Abgefahren - Teil 7

von T.S. Marian
veröffentlicht am 08.07.2022
© T.S. Marian, mannfuermann.com
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Alpha Männer / Bareback / Bisexuell / Das erste Mal / Große Schwänze / Junge Männer / Muskeln / Romantik

Mindestens zwei Minuten vergingen, in denen Lucas sich nicht rührte und ich es nicht wagte, auch nur einen Laut von mir zu geben. Dann hob er sein Astra, stieß kurz mit meiner Flasche an und leerte es in einem Zug.

 

»Auch noch eins?«

Ohne meine Antwort abzuwarten, bestellte er zwei weitere Biere und dazu zwei Tequila.

Auch ich kippte mein restliches Astra auf Ex. Erstaunt sah ich, dass Lucas bereits Salz auf seinen Handrücken gestreut hatte und das Schnapsglas hochhielt. Ich versuchte hinterherzukommen, aber als ich noch meine Orange auslutschte, hatte er bereits die nächste Runde geordert.

»Äh, Lucas, danke vielmals, aber ... meinst du nicht, dass Du, äh, es etwas langsamer angehen lassen solltest? Es tut mir leid, dass Du Zoff hast mit Deiner Freundin, aber ich kann nicht so viel ..., äh, trinken. Da bin ich nicht geübt drin. Sorry!«

Lucas schaute nur einmal kurz von der Seite mich an. Dann zuckte er wieder einmal die Achseln, nahm erst seinen Tequila, trank und kippte gleich sofort mein Glas hinterher. Er legte einen Zwanzig-Euro Schein auf die Theke und rief zum Barkeeper: »Nochmal so eine Runde!« Und zu mir: »Muss pissen. Bin gleich wieder da.«

Damit schwang er sich vom Hocker, zog sein Jackett aus, legte es sauber über den Sitz und ging schnurstracks Richtung Toiletten.

Ein wenig rätselte ich, ob es nicht besser wäre, ihn zu begleiten, aber sein Gang war aufrecht. Kein einziges Schwanken. Ganz offensichtlich vertrug er mehr als ich. Ein durchaus hübscher Enddreißiger stand am Eingang vor dem WC und sprach Lucas an. Die Absicht war eindeutig, er wollte ihn anmachen oder zumindest seine Karten ins Spiel werfen. Aber mehr als einen Halbsatz konnte er nicht vollendet haben, bevor Lucas ihn mit seiner linken Hand zur Seite schob und im Klo verschwand.

Der Barkeeper stellte die georderten Getränke ab, legte das Restgeld daneben und nickte mir mit einem süffisanten Grinsen zu. Und damit ich auch mit absoluter Sicherheit seine Intention verstand, ließ er seine Zunge die Wangeninnenseite ein paar Mal ausbeulen. Ich wandte mich ab und verdrehte die Augen. Männer, ob hetero oder schwul, sind echt alle gleich, sobald junges, hübsches Frischfleisch in ihre Nähe kommt. Gut, ich fand Lucas auch verflucht attraktiv. Scheiße, ja. Das war er nun einmal. Das hatte ich ja auch noch nie bestritten, aber so offensichtlich, so ohne jede Scham und jeden Charme es zu demonstrieren. Ich musste mich demnächst selber nochmal auf den Prüfstand stellen. Aber ich glaubte nicht, dass ich mich genauso verhielt. Hoffentlich.

Meine Gedanken wurden unterbrochen, als Lucas Hand sich warm auf meine Schulter legte, während er sich wieder auf den Hocker schwang.

»Schon besser. Druck auf der Blase ist echt Kacke. Prost. Du heißt Toby, oder?«

Schau mal einer an, da hatte er sich dann doch meinen Namen gemerkt. Hatte ich nicht mit gerechnet.

»Richtig. Eigentlich Tobias, aber egal. Prost, Lucas.«

Meine Astraflasche hebend, nahm ich einen kleinen Schluck, während er erneut zum Salzstreuer griff.

»Ach, Mist. Hatte vergessen, Du wolltest gar keinen weiteren Tequila. Hey, Barkeeper, äh, wie heißt Du? Ich bin Lucas. Sag mal, trinkst Du den hier mit mir? Mein Kumpel Tobias mag nicht mehr.«

»Eigentlich darf ich im Dienst nicht wirklich mittrinken, aber bei Dir mache ich eine Ausnahme, Lucas. Ich heiße Rául.«

»Freut mich, Rául. Na, dann. Zur Mitte, zur Titte, zum Sack. Zackzack!«

Ein so fettes Grinsen lag jetzt auf Ráuls Gesicht. Schon ein wenig zu siegessicher, wie ich fand.

Lucas und er leckten über ihre mit Salz bestreuten Hände, dann kippten sie den Schnaps nach und bissen dann lachend in die Orangenscheibe.

»Warte mal, Lucas«, sagte Rául dann provokativ mit Blick auf mich. »Du hast da oben an der Lippe was.«

»Wo denn?« Lucas fuhr mit der Rückseite der Hand über seinen Mund.

»Weg?«

»Nee, jetzt ist es noch mehr. Beug Dich mal rüber.«

Was war nur in meinen Piercing-Boy gefahren? Ganz ohne Hemmungen lehnte er sich mit seinem Oberkörper über den Tresen und ließ sich von Rául mit dem Daumen die Salzreste von der Oberlippe wischen. Dieser leckte danach die Daumenspitze lasziv ab.

Lucas lachte kurz auf, wandte sich zu mir und raunte mir ins Ohr: »So eine Schwuchtel, oder?«

 

Einen Augenblick später wurde ihm bewusst, was er gerade von sich gegeben hatte und schaute mich erschrocken an.

»Sorry, Mann. Das war nur so, äh, also, das habe ich nicht persönlich gemeint. War nur so, äh, ungewohnt. Nicht böse sein jetzt, okay?«

Ich nickte und lächelte. Fasziniert stellte ich fest, dass Lucas im Gegensatz zu unseren Begegnungen im Zug heute Abend relativ gesprächig zu sein schien. War das der Alkohol? War es der Ärger mit seiner Freundin?

»Du warst doch nicht alleine hier, Tobias?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Nein, eigentlich war ich nicht allein hier. Ich war mit meinem, ... äh, mit einem Freund und zwei Bekannten hier.«

»Ah!«

Lucas schaute einen Moment in Richtung Tanzfläche.

»Und? Wo sind die jetzt gerade?«

Ich machte mit dem Kopf ein Zeichen Richtung Ausgang.

»Sind gegangen. Wollten noch was essen.«

»Ah.«

Wieder trat Schweigen ein. Worauf das wohl hinauslaufen würde, schoss mir durch den Kopf.

»Und Du hattest keinen Hunger?«

»Sie haben mich nicht gefragt. Ich hatte mir gerade den Finger verletzt und wir beide waren auf dem Klo, als ...«

»Scheiße stimmt ja.«

Lucas nahm meine linke Hand und schaute sich den improvisierten Verband mit dem Haargummi seiner Freundin an.

»Ey, Rául, habt Ihr nen Verbandskasten hier hinterm Tresen? Mein Freund braucht mal ein sauberes Pflaster. Und habt Ihr Jod hier oder sollen wir nen Tequila drüber gießen zum Desinfizieren?«

Mühevoll winkte ich ab.

»Das ist doch nicht nötig. So tief war der Schnitt doch gar nicht.«

Rául, der sich freute, wieder von Lucas angesprochen zu werden, zauberte aus einer der Schubladen einen kleinen Verbandskasten herbei. Ein abgelaufenes Wundspray und mehrere Pflaster lagen darin.

»Mannmann! Auch nicht gerade so, dass das Gewerbeaufsichtsamt Euch ne Eins mit Sternchen geben würde.«

Lucas verdrehte die Augen.

»Aber besser als nichts. Danke, Rául.«

Damit nahm er Spray und Pflaster, zog vorsichtig das Taschentuch samt Haargummi ab, sprühte meinen Daumen ein, wartete einen Moment und verpflasterte dann gekonnt meinen Finger.

»Wird wieder heilen. Ohne Narbe. Bin ich mir ziemlich sicher. Noch nen Drink?«

Ich schaute verwundert erst meine Verarztung an, dann ihn, bevor ich sagte: »Danke, Lucas. Vielen Dank. Aber ich hab noch immer mein Astra.«

»Okay. Sag, wenn Du noch was willst.«

Wieder trat Stille ein. War er wirklich so ruhig? So cool? Beide Male im Zug war er zwar auf meine Initiative hin, durchaus zum Sex bereit gewesen, aber ich hatte jeweils seine Aufregung gespürt, ja, gesehen. Jetzt saß er in einer der bekanntesten Schwulenbars Hamburgs und wieder wirkte er äußerlich ruhig. Wieso ging er nicht? Er musste ja nicht seiner Freundin und deren Bekannten folgen. Aber er würde doch sicherlich einen eigenen Kumpelkreis haben, mit denen er gelegentlich saufen und quatschen könnte. Fußballspielen oder schauen. Vielleicht irgendeinen bekannten Ego-Shooter spielen oder sich nen Geile-Schlampen-Besorgen-Es-Dir-Porno auf YouPorn angucken. Aber er blieb hier. War er einfach zu träge, um jetzt zu gehen? Zu betrunken schien er nicht zu sein.

»Sag mal, gibt es hier eigentlich so einen Raum?«

»Raum? Was denn für einen Raum?«

Ich war verdattert. Stand total auf der Leitung. Lucas beugte sich vorsichtig rüber und flüsterte es in mein Ohr.

»So einen Darkroom oder so ähnlich. Einen Fickraum eben.«

Fast hätte ich laut losgelacht. Die Heteros und ihre eigentümlichen Vorstellungen. Schwule Bar ist immer gleichbedeuten mit einer Art von Swinger-Club.

»Das gibt es in dieser Bar nicht. Sorry, aber dafür gibt es andere Lokalitäten.«

Er nickte kurz.

»Okay.«

Einen Augenblick später.

»Ich dachte nur, weil .... Ach, egal.«

Ich flüsterte ihm ins Ohr.

»Wieso, Lucas? Möchtest Du mal einen Darkroom besuchen?«

»Quatsch, nein!!!«

Seine Stimme wurde plötzlich tiefer, als ich sie kannte. Dann huschte doch ein Lächeln über sein Gesicht.

»Dachte bloß, wenn ich schon mal in ner Tuckenbar, äh, in ner Schwulenbar bin, könnte ich mal einen Blick in so einen Raum werfen.«

 

»Tja, aber Dir ist schon klar, dass es ein völlig abgedunkelter Raum ist, ein Darkroom. Sinn und Zweck ist, dass man sich nicht wirklich sieht. Man tastet eher herum. Oder man trifft draußen die Verabredung mit einem, den man sexy findet und geht dann gemeinsam rein.«

»Ah.«

Wieder schwieg er eine Minute, bevor er sagte:

»Wenn man sich draußen gesehen hat, könnte man doch aber besser zuhause ne Nummer schieben. Ist doch bestimmt bequemer. Geht es nicht darum, mit jemandem Sex zu haben, den man gar nicht kennt?«

Obwohl wir alterstechnisch kaum auseinanderlagen, fühlte ich mich plötzlich wie der erfahrene Papi, der seinem Sohn die schwule Welt erklären durfte. Verrückt!

»Also, zum einen geht es beim Darkroom auch um den Sex in der Öffentlichkeit. Dass andere Männer Dir beim Blasen, beim Ficken etwas zuschauen können, dass sie zumindest schemenhaft und akustisch es wahrnehmen, Dich eventuell anfassen oder sich auch total mit daran beteiligen.«

»Ah. Gruppensex, ja?«

»Ja, so ähnlich eben.«

»Ah«

Er trank einen Schluck Bier. Sein Gesicht blieb regungslos, aber ich ahnte, dass es hinter der Stirn gerade gewaltig am Arbeiten war.

»Hast Du schon mal in so einem Darkroom gef...., äh, was gemacht?«

Die Abwägung musste schnell gehen. Wahrheit oder Lüge? Ich entschied mich für die Wahrheit.

»In Berlin, ja. Zwei, drei Mal vielleicht.«

»Ah.«

Bevor er zur nächsten, unvermeidlichen Frage ausholen konnte, kam ich ihm zuvor.

»Und ja, es hat mir damals Spaß gemacht. Und nein, ich schäme mich nicht dafür.«

Sein Kopf drehte sich zu mir und er schaute mich bestimmt eine halbe Minute lang an.

»Gut. Das ist gut.«

Mehr kam dann nicht. Sein Blick schweifte bereits wieder über die Tanzfläche und die Gäste in der Bar.

Mann, der konnte einen aber auch am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Jetzt platzte es aus mir heraus.

»Und wie sieht das bei Dir aus, Lucas? Schämst Du Dich etwa für die Sachen, die wir ...«

Das ich ausgerechnet jetzt ins Stocken geriet. Der Satz verlief aus irgendeinem Grund ins Nichts. Und Lucas schwieg. Kein Blick, kein Wort. Mal sehen, wie lange ich auf eine Antwort würde warten müssen. Ich konnte, ich wollte, ich würde es ihm nicht abnehmen. Da musste er jetzt durch. Minutenlang sagten wir beide nichts.

»Bock auf ne Currywurst?«

Hatte ich mich gerade verhört?

»Was, bitte?«

Er schaute mich an.

»Ich hab Hunger. Du auch?«

»Äh, ja. Vielleicht.«

Damit schwang er sich vom Hocker, zog sein Ledersakko an, trank noch einen Schluck Bier und schaute mich erwartungsvoll an.

»Ich lad Dich ein. Currywurst? Oder bist Du Vegetarier? Kannst natürlich auch Pommes haben, wenn Du magst.«

Tatsächlich hatte ich mittlerweile etwas Hunger.

»Sorry, ich habe mein Portemonnaie zuhause liegen lassen. Genauso wie mein Handy. Vielleicht sollte ich es holen. Dauert nur etwas. Ich wohne in Eimsbüttel und ...«

»Quatsch. Ich lad Dich ein. Also, gehen wir? An der S-Bahn ist ne Bude.«

Diesmal zuckte ich mit den Achseln.

»Okay. Lass uns gehen.«

Ich stellte meine Flasche halbleer auf dem Tresen ab. Rául, der Barkeeper schaute uns beide an. Konnte es sein, dass er etwas eifersüchtig war. Kein Lächeln war zu sehen. Dann kurz vor der Tür kam doch noch eins: »Viel Spaß, Jungs. Seid schön unartig. Bis bald, Ihr Süßen. Schade, dass ich noch nicht Feierabend habe, sonst wäre ich gerne mitgekommen.«

Es waren nur knapp achtzig Meter bis zur Imbissbude. Jetzt an der frischen Luft machte sich mein leerer Magen erst richtig bemerkbar. Am Stand stank es furchtbar nach ranzigem Fett. Nein, auf Pommes hatte ich keinen Bock, also entschied ich mich für eine klassische Thüringer Bratwurst, während Lucas gierig eine Riesen-Currywurst verschlang.

»Bist Du sicher, dass Dir das kleine Würstchen reicht? Du musst Dir keine Gedanken wegen des Geldes machen. Ist schon alles gut.«

Er war niedlich in dieser etwas unbeholfenen Großzügigkeit.

»Mir reicht das echt. Aber danke. Und das nächste Mal zahle ich.«

Erneut kam es zu einer Dialogpause.

 

»Das nächste Mal! Du meinst, es gibt ein nächstes Mal?«

Etwas perplex stand ich da.

»Warum denn nicht? Ich hab jetzt nicht den Eindruck, dass Du es so furchtbar findest, mit mir einen zu trinken und hier etwas zu essen, oder etwa doch?«

»Nein, natürlich nicht!«

Diesmal kam die Antwort sofort. Ich nahm eine übrig gebliebene Serviette und reichte sie ihm. Er schaute mich fragend an.

»Du hast da etwas Currysoße am Kinn.«

»Ah. Danke.«

Er wischte es ab und warf mir einen unsicheren Blick zu.

»Ja, gut, alles wieder sauber.«

Die nächste Pause.

»Was jetzt?«

Jetzt war ich leicht verunsichert.

»Was meinst Du mit: Was jetzt?«

Lucas zögerte einen kleinen Moment.

»Na, gehst Du jetzt heim?«

»Ja, hatte ich eigentlich vor. Was, äh, ich meine: Warum fragst Du? Was hast Du denn jetzt vor?«

Er zuckte mit den Schultern.

»Weiß nicht. Wohnst Du allein?«

»Nein, wohne ich nicht. Warum, Lucas? Lass Dir doch bitte nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen. Was möchtest Du denn jetzt gerne tun?«

Langsam hatte ich durchaus eine Ahnung, aber ich wollte diesmal nicht der Motor sein. Nein, der Bursche sollte gefälligst selber mal die Initiative übernehmen.

»Na ja, ich dachte nur .... Ich wohne halt so weit weg. In Harburg halt, und ich dachte, wenn wir zu Dir gehen könnten, dann ... «

»Ja, Lucas? Was dann?«

Seine weißen Converse bzw. die Füße in seinen Schuhen führten eine Art kleinen Tanz auf. Als müssten seine Antworten durch die Bewegung freigelegt werden. Oder er sich Mut antanzen. Aber diesmal blieb ich stur. Ich ließ ihn zappeln. Er sollte es aussprechen. Auch wenn mir es völlig klar war, worauf es hinauslief.

»Hast Du Bock mir nochmal einen zu ..., also, mir einen zu ... blasen?«

Das letzte Wort kam so leise aus seinem Mund, dass es selbst für einen geübten Lippenleser eine Herausforderung gewesen wäre. Fast hätte ich einen Lachkrampf bekommen. Einzig die Tatsache, dass ich es geahnt hatte, ließ mich ruhig und sachlich reagieren.

»Du willst in die Kiste mit mir?«

Ich sagte es in einer so normalen Lautstärke, in einem derart trockenen Tonfall, dass andere Reeperbahn-Besucher neben uns aufmerksam wurden und uns beide neugierig mit Blicken taxierten. Obwohl die nächtlichen Lichtverhältnisse nicht gerade die Besten waren, zeichnet sich eine deutliche Rötung in Lucas Gesicht ab. Peinlich berührt wandte er sich ab und ließ ein gedämpftes, aber energisches »Pscht« vernehmen.

»Hey, Lucas. Fast jeder hier auf dem geilen Kiez wünscht sich heute Abend noch ne kleine oder größere Nummer. Da gibt es nichts, wofür man sich schämen muss.«

Mit einem einzigen Schritt war er auf mich zugetreten und hielt mir die Hand vor den Mund.

»Könntest Du jetzt bitte etwas leiser sprechen, Du Idiot!?!«

Die Gelegenheit nutzend, leckte ich einfach frech über seine Handinnenfläche. Vor Schreck machte er drei Schritte rückwärts und knallte laut gegen einen Aufsteller eines Tattoostudios. Mit beiden Händen hielt ich ihn an den Schultern fest, damit er nicht au die Fahrbahn stolperte.

»Ich werde gar nichts mehr sagen, bis Du endlich mal aus Deinem Schneckenhaus herauskommst und konkret sagst, was Du willst.«

Der arme Kerl. Seine Augen suchten hektisch die Umgebung ab, seine Hände suchten nach einer Stütze, nach einem Tresen, einer Armlehne wie im Zug, an der er Halt finden könnte, um weiterhin gelassen, um ganz cool zu wirken, aber da war einfach nichts. Alles, die ganzen schweren Entscheidungen blieben bei ihm allein. In einer Art luftleerem Raum. Aber das sind die Schritte, die jeder von uns mal allein machen musste. Auch wenn das Gehen schwerfällt und die Angst vor dem Bauchklatscher enorm ist. Wir alle mussten da durch. Jetzt lag es an ihm.

Und dann, ich weiß nicht wie und warum, überraschte er mich doch. Er umarmte mich und presste seine Lippen auf meine. Wie schon in Sagehorn, küsste er mich. Doch diesmal von sich aus. Ohne indirekte Anweisung. Lucas küsste mich. Mit etwas zuviel Druck und zu wenig zärtlich, aber dafür mit einer spürbaren, verzweifelten Leidenschaft. Oder wäre leidenschaftliche Verzweiflung sprachlich präziser? Keine Ahnung. Wer weiß das schon so exakt und fehlerfrei einzuordnen? Ist auch egal.

 

Lucas küsste mich. Und obwohl er gerade eine Riesen-Currywurst verschlungen hatte, schmeckte er fabelhaft. So gut, so lecker. Und er roch noch viel besser. Wieso roch der Typ so unglaublich? Welches Geheimnis mochte wohl dahinter stecken? War er Nichtraucher? Hatte ich ihn schon mal rauchen sehen? Nein, dann musste es das sein. Obwohl, nein, ich kannte einige Nichtraucher und mit vielen hatte ich schon engeren Körperkontakt. Nur Lucas roch bislang so wahnsinnig machend gut.

Pheromone also! Jene Botenduftstoffe, die einem Weibchen oder Männchen signalisieren sollen, dass es sich um die richtigen Partner bei der Fortpflanzung handelt. Das klingt in Bezug auf gleichgeschlechtlich Liebende völlig verrückt. Als hätte man damit dann die Natur, die Biologie verarscht. Ach, auch egal. Gerade fühlte es sich so dermaßen richtig an. Lucas küsste mich und seine Zunge drängte wie wild in meinen Mund herein.

Mir war kurzzeitig, als würde ich das erste Mal in meinem Leben geküsst. Sein Unterleib presste sich wie wild gegen meinen und ich spürte seine gesamte Härte auf meiner liegen. So deutlich, als wären nicht vier Stoffbahnen dazwischen, sondern als wären wir bereits nackt. Ein junges Paar, das an uns vorbeiging, rief: »Leute, nehmt Euch doch ein Zimmer.« Dann hörte ich einen leisen Pfiff. Aber er wurde abgedämpft durch Lucas Hände, die meinen Kopf festhielten und mich damit von der Außenwelt abschirmten. Endlich, nach einer gefühlten Viertelstunde, es waren aber höchstens fünf Sekunden, ließ er mich atemlos frei, sah mir in die Augen, sein Mund formte tonlos Laute, sein Hirn suchte fast sichtbar nach den richtigen Worten. Und dann endlich stammelte er:

»Fahren wir zu mir? Bitte, kommst Du mit zu mir, Toby?«

Seine Augen waren weitaufgerissen, so als wollte er sich nicht die kleinste Bestätigung meinerseits entgehen lassen. Als könnte auch nur ein Blinzeln für den Bruchteil einer Sekunde unsere Verbindung abbrechen lassen und damit sein weiteres Erdendasein zunichtemachen. Oder ihm eben auch den Weg ins Paradies zeigen. Wohin ich wollte, war schon klar. Ins Paradies. Und das Paradies war wohl für heute in Harburg zu finden. Mit einem energischen Ruck zog ich ihn an mich heran.

»Ja, lass uns fahren. Zu Dir. Wo geht es lang?«

Als hätte er Angst, ich könnte mich plötzlich umentscheiden, packte er meine unverletzte Hand und lief in Richtung S-Bahn-Station.

»Los, komm, Toby. Wir müssen uns beeilen, die letzte S 3 fährt gleich, ansonsten müssen wir umsteigen. Lauf! Schneller, ich will nicht so lange warten!«

Dieser Sprint kam wie aus dem Nichts heraus. Von Null auf Hundert. Dementsprechend waren wir beide ziemlich durchgeschwitzt, als wir die Treppen zur S-Bahn-Station Reeperbahn herunterstürzten, um mit dem Türenschließen und dem dazugehörigen piependen Warnton gerade noch in den vordersten Wagon der S 3 purzelten. Keuchend, aber grinsend sahen wir uns in die Augen, nahmen auf einer Viererbank nebeneinander Platz und bemerkten da erst, dass wir immer noch unsere Hände, die Finger ineinander verschränkt, festhielten.

Verstohlen warf ich einen Blick in die spiegelnde Fensterscheibe, um Lucas Umgangsweise mit der öffentlichen Situation abzuchecken. Mit uns sassen noch viele andere Nachtschwärmer im Wagon. Alte und Junge, Nüchterne und Betrunkene. Ein wild knutschendes Hetero-Paar saß uns schräg gegenüber. Die kleine Gothic-Braut registrierte kurz unser Händchenhalten. Für einen winzigen Augenblick trafen sich unsere Augen und sie lächelte spröde mit ihren schwarzbemalten Lippen. Das auch ihr Freund unsere Intimität bemerkt hatte, wurde uns erst bewusst, als er beim Verlassen der Bahn am Hamburger Hauptbahnhof auf Lucas wies und anerkennend sagte: »Geile Fleshs, Bro.«

Mein Piercing-Boy hob die linke Hand und tippte auf den Plug in seinem linken Ohrläppchen. Es fiel mir jetzt erst bewusst auf, dass er diesmal nicht den üblichen Dehnungsring trug, wie bei unseren Begegnungen im Zug, sondern einen zylindrischen Stab aus Edelstahl oder Titan, der an den Ohrlöchern mit einem neongrünen Stopper versehen war. Wieder einmal schoss mir durch den Kopf, dass ich diese Form des Körperschmucks für mich selber gänzlich ausgeschlossen hatte, es bei Lucas aber, wenn auch gewöhnungsbedürftig, ziemlich attraktiv und sexy fand. Außerdem hatte er nicht eine Sekunde meine Hand losgelassen. Irgendein Entwicklungsprozess, eine Akzeptanz der eigenen Bedürfnisse, der sexuellen Identität fand da offensichtlich statt.

 

Seine Hand, zusammen mit meiner, fuhr, als er sich unbeobachtet fühlte, zwischen meine Schenkel und er streichelte und drückte über meine Dauererektion in der Hose. Vor Anspannung und Erregung stand sein Mund dabei die ganze Zeit leicht offen und jede halbe Minute schnellte seine Zunge kurz heraus, um die Lippen zu befeuchten. Mir schoss durch den Kopf: »Ich habe ein Sex-Monster erschaffen. Einen von der eigenen neuen Sexualität Getriebenen. Wahnsinn! Doktor Tobias Frankenstein!«

Auch in Harburg angekommen, beim Weg aus der S-Bahn-Station heraus, hielt er weiterhin meine Hand. Ja, direkt am Bahnhof selber, drückte er mich plötzlich gegen eine Parkbank und eroberte meinen Mund erneut mit seiner Zunge.

»Hey, langsam, Lucas. Sag mal, Du weißt schon, seit der Sache in Sagehorn, dass ich keine Probleme mit Outdoorsex habe, aber hier ist dann doch entscheidend mehr los. Wollen wir nicht abwarten, bis wir bei Dir sind?«

Statt zu antworten, nickte er nur kurz und zog mich weiter. Wir liefen über den Vorplatz auf eine der Hauptstraßen zu. Dann bogen wir links in eine Nebenstraße und Lucas verfiel in einen schnellen Joggingmodus. Zwangsläufig musste ich mithalten. Ohne das ich mir die Straßennamen hätte merken können, ging es ständig nach links, dann wieder rechts und ein weiteres Mal nach links.

Nach knapp zehn Minuten, der Schweiß lief mir bereits den Rücken herunter, standen wir vor einem Gebäudekomplex, wie ich ihn auch aus Berlin noch von meinen Studentenwohnheimen her kannte. Zum ersten Mal ließ er jetzt meine Hand los, fummelte aus der Hosentasche den Schlüssel heraus, schloss die gläserne Haustür auf und wies auf den Fahrstuhl am Ende des Eingangsbereichs. Er selber ging zu den schier unzähligen, an der linken Wand montierten Briefkästen, und kam mit einem Packen Briefe und Werbeflyern zu mir. Den Fahrstuhl hatte ich bereits gerufen. Jetzt fuhren wir in den sechsten Stock.

Als die Tür sich dort öffnete, schaute sich Lucas vorsichtig im Gang um. Mehrere Appartementtüren standen offen. Studenten liefen hin und her. Nur vereinzelt waren etwas lautere Gespräche oder ein Lachen zu hören. Lucas drückte mich zurück in die Fahrstuhlkabine und raunte leise: »Fahr noch mal runter. Bitte. In circa fünf oder zehn Minuten kommst Du dann hoch. Mein Zimmer ist die 612. Hier nach rechts raus. Ich lass die Tür angelehnt. Wenn sie komplett offen steht, geh bitte vorbei und tu so, als würdest Du mich nicht kennen. Bitte, frag jetzt nicht warum! Mach es einfach, okay?«

Ich hatte gerade noch die Chance zu nicken, dann war er auch schon abgebogen und ich hörte, wie er jemanden begrüßte, die Metalltüren glitten zu und der Fahrstuhl setzte sich in Richtung achter Stock in Bewegung.

Ein wenig komisch kam ich mir schon vor. Wirkte Lucas bis gerade eben noch wie ein Mann, der offen zu seiner neu entdeckten Sexualität stand, machte diese Heimlichkeitsnummer gerade aus mir, ..., ja, was eigentlich? Den Mann im Schatten? Die geheime Perversion des braven heterosexuellen Musterstudenten namens Lucas? Am Wochenende gerne mal ein bisschen bi?

Auf der Acht stiegen ein paar Mädels ein, die anscheinend jetzt erst ausgehen wollten. Jedenfalls wurde über Clubs gesprochen, die ich nur vom Hörensagen kannte. Eine wilde Mischung der unterschiedlichsten Parfums erfüllte die Kabine. Ein olfaktorischer Overkill, sodass ich froh war, als wir das Erdgeschoss erreichten und ich kurz an die frische Luft treten konnte.

Meinen rechten Fuß in der Tür eingeklemmt, zog ich ein Zigarettenetui heraus, zündete mir gedankenverloren eine an und dachte über den bisherigen Abend nach. Und wie ich mich nun weiter verhalten sollte. War es richtig, ein solches Versteckspiel mitzumachen? Aber, auf der anderen Seite, war es fair, Lucas jetzt mit diesen Gedanken zu konfrontieren? Immerhin hatte er sich heute schon so offen, so unverklemmt gezeigt wie nie. Und er wollte mehr. Viel mehr, als ich ihm bislang zugetraut hätte.

Tatsächlich hatte er die Initiative übernommen. Wir waren auf seinen Vorschlag hin hier. Noch einmal zog ich, warf dann die halbe Kippe zur Haustür heraus, bevor ich zurück zum Lift ging. Knapp sieben Minuten waren vergangen. Während ich auf den Fahrstuhl wartete, ein Mentholbonbon lutschte, merkte ich, dass meine eben verloren gegangene Erektion, sich jetzt, in gespannter Erwartung der Dinge, die oben geschehen würden, wieder aufbaute.

 

Ein weiterer Schwall ausgehfreudiger Studis platzte giggelnd und quatschend aus der schmalen Kabine. Ich huschte als Einziger hinein, drückte auf die Sechs und fuhr mir noch einmal durchs Haar. Oben angekommen, bog ich nach rechts ab, grinste dümmlich einigen Frauen und Männern, die mir entgegenkamen und Hallo sagten, zu. Erfasste im Vorübergehen unauffällig die Zimmernummern und erreichte die 612. Zwei Frauen, die direkt hinter mir durch den Gang liefen, trickste ich aus, indem ich so tat, als würde ich einen Anruf annehmen und deshalb kurz stehenbleiben. Mein Blick huschte über die Zimmertür und ja, wie versprochen, sie war nur angelehnt. Nochmals versicherte ich mich schnell, dass ich gänzlich unbeobachtet war, und trat dann entschlossen und zügig ein.

Das Erste, was ich registrierte, war, ja, es war fast stockduster. Mir fiel sofort unser Gespräch über Darkrooms wieder ein. Hatte Lucas absichtlich eine anonyme Atmosphäre erschaffen? Wollte er sich und mich dabei nicht wirklich sehen? Konnte er sich damit selbst täuschen wollen? Diese Gedanken wurden unterbrochen durch Lucas‘ Zischen: »Mach sofort zu, schließ ab, Schlüssel steckt.«

Ich griff hinter mich und versperrte die Tür. Nur mit Mühe gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit. Endlich erkannte ich einen Schemen. Lucas stand vielleicht zwei Meter entfernt. Dann drückte er einen Schalter und ein winziges Licht am Kopfende eines Singlebetts ging an. Eine kleine Leselampe erleuchtete spärlich den Raum.

»Sorry, wir müssen echt leise sein. Durch diese Wände dringt alles. Ist vielleicht nicht so ideal, oder?«

Lucas war mit einem Schritt auf mich zugekommen und flüsterte es mir ins Ohr. Mich erinnerte das total an erste Sexerlebnisse mit Cousins oder Klassenkameraden, die nachmittags zum Lernen in mein ehemaliges Kinderzimmer kamen und wir zu Pornos auf dem Laptop uns einzeln oder manchmal auch gegenseitig einen runterholten. Es war ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Verrückt. Aber es war mir egal. Jetzt wollte ich einfach wissen, wie weit mein Piercing-Boy sich heute noch wagen würde. Also legte ich meinen Zeigefinger auf seine Lippen, knabberte leicht an seinem Hals, bevor ich raunte:

»Ist gut, Lucas. Wenn Du nicht aufschreist, ich kann mich ganz gut zurückhalten. Egal, was Du vielleicht denkst, aber ich bin keine Scream-Queen, okay?«

Meine Arme schlossen sich um seine Hüfte, das Ledersakko und seine Chucks hatte er abgelegt. Jetzt trug er nur noch die Jeans und das T-Shirt. Meine Hände glitten über seine Seiten bis zur Schulter hoch, um dann den Brustbereich abzutasten. Seine Nippel waren hart, der silberne Stift in der rechten Warze stand weit ab. Auch seine wenigen Härchen auf den Armen waren aufgerichtet. Eine leichte Gänsehaut hatte ihn komplett überzogen. An seinem Rücken war noch der klamme Schweißfilm zu spüren, den unser Wettlauf hierher mit sich gebracht hatte.

Lucas Hände wussten nicht so genau, wo sie jetzt hinsollten. War er vorhin noch Herr der Lage, schien er nun, in dieser Stille, in seiner entzückenden Ahnungslosigkeit, was nun passieren würde, erneut zu einem kleinen Jungen zu werden. Sein Herz schlug so schnell, als würde er immer noch rennen. Alle paar Sekunden musste er vor lauter Aufregung trocken schlucken, tatsächlich war sein Atmen, das lauteste Geräusch im Raum. Meine Hände glitten von seiner Brust runter zum Shirtbund und mit einem Ruck zog ich es nach oben. Seine Arme schnellten willenlos nach oben, es glitt über seinen Kopf und ich warf das leicht feuchte, weiße Ding zu Boden. Seine Finger wurden jetzt auch wieder lebendig; zitternd knöpfte er mir mein Hemd auf, ehe ich es selbst mit einer flüssigen Bewegung aus der Hose zog und seinem T-Shirt zur Gesellschaft hinzufügte.

Erstaunt bemerkte ich, dass Lucas diesmal ganz ohne Aufforderung auch meinen Körper mit den Fingern abtastete. Die Muskelpartien an Schulter, Armen und Brust abfuhr und sehr zaghaft mit einem Nippel von mir spielte. Dabei waren unsere Münder nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, aber keiner wagte es, dieses Streicheln durch einen Kuss womöglich zu unterbrechen.

 

»Krass. Du hast total weiche Haut, Toby.«

Lucas Finger glitten an meinem Oberkörper auf und ab.

»Echt. Wie ein Mädchen so weich.«

Dann war ihm das peinlich und er stammelte leise:

»Also, natürlich nicht wie ein Mädchen. Du ... Du bist natürlich überhaupt nicht wie ein Mädchen. Du hast ... tolle Muskeln, aber Deine Haut ... also, die ...«

Mein verpflasterter Finger legte sich auf seine Lippen. Ein Kompliment über meine Haut hatte ich schon lange nicht mehr bekommen. Meinen Stirnpickel schien Lucas bislang nicht bemerkt zu haben. Oder er war ihm scheißegal.

»Pscht! Hab Dich schon verstanden. Und den Unterschied zu einem Mädchen kannst Du hier gerne kennenlernen.«

Damit schnappte ich seine Hand und legte sie direkt auf meinen harten Schwanz in der Jeans. Kurz wollte Lucas sie wohl zurückziehen, aber die Neugier, die Erregung siegte. Erst zaghaft, dann immer selbstbewusster strich er über den pulsierenden Steifen, drückte mal mit zwei Fingern, dann mit der gesamten Hand, ließ den Zeigefinger tiefer gleiten zum Sack und bis zur Kimme. Mit der anderen Hand umschlang er mich und griff energisch meinen Arsch, hob mich fast schon an. Dann drängte er diese Hand zwischen Hosenbund, meine Briefs und der nackten Haut.

»Langsam, Lucas. Lass mich doch erst den Gürtel öffnen, ja?«

Fast erschrocken zog er die Hand weg.

»Sorry, klar doch. Ich bin ... bin nur so ... geil auf Deinen Arsch. Der ist echt ... scharf. So perfekt, so rund, so ... Sorry.«

Meine Brust schwoll an vor Stolz. Wenn der Bursche noch mehr solcher Komplimente machte, würde ich gleich auf die Knie fallen und um seine Hand anhalten. Pjotrs sparsame Art, mit freundlichen Worten und Phrasen umzugehen, hatte mich offensichtlich diesbezüglich etwas aushungern lassen. Und nun überraschte mich ausgerechnet der ansonsten so schweigsame Lucas mit Schmeicheleien.

»Pscht! Aber danke, Lucas. Allerdings weiß ich ja noch aus Sagehorn, dass Dein Hintern ebenfalls ziemlich perfekt und geil ist. Und das er lecker schmeckt.«

Trotz der Dunkelheit konnte ich sehen, wie sein Kopf gerade knallrot anlief. Ich grinste ihn an.

»Zieh Dich ganz aus, Lucas. Erst Du, dann ich. Okay?«

Keine Ahnung, wie ich auf das pubertäre Spielchen »Zeigst Du mir Deins, zeig ich Dir meins« kam. Aber mit ihm an meiner Seite fühlte mich glatt zehn Jahre jünger. Wie ein Vierzehnjähriger auf dem Weg zur schwulen Mannwerdung.

Kurz sah ich in seinen seegrünen Augen etwas Angst aufblitzen, aber dann siegte die Geilheit und Lucas knöpfte die Hose auf. Genau wie damals in Sagehorn hatte er auch diesmal überraschenderweise keine Unterhose an. Die Jeans glitt herab und sein hübscher, komplett rasierter Schwanz federte hoch, um dann senkrecht stehen zu bleiben. Zwei Schritte und ein Tritt seitwärts folgten, sodass die Hose unseren anderen Kleidungsstücken Gesellschaft leistete. Seine Socken hatte er wohl schon mit den weißen Converse ausgezogen, bevor ich kam. Als Letztes zog er die Basecap vom Kopf. Zum ersten Mal sah ich, dass er zwar seitlich einen strengen Undercut hatte, aber sein Haupthaar dicht mit schwarz-braunen Locken ausgestattet war. Haare, die zum drin wühlen einluden.

»Willst Du mich jetzt hier so stehen lassen, oder was?«

Wenn ich ehrlich war, hätte ich ihn gerne noch eine Weile einfach so betrachtet. Er war so pur, so unschuldig in seiner Nacktheit. Vermittelte ein so anderes Bild als sonst mit seiner Bomberjacke und seinem stoischen Gesichtsausdruck. Wie seine Zehen nervös auf und ab wippten. Ein moderner, zeitgemäßer michelangeloscher David.

Aber ich riss mich zusammen, stieg aus meinen Schuhen, zog die Socklets aus und ließ ebenfalls meine Hose runtergleiten. Meine Briefs wollte ich noch einen Augenblick anbehalten, aber dazu kam es nicht. Lucas presste sich erneut gegen mich, sein Harter bohrte sich fast in meinen Bauch und ich strauchelte nach hinten. Gegen seinen Bettrahmen stoßend, verlor ich das Gleichgewicht und plumpste auf die Matratze. Leise lachend entfernte ich nun auch das letzte störende Kleidungsstück.

 

Nur eine Sekunde später lag Lucas über mir. Seine Zunge drängte sich durch meine Lippen und suchten meine. Dass er ein so leidenschaftlicher Küsser war, hätte ich vom äußeren Schein her wirklich nie gedacht. Er drehte sich etwas auf die Seite und nun fingen seine Hände an, jede Stelle meines Körpers zu erkunden. Ich tat es ihm gleich, aber ich wollte mehr. Ich wollte runter zu seinem Schwanz, der, wie beim letzten Mal in Sagehorn, meinen Bauch schon wieder mit einer unerhörten Menge an Precum überflutete.

»Lass mich Dir einen blasen, Lucas. Das wolltest Du doch.«

Doch er hielt mich zurück und flüsterte.

»Nein, Toby. Nicht! Scheiße, ich komm gleich. Ich bin so geil. Wenn Du da jetzt drangehst, ist alles vorbei.«

Ich musste leise lachen.

»Alles vorbei? So ein Quatsch. Dann kommst Du halt. Na und? Wirst schon noch ein weiteres Mal kommen können.«

Lucas rückte etwas von mir ab.

»Ich meine das ernst, Tobias.«

Pause.

»Wenn ich gekommen bin, war ... bislang immer Schluss für mich.«

Sein Tonfall war ungewohnt hart und direkt zum restlichen Abend.

»Du meinst ... also, auch wenn Du mit ... mit Deiner Freundin schläfst? Da ist dann Schluss, wenn Du einmal gekommen bist?«

Eigentlich konnte ich es gerade nicht fassen. Hier lagen wir. Zwei Typen auf dem Weg zur Ekstase. Stattdessen führte ich jetzt ein Gespräch, als wäre ich sein Urologe oder Sex-Therapeut.

»Du kannst ja gleich blasen, aber bring mich nicht zum Kommen. Also, noch nicht! Bitte, Toby.«

Jetzt verwandelte sich sein Ton in ein Flehen.

»Okay, okay! Alles gut. Mach Dir keine Sorgen. Entspann Dich. Wir haben ja Zeit, oder nicht?«

Lucas nickte schwach, schluckte dann und wandte sein Gesicht leicht ab.

»Sorry, das war jetzt bestimmt abtörnend für Dich.«

»Na ja, ein bisschen schon. Ehrlich gesagt.«

Lucas richtete sich.

»Scheiße, ich hab’s ja gewusst. Bin halt nicht schwul, das war aber auch kein Geheimnis.«

»Was hat das bitte mit Schwulsein zu tun, Lucas? Also, warum nicht mehrmals hintereinander? Das machen doch Heteros auch. Da muss doch was anderes, wie soll ich sagen, ja, das Problem sein, oder?«

»Hör auf mich zu analysieren, ja! Du kannst gerne gehen, wenn Dir das nicht passt.«

Lucas war überraschend laut geworden.

»Pscht. Hör mal, ich will nicht gehen. Könnten wir nicht einfach da weitermachen, wo wir stehen geblieben sind? Guck mal, der kleine Toby freut sich nämlich noch immer.«

Spielerisch wedelte ich ein wenig mit meinem Schwengel und zog dann Lucas wieder nah an mich heran. Etwas zögerlich gab er schließlich nach und küsste mich mit derselben Leidenschaft, wie vor unserer kleinen Unterbrechung. Meine Hand griff nach unten und erwischte seinen Halbsteifen, der augenblicklich wieder komplett hart wurde.

Erneut glitt ich herab und diesmal ließ er mich widerstandslos meine Zunge ins Spiel bringen. Vorsichtig umkreiste sie seine Eichel, aus der sein Vorsaft wieder zu fließen begann. Sein Oberkörper sackte zurück in die Kissen und er bedeckte die Augen mit den Händen. Aber sein, sich immer schneller hebender, Brustkorb und der stoßweise entweichende Atem bewiesen mir, wie sehr ihm meine Zungenfertigkeiten gefielen. Sein Sack, seine Eier, alles wurde von mir mit Mund und Zunge erkundet. Meine Finger glitten zwischen seinen männlich behaarten Innenschenkeln rauf und runter, kratzten sie sanft mit den Fingernägeln, bis seine Zehen sich fast vor Lust verknoteten. Zu guter Letzt hob ich seinen Sack an und glitt mit meinem Gesicht an seine Kimme heran. Mit der Linken stopfte ich ein Kissen unter sein makelloses Hinterteil, Lucas zog bereitwillig seine Beine etwas an und ich begann sein enges kleines Loch einzuspeicheln. Wie schon in Sagehorn, schien ihm diese Behandlung extrem gut zu gefallen. Wahrscheinlich hatte nie eine seiner Freundin sich an diese Region seines Körpers gewagt. Sein Stöhnen wurde jedenfalls immer heftiger, seine Beine zuckten und ich konnte immer tiefer mit der Zunge in ihn eindringen. Mit jedem Vorstoßen hüpfte sein Schwanz ein wenig. Sein Bauch bis zu seinem knubbeligen Nabel war überschwemmt von seinem Vorsaft. Fast dachte ich schon, er wäre gekommen und gleich würde sich die Debatte von eben wiederholen.

 

»Toby! Das ist ... das ist mega. Das ist ... , oh, das ist ...«

»Pscht! Genieße es einfach.«

Sein Anus war entspannt und stand tatsächlich leicht offen. Keine Ahnung, ob Lucas das jetzt wirklich wollte, aber ich musste einfach einen Finger hineinschieben. Lucas Kopf schnellte empor, seine wunderschönen grünen Augen angstgeweitet aufgerissen. Kurzzeitig dachte ich, er würde mich jetzt rauswerfen. Beruhigt ließ er sich wieder in die Kissen sinken. Mein Finger blieb, wo er war, dann spürte ich regelmäßige Kontraktionen. Dass dieses Zusammenziehen den Eindringling immer noch tiefer gleiten ließ, war ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst. Oder doch?

Mit leichten kreisenden Bewegungen weitete ich ihn immer mehr. Gleichzeitig wichste ich mit der linken Hand. Wegen des Pflasters war es nicht so optimal. Bislang hatte sich Lucas auch noch nicht wirklich an körperlicheren Aktionen beteiligt. Ich beschloss, dies müsse sich ändern und brachte mich, ohne meinen rechten Zeigefinger seinem geschmeidigen Futteral zu entziehen, in eine Neunundsechziger Position. Sein leises Stöhnen ermutigte mich, meinen Schwanz an Lucas Wange zu drücken. Zögernd nahm er ihn in die Hand. Meinen Kopf aufgerichtet, beobachtete ich dieses Schauspiel. Auch er betrachtete sehr genau, was er da in den Händen hielt. Seine Gedanken und Überlegungen wurden förmlich plastisch sichtbar. Noch war da eine gewisse innere Abwehr, meinen Steifen ebenfalls in den Mund zu nehmen, aber es konnte sich nur noch um wenige Augenblicke handeln, bis ....

»Du sagst mir, wenn ich es total falsch mache. Ja, Toby?«

»Total falsch geht wahrscheinlich gar nicht, Lucas. Probier es einfach. Soll ich vielleicht gleichzeitig ...?«

»Nein, bloß nicht, aber kannst Du den ..., den, äh, na ja, den Finger da lassen, wo er ist?«

»Klar doch.«

Damit legte ich meinen Kopf auf seiner Hüfte ab, beobachtete diesen hübschen Penis auf seinem Bauch und ließ meinen Zeigefinger ein klein wenig in ihm vibrieren.

Lucas Lippen näherten sich immer mehr meinem Schaft. Seine Zunge schnellte heraus, sie tippte kurz an die Seite, dann streckte er sich und ließ sie einmal kurz über die Eichel lecken. Der Ausdruck in seinem Gesicht war vergleichbar mit dem eines Kindes, das eine völlig neue Eissorte entdeckte. Überrascht, durchaus noch skeptisch, aber gleichsam sehr neugierig. Ein weiteres Probeschlecken folgte, ehe er seinen Mund leicht öffnete und meine ganze Schwanzspitze aufnahm. Seine Lippen schlossen sich und damit erhöhte er den Spannungsdruck. Erstaunt stellte ich fest, dass er mit der Zunge nun richtig mutig wurde. Alles erkundete er, den Eichelkranz samt Vorhaut, den kleinen Spalt an der Spitze, aus dem jetzt auch bei mir reichlich Precum dringen durfte.

Neugierig schaute ich ihm aus meiner Seitenlage dabei zu. Lucas hatte die Augen geschlossen. Er schien dieses neuartige Erlebnis auskosten zu wollen. Seine Hand um meinen Schaft blieb fast bewegungslos. Es war nicht gekonnt oder gar routiniert; es war ein Moment, von dem ich wusste, dass er sich in der Form niemals wiederholen würde. Nie wieder würde diese Unschuld, diese Unerfahrenheit, gepaart mit dieser Sehnsucht, Begierde und Wollust sich noch einmal so abspielen. Diesen Anblick, dieses großartige Gefühl. Ich versuchte, es mir auf ewig ins Gedächtnis zu brennen, und wusste gleichzeitig bedauernd, dass es mir nicht gelingen würde.

»Ist das gut so?«

Lucas Frage unterbrach meine Gedankengänge.

»Das ist wunderschön, Lucas. Und? Für Dich denn auch?«

Er nickte knapp, hatte meinen Schwanz bereits wieder in seinen Mund genommen. Jetzt versuchte er, ihn tiefer vordringen zu lassen. Langsam, sehr langsam. Wenn er sich selbst überforderte, musste er etwas husten und schlucken. Ein paar Tränen liefen ihm vor Anstrengung die Wange herunter. Aber sein Penis blieb schön hart und stieß weiterhin regelmäßige Ströme seines Präejakulat aus. Mit meinem Finger versuchte ich, seine Prostata zu erwischen. Wenn es mir gelang, verharrte er jedes Mal kurz und ein stotterndes Stöhnen war zu hören. Sein enger Muskel schloss sich so fest um meinen Finger, dass er mir damit fast das Blut abstaute. Nach der Kontraktion kam die Entspannung. Mit sanftem Powackeln schraubte er sich immer tiefer auf den Eindringling. Sein Atem wurde noch heftiger, seine Lippen umschlossen meinen Schwanz und mit einem lauten »Ahhh« kam Lucas zum Höhepunkt. Schwall um Schwall ergoss sich über seinen zitternden Bauch und seine Brust. Einige Spritzer erreichten sogar sein Kinn. Auch in mein Gesicht flogen ein paar Tropfen. Sein Mund hatte meinen Penis längst freigegeben. In stummen Zuckungen wand sich sein Unterleib. Der Druck seines Schließmuskels auf meinen Finger wurde so stark, dass ich fast mit einer Amputation rechnete. Dann mit dem Ausruf »Himmel, Maria und Josef« fiel er zurück auf den Rücken und der Orgasmus fand sein Ende. Zwei bis drei kleine Samenbatzen kleckerten noch nach. Dann lag er mit geschlossenen Augen da und sein Herzschlag normalisierte sich.

 

Noch immer steckte mein Zeigefinger in ihm, und er machte auch keinerlei Anstalten ihn aus seinem, nun nicht mehr ganz so engen, Futteral zu entlassen. Ich hielt es für besser, ihn vorerst noch ein paar Minuten zu Atem und Verstand kommen zu lassen, bevor ich ihn ansprechen würde. Sachte streichelte ich ihm über den Oberschenkel und die darauf gleichmäßig wachsenden Härchen. Die Hautoberfläche fühlte sich leicht feucht und gleichzeitig wie elektrisiert an. Einfach wunderschön. Ich hatte es sehr genossen und hoffte, Lucas empfand es auch so.

Nach gefühlten zehn Minuten des Schweigens hob er plötzlich den Kopf, sah an sich runter, begegnete meinem lächelenden Blick.

»Du ... Du bist ... also, Toby, Du bist nicht zum ... Du weißt schon ... Du hast nicht abgespritzt, oder?«

»Nein, ist aber nicht schlimm. Du hast für uns beide genug Samen verteilt.«

»Aber das geht nicht. Du musst auch.«

Mit der freien linken Hand streichelte ich ihm über seinen Halbsteifen und schüttelte den Kopf.

»Es ist kein Wettbewerb, Lucas. Keine Verpflichtung.«

»Doch. Meine Freundin musste immer zuerst kommen, bevor ich dann .... Das ist doch sonst nicht gerecht. Verstehst Du?«

»Na und? Und diesmal bist Du eben zuerst gekommen. Und wie ich gerade bemerke, ist Dein kleiner Lucas auch schon wieder dabei Fahrt aufzunehmen.«

»Was?«

Verwirrt legte er das Kinn auf seine Brust, schaute an sich herab. In der Tat. Aus dem entspannten Halbsteifen hatte sich innerhalb von wenigen Sekunden ein, von Samen überzogenes, glänzendes hartes Rohr entwickelt.

»Wie war das noch eben, Lucas? Du kannst nicht mehrfach? Was zu beweisen war.«

Auch an meinem Finger verspürte ich neue zaghafte Zuckungen. Ermutig von seiner Erregung, bohrte ich den Finger bis um Anschlag in ihn hinein. Seine Hände griffen in die Luft und er warf sich zurück aufs Laken.

»Scheiße, fühlt sich das gut an.«

Ich lachte auf.

»Schön, dass Du das so sagst, Lucas. Soll ich weitermachen, oder eher nicht?«

Die Antwort ließ etwas auf sich warten. Also fingerte ich ihn weiter, schob vorsichtig die Spitze des Mittelfingers dazu. Lucas entfuhr eine Art niedliches Grunzen. Dann richtete er sich plötzlich auf, langte zwischen seine Beine an meine Hand und hielt sie fest.

»Alles gut, Lucas?«

Kurzes Nicken. Seine Augen fuhren wie ein hektischer Scanner über mein Gesicht und blieben an meinen haften.

»Fühlt sich das so an, wenn man gefickt wird?«

»So ähnlich auf jeden Fall. Lucas, ein Schwanz ist natürlich noch mal was anderes.«

Wieder dieser Scanner-Blick.

»Wenn Du mich jetzt fickst, dann ... bin ich ... schwul, oder?«

Meine linke Hand legte sich auf seine rechte Schulter und hielt ihn fest. Offen und ohne einen Anflug meiner üblichen Ironie schaute ich ihn mir an.

»Ob Du dann schwul bist, kann ich Dir nicht verraten, Lucas. Aber ich kann Dir sagen, dass ich Deine Ängste und Zweifel verstehe. Nur überleg doch mal. Alles, was wir bislang gemacht haben, hast Du getan, weil es Dir Spaß machte. Weil es Dir gutgetan hat. Unser Wichsen im Zug. Die Nummer in Sagehorn. Was Du jetzt tatsächlich diesbezüglich empfindest, Lucas, weißt natürlich nur Du. Oder wirst Du vielleicht erst später erfahren. Aber die Schubladen Schwul – Hetero – Bi sind doch scheißegal! Was Dir so guttut, kann doch nicht völlig falsch sein, oder? Willst Du jetzt gerade wirklich eine Grundsatzdiskussion über sexuelle Identität führen? Du hattest Spaß und willst mehr. Ich hatte Spaß und bin bereit zu mehr. Und Du kannst mir vertrauen, dass ich nichts, ich wiederhole, nichts machen werde, was Du nicht möchtest. Glaubst Du mir das?«

Statt einer Antwort griff Lucas mit seiner Linken meinen Kopf und drückte mich an seinen leicht geöffneten Mund. Seine Zunge drang diesmal zärtlich vor. Ihre Spitze leckte über meine Zähne, vermengte unser beider Speichel, bevor er sich energisch löste und sagte:

»Dann nimm mich jetzt, Toby. Du sollst mich entjungfern, oder wie das bei Euch so heißen mag.«

Ich ließ meine beiden Finger in seinem Kanal kurz vibrieren und lachte.

 

»Na, entjungfert bist Du doch bereits. Aber ich werde mein Bestes tun, Lucas. Und Du sagst Stopp, wenn Dir was nicht passt oder gefällt, klar?«

»Ha, meinem Körper gefällt das ja anscheinend sehr gut. Nur mein Kopf hat da Bedenken. Aber scheißegal, fick mich jetzt mit Deinem dicken Teil. Oder soll ich nochmal blasen?«

»Nicht nötig, Lucas. Steht wie ne Eins.«

Er warf einen Blick zur Seite und ich sah, wie seine Pupillen sich angstvoll erweiterten. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass es sich bei einem erigierten Penis dieser Größe um etwas anderes als einen Zeigefinger handelte. Seine Hand umschloss meinen Stamm, als wollte er noch einmal kontrollieren und abmessen, dann ergab er sich seinem selbstgewählten Schicksal und sank mit einem ergebenen Seufzer zurück und spreizte die Schenkel.

Mit einem Satz war ich aufgerichtet, drückte mit der Linken seine Beine nach oben. Lucas begriff, dass er mir etwas entgegenkommen sollte und hielt seine schlanken Fesseln mit beiden Händen. Während meine Finger immer noch seinen engen Eingang weiteten. Ein letztes Mal beugte ich mich herab und fuhr mit der Zunge über die Kimme an sein Loch und drängte sie dann zwischen beide Finger. Ich spürte, wie aus meiner Eichel das Precum nur noch so strömte. Also spuckte ich etwas Speichel in seinen geweiteten Kanal, richtete mich auf, verschmierte meine Sehnsuchtstropfen erst auf meinen rechten Finger und schob ihn dann ein letztes Mal durch die runzlige Öffnung. Lucas stöhnte gedämpft, zog die Beine noch mehr an.

»Du bist so unglaublich, Lucas. Okay, mein Freund. Jetzt werde ich Dich ficken. Atme aus, wenn ich eindringe. Glaub mir, das hilft.«

Ein kleines Nicken war die Antwort, dann kniff er die Augen zu und ich sah, dass sein Brustkorb durch seinen erhöhten Puls bebte.

Da ich ihm nicht wehtun wollte, schaute ich hochkonzentriert auf den Eingang. Meine Schwanzspitze sollte direkt an seinem Loch liegen. Kein Herumgestochere, wie es ja auch manchmal geil sein konnte. Aber nicht beim ersten Mal. Ich erhöhte den Druck und sah die Kuppe wie in Zeitlupe den Muskel öffnen. Lucas biss sich auf seine Unterlippe. Ich wusste, dass dieser Anfang, diese dicke Eichel zu Beginn des Eindringens immer etwas schmerzhaft war. Ich hielt kurz inne. Lucas riss die Augen auf.

»Bist Du ... bist Du schon drin?«

Ich schüttelte leicht den Kopf.

»Nein, aber bald. Oder soll ich stoppen?«

»Bist Du bekloppt? Nein! Fick mich richtig. Ich bin kein kleines Mädchen, klar?«

»Ach, da wäre ich nie drauf gekommen.«

»Blöder Arsch!«

Doch genau mit diesem letzten Wort gemeinsam, schob ich meine Schwanzspitze vollständig in den Seinen. Das Wort blieb ihm fast im Halse stecken und er bäumte sich im Hohlkreuz auf. Vielleicht dachte er, er würde so dem Druck etwas entkommen. Das Gegenteil war aber der Fall. Mit einem Mal steckte mein Schwanz bis zur Hälfte in ihm drin.

»Argh! Verfluchte Scheiße. Das ist ... «

Wieder blieben ihm die Worte weg.

»Pscht! Du musst nur atmen. Vor allem ausatmen, verstehst Du, Lucas? Atme aus!«

»Atmen? Fick Dich! Ist das echt nur Dein Schwanz da in meinem Arsch? Fühlt sich wie ein Unterschenkel an?«

Seine Hände halb zu Fäusten geballt, schlugen auf dem Bett mehrfach auf, bevor sich seine Fingernägel ins Laken krallten. Behutsam versuchte ich mich, millimeterweise aus ihm zurückzuziehen.

»Was machst Du da? Digga, als würde ich ein Baby kriegen! Scheiße!«

Ich streichelte ihm mit der Linken durch sein verschwitztes Gesicht.

»Lucas, man muss und kann das nicht erzwingen. Lass uns für heute das mit dem Ficken sein lassen. War doch auch so total schön. Okay?«

Seine Hand schnellte hoch, griff mich im Nacken und zog mich ganz dicht an sein Gesicht heran.

»Wenn Du das machst, dann wird es keinen zweiten Versuch geben, Toby. Nicht mit Dir. Nicht mit irgendwem. Du bleibst jetzt in mir und überzeugst mich, dass es das Geilste überhaupt ist, genagelt zu werden.«

Mit dieser Bewegung waren wir auch erneut tiefer ineinander gerutscht. Auch Lucas schien das zu merken, denn nach dieser energischen Ansage verzog er nochmals leicht schmerzverzerrt seinen Mund. Nach seiner, keinen Widerspruch duldenden Aufforderung positionierte ich mich nochmals, versuchte den Winkel des Eindringens auf saubere neunzig Grad hinzubekommen. Gleitgel hatten wir ja leider nicht da, also, schmierte ich etwas Speichel zusammen mit Lucas Samenreste von seinem Bauch direkt an seinen Schließmuskel. Ebenso wie ich vorher mich Millimeter für Millimeter zurückgezogen hatte, drang ich jetzt wieder tiefer ein.

 

»Fette Scheiße!«

Lucas verdrehte die Augen, griff aber erneut an seine Schenkel, um sich zu dehnen und zu weiten. Vorsichtig tastete ich mich immer mehr vor, streichelte nicht nur durch sein Gesicht, sondern auch Brust und Bauch. Zwickte ihn zärtlich in die Nippel und plötzlich sah ich die Veränderung in den Gesichtszügen. Etwas war passiert.

Ähnlich, als ich ihn mit dem Finger zum Orgasmus gebracht hatte, schien ich, im wahrsten Sinne des Wortes, jetzt auf seinen männlichen G-Punkt gestoßen zu sein. Die Mundwinkel, eben noch verspannt und verkniffen, verzogen sich erst zu einem zaghaften Lächeln, als würden sie der Sache noch nicht ganz vertrauen, und verwandelte sich dann in ein ekstatisches Dauergrinsen. Sein Schwanz, zu Beginn des Ficks, klein, schrumpelig und ohne jede Härte, wuchs wieder zu voller Größe heran, hüpfte und wippte vor Erregung auf und ab. Und auch sein schier unerschöpflicher Vorrat an Precum überschwemmte seinen und meinen Bauch.

Auch ich musste grinsen, als ich den Burschen jetzt so glücklich im Fickrausch unter mir liegen sah. Erstaunt stellte ich fest, dass es sich bei Lucas wirklich um meinen ersten Jungmann handelte. Es gibt ja Kerle, die das als eine Art Jagdsport betreiben, aber ich hatte es bislang als positiv empfunden, mit erfahrenen Partnern Sex zu haben. Nun lernte ich die Seite des Lehrers kennen. Und seit ein paar Minuten gefiel sie mir ausgesprochen gut.

»Ja, geil. Fick mich, Toby. Fick mich durch. Bist Du schon ganz drin? Ich will Dich ganz. Das ist so ... , arrgh, ... so geil.«

Lucas zog sich erneut an meinem Nacken auf Gesichtshöhe hoch. Seine Augen aufgerissen, die Pupillen riesengroß.

»Wenn Du magst, kannst Du jetzt in den Sattel steigen. Also, ich leg mich zurück und Du reitest. Dann bestimmst Du, wie tief ich eindringe. Was meinst Du, Lucas?«

Ohne Antwort stemmte er sich noch höher, so dass er, die Schenkel um meinen Leib geschlungen, direkt auf meinem Schoß zu sitzen kam. Vorsichtig beförderte ich meine Beine aus der knienden in eine liegende und ausgestreckte Position. Meine Bauchmuskeln waren in Höchstspannung. Aber Lucas stellte sich geschickter an, als ich es ihm jemals zugetraut hätte. Seine rechte Hand glitt zwischen seine Pobacken, ergriff meinen Schwanz und korrigierte, was zu korrigieren war.

Dann senkte er sich mit einem so lauten Seufzer komplett herab, dass ich ängstlich auf das, immer noch zu vernehmende, Stimmengemurmel im Flur achtete. Sollte das jetzt plötzlich verstummen, wüssten wir, dass seine Mitstudenten von der Sache etwas mitgekriegt hätten.

»Pscht, Lucky Luke. Du bist nicht gerade leise.«

Damit schob ich ihm einen Finger erst auf die Lippen, dann zwischen die hübschen Zähne. Lucas biss leicht zu.

»Autsch! Pass gut auf, Lucky Luke, sonst wirft Dich Dein Jolly Jumper gleich ab. So sicher sitzt Du noch nicht im Sattel.«

»Von was faselst du da? Jolly ... was und wer?«

»Lucky Luke und sein Pferd? Der Comic?«

Keine Reaktion. Er kannte echt Lucky Luke nicht.

»Ach, vergiss es, Lucky. Lass uns weitermachen.«

Und Lucas ließ mich keine Sekunde warten. Seine guttrainierten Schenkel drückten ihn rauf und runter. Ich verkniff mir den lautstarken Vergleich mit einem Rodeoreiter, aber für mich, aus meiner liegenden Position heraus, sah er tatsächlich so aus. Und er experimentierte. In immer neuen Winkeln suchte er nach der Steigerung seine Lust. Wie ein Kind, das immer neue kreative Möglichkeiten mit den einzelnen Teilen seines Baukastens entdeckt. Mal saß er mit dem Gesicht mir zugewandt, mal verschwand ich hinter seiner Rückenpartie, während er meinen Steifen so tief in sich rammte, dass ich mehrfach unsicher dachte, jetzt hätte er sich tatsächlich wehgetan. Aber ein Blick oder Griff an seinen Dauerharten entspannte mich.

Es hatte mich enorm viel Konzentration gekostet, meinen Höhepunkt hinauszuzögern. Immer wieder sagte ich mir, dass dies der Moment von Lucas war. Das ich sozusagen eine sexuelle Verantwortung tragen würde und dieses sachlich pragmatische Denken half mir dabei total.

 

Lucas lag jetzt auf der linken Seite mit hocherhobenem rechten Bein, während ich erneut mit gleichmäßigen Stößen von in ihn eindrang. Die Laken waren mittlerweile feucht bis nass. Vom Schweiß, vom Speichel. Der Sauerstoff wurde langsam echt dünn und es roch nach Sex und Sperma. Diese Kombi brachte mich an den Rand des Orgasmus.

»Lucky? Ich komme gleich. Aber nicht in Dir, okay? Vielleicht auf Deinem Bauch?«

Sein Kopf fuhr heftig verneinend herum.

»Bist Du bescheuert? Ich will das spüren. Ich will, dass Du in mir abspritzt, klar?«

»Ja, aber ...«

»Halt die Klappe, Toby. Spritz einfach!«

Lucas gab den Ton an. Gut, was sollte ich dagegen sagen? Mein heterosexueller Piercing-Boy hatte mich für den Abend wirklich genug überrascht. Ich umklammerte noch einmal fest seine Hüfte, zog ihn an mich heran, sodass unsere nassen Leiber quakende Geräusche von sich gaben, wenn sie aufeinanderstießen. Noch ein paar Mal rein und raus, dann kam ich. Diesmal konnte ich meine Lautstärke nicht ganz kontrollieren. Ein »Fuck« entfuhr mir wie ein Schrei, dann spürte ich, wie mein Schwanz sich gefühlt eine Minute lang in Lucas entlud. Er beugte sich so weit vor, die Augen auf den zuckenden Schaft in seinem Loch geheftet, griff energisch nach meinem Sack, in dem die Eier sich rhythmisch zusammenzogen und genoss sichtlich das Schauspiel.

»Wow. Das ist aber ne Menge. Und wie heiß Dein Saft ist. Wahnsinn! Das brennt fast im Darm.«

Lucas lachte mir breit entgegen. Jetzt griff er nach seinem Dicken und wollte ihn mit ein paar schnellen Handgriffen das zweite Mal zum Spritzen bringen.

»Ja, mach, Lucky Luke. Pump Deine Sahne hoch.«

Er brauchte keine fünf Sekunden. Während ich mich gerade vollständig in ihm entleert hatte, aber noch immer in ihm steckte, sprühte er erneut wie eine Fontaine seinen Saft über uns und das gesamte Bett. Als wäre bei seinem Lieblingsverein das alles entscheidende Tor gefallen, rief er jubelnd:

»Abgefahren! Oh, Mann. Digga, wie abgefahren war das denn? Das ist so ...«

»Widerlich! Ekelerregend ist das.«

Unsere beiden Köpfe fuhren herum. Seine Freundin stand in der Tür.

»Isa? Was machst Du ...?«

Lucas verstummte und wurde kreidebleich.

»Was ich mache? Scheiße. Was machst Du da, Lucas? Diese Frage sollte ich wohl stellen.«

Weder Lucas noch ich rührten sich. Der Schock war einfach so heftig.

»Weißt Du, ich dachte, ich sollte mich vielleicht entschuldigen, weil ich Dich allein gelassen habe. Mir tat das leid, aber wie ich sehe, bist Du ja in ganz toller Gesellschaft. Weißt Du was? Fick Dich, Lucas! Ach nee, das hat ja der Typ bereits für Dich erledigt. Wag es ja nicht, nochmal bei mir aufzukreuzen, Du ... Du dreckige schwule Sau.«

Die letzten Sätze schrie sie nur noch heraus. Damit drehte sie sich um und lief aus dem Zimmer heraus, ohne die Tür zu schließen.

Endlich verließ Lucas seine Schockstarre. Er sprang mit einem Satz über mich hinweg und hastete ihr nach. Auch ich stand auf, griff aber noch schamerfüllt nach der Bettdecke, legte sie mir um die Hüfte, bevor ich ebenfalls zur Tür herausschaute.

Das war eine Szene wie aus einer amerikanischen Teenager-Sex-Komödie. Die Freundin, die bereits wieder am Fahrstuhl wartete. Lucas, der spermaverschmiert mit wehender Banane, völlig nackt über den Flur rannte, während mein Samen ihm die Schenkel herunterfloss. Ich, der große Unbekannte, der nur mit einer Decke bekleidet aus dem Zimmer stürzte. Dazu sämtliche Gaffer, die entweder noch im Flur sich unterhalten hatten oder aber, durch den Lärm aufgeschreckt, aus ihren Zimmern das ungewöhnliche Drama beobachteten.

»Isa. Bitte, warte. Lass uns reden.«

Der Fahrstuhl kam und ohne sich umzublicken, stieg seine Freundin hinein. Lucas erreichte ihn, als die Türen sich bereits schlossen.

»Scheiße. Isa!«

Lucas schlug gegen die Metalltür, drückte hektisch den Fahrstuhlknopf, aber zu spät. Die Kabine war abgefahren. Seinen Kopf drehend entdeckte er mich, erkannte einzelne zuschauende Frauen und Männer im Flur. Dann sah er an sich herab, wurde sich seiner Nacktheit und der Situation voll bewusst. Sein Kopf sank auf seine Brust, seine Beine gaben nach und wie ein Häufchen Elend rutschte er an der Wand herab auf den Linoleumboden.

Vom ekstatischen Höhenflug zum furchtbarsten Absturz in weniger als fünf Minuten. Wenn das nicht abgefahren war!?!

 

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