»Ach, meinst Du? Das weiß ich nicht so genau.«

Er schwieg und ich wollte ihn nicht bedrängen.

»Vielleicht hat er damit recht. Auf jeden Fall stimmt es, was er über Dich gesagt hat. Das ich es schlechter haben könnte. Wahrscheinlich hab ich sogar verdammtes Glück gehabt. Es war geil. Verfluchte Scheiße. Aber so was von geil.«

Ein heiseres kratziges Glucksen purzelte aus seinem Mund.

»Danke. Fand ich auch.«

Er schüttelte den Kopf.

»Das musst Du doch nicht sagen. Du hast gerackert. Ich hab doch dagelegen wie ein Brett. Wie die meisten Mädels, mit denen ich bisher .... Scheiße, vielleicht bin ich einfach Kacke im Bett.«

Energisch schüttelte ich den Kopf, aber er unterbrach mich.

»Lass mich einfach reden, Toby. Ja? Keine Ahnung, ob ich jetzt schwul bin. Sieht wohl so aus!?! Aber egal, gestern Nacht. Ich war nicht so betrunken, wie ich vorhin sagte. Es war sehr, sehr ... schön. Du warst nett und zärtlich und einfühlsam. Gott, Du warst alles das, was man sich beim ersten Mal wünscht. Dein Freund ist ein glücklicher Mann. Und anscheinend noch nicht einmal eifersüchtig. Wenn ich so jemanden wie Dich an meiner Seite hätte, ich würde ihn einsperren oder zumindest so behüten, dass niemand anderer ihn mir wegschnappen kann. Dass Dein Freund mir nicht die Fresse poliert hat, ist echt ein Wunder.«

»Wenn überhaupt, hätte er mir die Fresse polieren müssen, Lucas, nicht Dir. Aber wir haben da ein offenes Agreement. Du vielleicht demnächst auch mit Deiner Freundin.«

»Das mit Isa, nee, das ist vorbei. Du kennst sie nicht. Dein Freund kennt sie nicht. Das kann die nicht. Offen. Nee, und sie wird es allen erzählen. Ich muss noch heute meine Klamotten aus ihrer Wohnung holen. Womöglich hat sie sie schon aus dem Fenster geworfen. Ich weiß gar nicht wohin damit.«

»Ins Studentenheim?«

»Nee, da muss ich auch raus. Nächsten Monat wäre ich da eh weg. Bis dahin hätte ich in Bremen ein Zimmer finden sollen. Jetzt, wo ich da studiere. Bin ja immer nur abends zu Isa gefahren.«

»Okay. Und was ist mit Deinen Eltern?«

Kopfschütteln.

»Vergiss es. Das sind richtige Landeier. Die verstehen gar nichts. Schon gar nicht, dass ihr einziger Sohn sich als Hinterlader entpuppt.«

»Gut, ich kenne sie ja nicht. Aber, hey, vielleicht traust Du Deinen Eltern zu wenig zu.«

»Bestimmt nicht.«

Einen Moment dachte ich noch nach.

»Okay, um wie viele Umzugskartons handelt es sich?«

»Keine Ahnung. Zwei bis drei, nehme ich an. Plus zwei große Koffer. Warum?«

»Na, ich muss noch mit Pjotr sprechen, aber wir haben noch etwas Platz im Keller und die Couch im Wohnzimmer kennst Du ja schon. Für ein paar Tage wird das schon gehen.«

»Aber ....«

Ich drückte ihm meinen Zeigefinger auf den Mund.

»Halt die Klappe, sonst überlege ich mir das gleich nochmal. Pjotr? Hast Du zufällig gelauscht?«

Pjotrs feist grinsendes Gesicht erschien augenblicklich im Türrahmen.

»Gelauscht? Für wen hältst Du mich eigentlich? Für Deinen privaten NSA-Mann? Klar kann die Ex-Hete hier ein paar Tage pennen. Warum nicht? Und tu mal nicht so, als würden wir immer alles groß bereden müssen. Sollen wir gleich hinfahren, oder magst Du Dir erst das getrocknete Sperma von Brust und Poperze waschen? Kommt vielleicht besser bei den Nachbarn an. Hab Dir schon mal Joggingklamotten von mir rausgelegt. Die von Toby wären ja wohl etwas zu klein. Musst halt die Hose an den Beinen hochschieben.«

Lucas sass mit offenem Mund da.

»Sollen wir Dich jetzt wie einen Pflegefall unter die Dusche schieben oder was? Komm, mach schnell, schließlich muss ich noch etwas packen. Morgen düse ich nämlich wieder nach Brüssel. Aber genießt mir die Zweisamkeit ja nicht zu sehr, verstanden? Nächstes Wochenende bin ich wieder da. Und dann gehört Toby mir. Hast Du das kapiert, Hete? Sorry, Ex-Hete!«

Die Augen verdrehend, aber mir das Lachen verbeißend, stimmte ich meinem Freund zu.

»Bis eben warst Du noch sehr nett, Pjotr. Jetzt ist das alte giftige Lästermaul wieder voll da. Aber ich beklage mich nicht. Danke. Und, Lucas, ab unter die Dusche. Handtücher findest Du im Badezimmerschrank.«

Damit schubste ich ihn sanft, aber energisch aus der Küche, bevor ich Pjotr um die Hüfte fasste.

»Abgefahren, mein Großer. Schau einer an, hinter der Großkapitalisten-Fassade steckt ja tatsächlich ein sanftmütiger Mensch. Eine empfindsame Seele. Immer für eine Überraschung gut. Echt ein feiner Zug von Dir.«

Er küsste mich und schnitt mir damit das Wort ab.

»Wer sagt denn, dass ich das uneigennützig gemacht habe? Der sexuell verwirrte Schnuckel hat nen netten Knüppel zwischen den Beinen und einen perfekten runden Knackarsch. Wer weiß, was wir nächstes Wochenende gemeinsam so alles veranstalten können, oder?«

»Oh, halt die Klappe, gönn mir diese unerwartete Wendung und lass mich den sanftmütigen Menschenfreund Pjotr wenigstens für einen Augenblick genießen.«

Und bevor er das neu erworbene Bild vom guten Samariter mit weiteren bissigen Kommentaren zerstören konnte, verschloss ich leidenschaftlich seine Lippen mit den meinen. Die Hände um seine Hüfte geschlungen, ließ ich sie langsam tiefer gleiten. Zwischen Hosenbund und seiner weichen, so abgefahrenen weichen, glatten Haut.

 

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