Abgefahren - Teil 10

von T.S. Marian
veröffentlicht am 04.11.2022
© T.S. Marian, mannfuermann.com
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Alpha Männer / Bisexuell / Das erste Mal / Große Schwänze / Junge Männer / Muskeln / Romantik / Sportler

Dreieinhalb Stunden später

»Ich will mich ja nicht wirklich beklagen, aber Camping? Echt jetzt?«

Pjotr rekelte sich auf seinem riesigen Badehandtuch und schaute sich etwas gelangweilt um. Wir lagen am Strand von Scharbeutz. Ein kleiner Kampf war ausgebrochen, als ich den Vorschlag machte, den berühmten FFK-Strand zu besuchen. Nein, das war, aus was für merkwürdigen Gründen auch immer, weder mit Pjotr noch mit Lucas machbar. Also hatte ich nachgegeben und wir waren am Textilstrand gelandet. Immerhin hatte es geklappt noch einen Stellplatz für das relativ große Wohnmobil zu ergattern. Nico und Klaas hatten es sich vom Erlös des ererbten Einfamilienhauses von Klaas verstorbenen Eltern gekauft. Mehrfach hatten sie es Pjotr und mir bereits angeboten, aber mein süßer polnischer Snob fand nun mal Hotels einer bestimmten Preiskategorie attraktiver. Diesmal hatte ich ihm aber keine Wahl gelassen mit dem Spontanausflug. Allerdings befand er das riesige Teil als durchaus akzeptabel. Es wäre auch eine Frechheit gewesen, wenn nicht. Denn an Luxus mangelte es diesem Mobil nun beileibe nicht. Lucas kam aus dem Staunen kaum mehr heraus. Er war zwar mit seinen Eltern in seiner frühen Jugend ein paar Mal zum Zelten gefahren, aber mit der Luxuskarosse konnte es kaum ein nobles Ferienhaus aufnehmen. Auf dem Weg an die Ostsee hatten wir kurz gehalten und noch ein paar Lebensmittel eingekauft. Sogar einen hochwertigen Kaffeevollautomaten hatten sich unsere Freunde in der platzoptimierten Küche geleistet. Für mich war es also perfekt. Bislang hatten Klaas und Nico den Campingwagen auch erst für einen sechswöchigen Trip durch Südost-Europa und einen Urlaub in Andalusien genutzt. Nicht schlecht gestaunt hatten wir alle, als wir den Laderaum im Heck des Mobils entdeckten, wo zwei E-Falträder und ein Gasgrill zum Vorschein kamen. Die beiden wussten echt zu leben.

 

»Nun hör mal auf zu maulen, Du Snob. Findest Du echt die Idee eines gemeinsamen Wochenendtrips so blöd?«

»Findet er gar nicht«, mischte sich der sonst so schweigsame Lucas ein. »Glaube, ihn ärgert es eher, dass es nicht sein Einfall war. Für mich ist es gerade genau richtig. Sonne, Meer und Entspannung. Keine blöden Kommentare meiner Kommilitonen. Ist doch geil hier.«

Pjotr warf ihm eine Handvoll Sand entgegen.

»Das glaube ich gerne. Schau Dir die Pseudo-Hete mal an, Tobs. Seit wir hier angekommen sind, gafft er einem Bikini-Arsch nach dem anderen hinterher. Tja, also so ganz erfolgreich dürfte Dein Bekehrungsfick dann doch nicht gewesen sein. Hoffe, das hält Dein zerbrechliches Ego aus, mein Kleiner?«

»Du musst Dir um mein Selbstbewusstsein keine Sorge machen, Schatz, hey, aber noch haben wir nicht geklärt oder ausgelost, wer sich unten das Doppelbett teilt und wer überm Fahrerhaus im Schlafsarg übernachten darf. Dann bin ich mal gespannt, wessen Ego leidet. Außerdem bist Du doch gerade nur eingeschnappt, weil die Damenwelt bislang vorwiegend Augen für Lucky Luke hier hat. So viel zur angekratzten Eitelkeit.«

»So, meinst Du? Na, wollen wir mal schauen, wer hier wie ankommt.«

Pjotr setzte sich auf, schenkte mir und Lucas sein überlegenes Siegerlächeln, rückte die Sonnenbrille zurecht und stand auf. Er stellte sich direkt vor uns und nahm uns mit seinen etwas über zwei Metern die Sonne. Dann fummelte er mit der rechten Hand in seiner schwarzen Speedo herum, brachte seinen enormen Penis in die passende Position, rekelte sich etwas und machte eine seiner eleganten Drehungen, bevor er Richtung Ufer aufreizend männlich schlenderte. Ich verdrehte die Augen, schaute zu Lucas, dessen Gesichtsausdruck allerdings wieder mal nichts verriet.

»Sorry, er ist ... ein echter Kindskopf. Manchmal zum Durchdrehen mit ihm.«

Wir schauten beide hinter Pjotr her, der auffällig-unauffällig sich einer Decke mit einer Gruppe junger Mädchen annäherte. Was diese Demonstration wirklich sollte? Keine Ahnung? Aber er musste ja immer beweisen, wie begehrenswert er war. Was stimmte. Leider. Oder auch Gott sei Dank! Nicht viele Männer sahen in diesen, etwas aus der Mode gekommenen, engen Speedos so gut aus wie er. Gerade seine endlosen langen Beine, sein gestreckter Oberkörper, sein flacherer kleiner Po wirkten in dieser Badehose nahezu perfekt. Als Jugendlicher hatte ich auch solche Speedos, aber an mir waren sie nicht annähernd so sexy.

»Keine Ahnung, was der lange Mistkerl vor hat.«

»Ich mag ihn.« Ohne seinen Gesichtsausdruck zu verändern, purzelten diese Worte aus Lucas heraus.

»Was?«

»Pjotr! Ich finde ihn witzig.«

Erstaunt sah ich Lucas von der Seite her an. In der ganzen Woche habe ich ihn keinen Halbsatz über meinen Freund, Partner oder was auch immer es war, was wir da hatten, sprechen hören. Und jetzt das.

»Du findest ihn witzig?«

»Mmmh, ja!«

Wir betrachteten beide, wie Pjotr sich wie zufällig vor der Gruppe Mädels streckte, als müsse er sich für Beachvolleyball oder sonst einen Strandsport aufwärmen und dehnen. Dann bückte er sich und ließ seine Sonnenbrille in den Sand fallen. Ja, er hatte ihre Aufmerksamkeit. Nicht nur die jungen Frauen starrten auf seinen Hintern und die schlanken Beine. Auch einige Seniorinnen hatten den riesigen gutaussehenden Blonden entdeckt und schoben ihre Sonnenbrillen auf die Nasenspitze, um über den Rahmen ein unverfälschtes Bild zu erhaschen.

»So ein Spinner«, murmelte ich kopfschüttelnd.

»Nee, dreist«, kam es leicht bewundernd von Lucas, »dreist und cool.«

Ich warf ihm einen erneuten verwirrten Blick zu. Stand Lucas etwa auf Pjotr? Und was machte das mit mir? Verdammt, ein winziger Stich Neid, oder war es sogar Eifersucht, durchfuhr mich. Ich lag schließlich neben ihm. Mit mir hatte er gefummelt; ich hatte ihn in Ektase geleckt und geblasen; ich hatte ihn gefickt und nun ...?

Ich schlug mir mit der linken Hand auf die eigene Wange. Klatsch! Etwas heftiger als ich ahnte, als ich wollte. Besorgt blickte mich Lucas an.

 

»Alles gut? Was ...?«

Ich wiegelte mit den Händen ab.

»Ja! Jaja, alles gut. War ... ne Wespe. Ich ... ich hab ne Wespengift-Allergie. Bin da gerne mal panisch.«

Eindeutig hatte ich einen an der Marmel. Wespengift-Allergie! Ich war eifersüchtig. Und warum? Weil Lucas gesagt hatte, er findet Pjotr witzig? Witzig, dreist und cool? Ich setzte mich auf und zog die Beine nah an mich heran. Mein dreister Schatz hatte sich mittlerweile bekannt gemacht. Er sass neben der Decke der Mädchengruppe und plauderte angeregt. Er zog das durch. In seiner Körpersprache erkannte ich die volle, mir sehr bekannte Charmeoffensive, die er gerade versprühte. Ein wenig gockelhaftes Benehmen, ja, und die dummen Puten fielen sofort drauf rein. Ist ja lächerlich. Aber war es das wirklich? Ich meine, ich bin auch auf ihn deswegen abgefahren. Abgefahren wie nichts Gutes. Also gehörte ich wohl auch zu den dummen Puten.

»Kann ich gut verstehen. Hat er echt drauf.«

Ich zuckte zusammen. Was hatte Lucas gesagt?

»Wovon redest Du?« Lucky schaute mich irritiert an.

»Das ich verstehe, Tobias, dass Du auf ihn abgefahren bist, wie nichts Gutes. Deswegen ist man aber noch lange keine dumme Pute.«

»Das habe ich laut gesagt? Das habe ich gedacht, aber nicht gesagt.« Ich war empört. Nein, erschrocken. Was war das denn? Brabbelte ich jetzt etwa einfach so vor mich hin? Aber bevor ich darüber näher nachdenken konnte, stand Lucas vor mir und zog mich am Handgelenk auf die Füße.

»Komm mit. Lass uns schwimmen gehen.«

»Was? Äh, echt? Warum?«

Innerlich verdrehte ich für dieses dusselige Gestotter meinerseits die Augen. Konnte ich vielleicht mal wieder ganze Sätze logisch bilden? Zusammenhänge erfassen und normal reagieren?

»Wir müssen Pjotr ja nicht komplett die Showbühne bieten und am Ende noch sein jubelndes Publikum sein, oder? Außerdem sind wir am Meer und ich habe noch nicht einmal einen Zeh ins Wasser gehalten. Abmarsch, Toby. Hey! Lass uns Pjotr ignorieren.«

Er schnippste mit den Fingern direkt vor meinen Augen, gab mir einen kleinen Schubs und ich stolperte in Richtung Ufer, aber anstatt am schwulen Hahn im Hühnerstall vorbeizulaufen, boxte mich Lucas bewusst weit nach rechts und so liefen wir einen größeren Bogen.

»Wer zuerst drin ist«, rief Lucas und sprintete los.

»Warte, ist es nicht vielleicht zu kalt? Ich meine, Lucas ...«

»Echt jetzt? Bist Du ne Memme, Toby? Wäre mir neu. Jetzt komm schon. Das Wasser wird nicht wärmer, nur weil Du den Sprung hinein herauszögerst.«

Er nahm den Endspurt wieder auf und ich genoss den Anblick, diese Rückansicht, wie dieser hübsche durchtrainierte Kerl mit den definierten Muskelgruppen an Bein, Po, Rücken und Schultern in seinen knielangen neongrünen Badeshorts ins aufspritzende Wasser raste, um sich dann der Länge nach hineinzuwerfen. Memme?! Na, vielen Dank auch. Ja, ich war in gewisser Weise sicherlich eher der Warmduscher, aber das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich biss die Zähne zusammen, dachte noch kurz, dass es ja Leute, auch in meinem Alter, gegeben hat, die beim Sprung ins kalte Wasser einen Herzinfarkt bekommen hatten, aber da tauchte ich schon ein, hielt kurz die Luft an und dann war es vorbei. Alles war super. Hier in Ufernähe war es nicht tief, man konnte an der Stelle problemlos stehen. Ich blickte mich um, sah, wie mich Lucas heranwinkte, und stakste die vier Meter zu ihm. Da stand er, breit lachend mit ebensolchen leuchtenden Augen, die in ihrer Farbe mit dem Grün der See konkurrierten. Sein Haar hing ihm in die Stirn, die Wassertropfen glitzerten wie Perlen auf seiner Brust, der silberne Metallstift im rechten Nippel funkelte und stand wegen des relativ kühlen Wassers spitz und hart ab. Ich grinste. Mann, was habe ich eigentlich für ein Glück. Ich machte Kurzurlaub mit zwei so gutaussehenden Männern. Für ein paar Sekunden schloss ich die Augen und genoss diese Erkenntnis. Dann wurde ich nach oben gerissen und schrie laut auf. Lucas war getaucht und hatte mich umgekehrt auf seine Schultern genommen. Mein Schwanz in der Badehose lag direkt vor seiner Nase und seinem Mund. Sein warmer, von der Anstrengung leicht stoßartige Atem drang durch den Stoff und ließ mich kurzzeitig in Erinnerung an Lucas ersten Blowjob im Wohnheim denken. Mit seinen sehnigen Fingern umklammerte er meine Schenkel und balancierte mich eine Weile herum, bis er sich ohne Vorwarnung nach hinten fallen ließ und ich kopfüber wieder in der Ostsee versank.

 

»Blödmann«, prustete ich ihm entgegen und versuchte seinen nächsten Versuch, mich anzuheben, abzuwehren. Aber er war einfach stärker, schaffte es, mich waagerecht auf seine Schultern zu stemmen, und fing an sich wie wild im Wasser zu drehen. Bis er mich erneut abwarf wie einen zusammengerollten Teppich.

»Das macht Spaß, Toby. Super Idee mit dem Ausflug hierher.«

Er lachte, spuckte mir etwas Salzwasser ins Gesicht, bevor er seinen Arm um meine Schultern legte und mich an sich drückte. Es war eine Mischung aus Kumpelhaftigkeit und intimer Vertrautheit. Wir drehten uns Richtung Strand. Pjotr sass noch immer bei den Mädels, die er anscheinend bestens unterhielt.

»Ist er bi«, fragte mich Lucas plötzlich.

»Wer? Pjotr? Nee, vergiss es. Der ist so schwul wie die Nacht düster. Genau wie ich. Wie sieht es denn so bei Dir aus, Lucky?«

Ein paar Sekunden herrschte Schweigen. Er starrte auf das etwas trübe Wasser.

»Mit Knasthomosexualität kann ich mich ja nicht rausreden, oder?«

Ich lachte etwas dreckig auf.

»Na ja, je nachdem wie Du Deine Beziehung mit Isa empfunden hast? Das wäre dann aber Knastheterosexualität. Äh, gibt es das überhaupt?«

Lucas strich sich die störrischen nassen Haare aus dem Gesicht, schaute mir in die Augen.

»Es war sehr schön mit Dir, Toby. Sehr geil und, Mann, ich hab mich noch gar nicht richtig bedankt. Du ... Du bist ein sehr feinfühliger Mensch. Bist Du echt. Und ich glaube, ich meine, ohne jetzt Vergleichsmöglichkeiten zu haben, bist Du wahrscheinlich ein ganz toller Liebhaber ... ich, äh, ich bin ...«

Ich boxte ihm sanft gegen die Brust.

»Schon gut, Lucky Luke, brich Dir bitte keinen ab. Es war ganz schön für Dich, das freut mich, aber Du verzichtest auf eine Wiederholung. Hab verstanden, ist okay und ...«

Lucas packte mich an den Oberarmen.

»Hey, das hab ich nicht gesagt. Hör auf mir Dinge in den Mund legen zu wollen.«

»Oh, ich würde Dir gerne noch mal ein ganz bestimmtes Ding in den Mund legen.«

»Haha! Ich ... Du verstehst doch, dass ich nach Isas Aktion, dem beschissenen Video. Da konnte ich doch ... Hey, und außerdem, sieh mal da an den Strand. Da sitzt Dein Mann, Toby. Der liebt Dich, das kann jeder sehen. Da haben Nico und Klaas schon recht. Da will ich nicht ... das dritte Rad am Wagen sein. Nicht für Eifersuchtsattacken verantwortlich sein. Ich staune sowieso, dass Pjotr das alles mitmacht und nicht ausrastet. Ich würde wahrscheinlich Amok laufen. Ihr seid auch noch beide so unendlich geduldig mit so einem Honk wie mir. Das müsste Dir doch Beweis genug sein, dass ihr zwei zusammengehört.«

»Wow, Lucas, so viele Sätze an einem Stück habe ich von Dir noch nie gehört. Wie kommt ...«

»Ach, Mann. Ich bin vielleicht nicht so eine gewandte Plaudertasche wie Du, Toby, aber mach mich nicht dümmer als ich mich ohnehin schon in Eurer Gegenwart fühle.«

»Hey, Lucas. Das hat doch nichts mit dumm oder nicht zu tun. Glaubst Du ernsthaft, ich würde an Deiner Intelligenz zweifeln, nur weil Du Dir vielleicht noch nicht sicher bist, wo Du Deine sexuelle Erfüllung zu suchen hast? Dann würdest Du mich ja für eher kleinkariert halten, oder?«

Er schüttelte seinen hübschen dunklen Lockenkopf und packte mich an den Schultern.

»Nein. Das Gegenteil ist der Fall, Toby. Ich ... ich bin nur überrascht, dass Ihr zwei so ... entspannt mit mir und der Isa-Nummer umgeht. Das Pjotr nicht vor Eifersucht zerspringt, wenn ...«

Zu meiner absoluten Überraschung drückte er mich an sich, sein Mund legte sich auf meinen und er küsste mich. Ähnlich wie vor einer Woche auf der Reeperbahn. Nur diesmal am hellen Tag, in der Ostsee stehend und mit garantiert mehr irritierten Blicken auf uns. Ich öffnete die Lippen, ließ seine Zunge in meinen Mund eindringen, spürte, wie seine zärtlich herumstreichelnden Hände von meinen Schultern über meinen Rücken bis zu meinem Po glitten. Ein leiser Seufzer rutschte ihm aus der Kehle. Meine Haut fröstelte, nicht wegen des kühlen Wassers, sondern wegen Lucas Verlangen, das ich deutlich spüren konnte. Sein wohlgeformter Penis bäumte sich in der Badeshorts auf, presste sich an meinen Unterleib.

 

»Wenn Du so weiter machst, Lucky, werden wir gleich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vom Strand verwiesen werden. Ich wollte nur kurz warnen. Nicht, dass ich auch nur das geringste gegen Deine leidenschaftlichen Umarmungen habe, aber es sind Kinder anwesend.«

»Scheiße, Du ... Du hast Recht. Ich ..., entschuldige bitte, Toby. Und, hey, da steht Pjotr am Ufer. Na, jetzt kriege ich gleich die Abreibung, die ich verdient hab.«

Ich schaute zum breit lächelnden Pjotr, meinem großen, süßen polnischen Loverboy hinüber.

»Oh, ich denke nicht, dass er Dich auf so eine Art attackieren würde. Nicht sein Stil, Lucky. Aber irgendwas will er uns wohl sagen. Lass uns mal zurück. Aber vergiss nicht, nachher weiter zu machen. Also, mit dem, was Du gerade begonnen hast.« Ich spritzte ihm ordentlich Wasser ins Gesicht und stakste rüber ans Strandufer. Pjotr stemmte die Hände an seine Hüften und blickte uns triumphierend an.

»So viel dazu, nach wem die jungen kleinen Biester da sich umgedreht haben. Zwei Handynummern habe ich. Aber ich bin gerne so großzügig und gebe sie Dir, Ex-Hete. Trotz der Latte, die Dir mein Toby hier in die Hose geküsst hat.«

Kopfschüttelnd lief ich auf ihn zu. »Kann ja jeder behaupten, Pjotr. Wo ist das Handy?«

Er wies auf unseren verlassenen Liegeplatz.

»In der Tasche. Glaubst Du, ich gehe damit ans Ufer oder ins Wasser?«

»Du hast ja noch nicht einmal einen Deiner riesigen Füße ins Wasser gesteckt, mein Großer. Komm doch zu uns. Kleines Wettschwimmen gefällig?« Ich packte ihn blitzschnell von hinten um die Hüfte und versuchte, ihn ins flache Wasser zu drängen. Er wehrte sich. Sogar heftiger als ich erwartet hätte.

»Vergiss es. Ich ruiniere mir doch nicht die Frisur. Außerdem bin ich gerade gut eingecremt.«

»Ach, nun komm schon. Pjotr«, mischte sich jetzt auch Lucas ein, packte ihn mit einem Griff und warf den langen Lulatsch über seine rechte Schulter.

»Lasst das. Lass mich sofort runter.« Pjotrs Stimme klang leicht hysterisch. Überschlug sich fast. Völlig ungewohnt zu dem ansonsten sonoren Bariton mit dem permanenten süffisanten und sarkastischen Unterton. Er schlug überraschend heftig mit den Fäusten auf Lucas Rücken und Hintern. Der, von der übertriebenen Reaktion völlig entgeistert, ließ in los und mein Pjotr plumpste wie ein nasser Sack auf den feuchten Sandboden.

»Was war das denn?«, entwich es mir spöttisch. »Wenn das die Mädels gesehen haben sollten, werden sie wohl spätestens jetzt wissen, in welcher Liga Du wirklich spielst. Ha! Wahrscheinlich blocken sie jetzt augenblicklich Deine Anrufe. Du kreischt ja wie ne Vierzehnjährige beim Anblick ihres ersten Steifen.«

Die Panik war wieder aus Pjotrs Augen verschwunden, aber seine Zähne kauten noch etwas nervös auf der Unterlippe herum.

Lucas warf mir einen Blick zu, der mich augenblicklich verstummen ließ. Dann reichte er Pjotr seine Hand und zog ihn hoch.

»Tut mir leid, Pjotr. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Du nicht ... nicht schwimmen kannst. Stimmt doch, oder? Mann, sorry. Das war ... «

»Was? Hey, das kann doch gar nicht ...«, stotterte ich auf. »Pjotr, warum ... das hast Du mir nie ... Sag mal, das stimmt doch nicht, oder?«

Pjotr rieb sich den anhaftenden Sand von seinen Beinen und machte sich auf den Weg zurück zu unserem Strandplatz.

»Pjotr, bitte. Jetzt rede doch mit mir!«

Aber er schwieg. Lucas hielt mich am Arm fest. »Lass ihn mal kurz, Toby.«

»Aber ich...«

»Ward ihr zwei vorher noch nie gemeinsam schwimmen, beziehungsweise am Meer?« Lucas schaute mich etwas zerknirscht an.

»Nein, waren wir nicht. Ich bin ... überrascht. Genauso wie Du. Das hat er mir nicht verraten.«

Langsam, Pjotr genügend Vorsprung lassend, schlenderten Lucas und ich zurück. Als wir an unserer gemeinsamen Riesendecke ankamen, starrte Pjotr scheinbar interessiert auf sein iPhone und checkte eingehende Nachrichten, der diversen Social Media. Sein Gesichtsausdruck hatte sich wieder seiner ansonsten gerne nach außen spöttischen Natur angepasst.

 

»Sagt mal, heute Abend? Essen gehen oder wollt Ihr echt wie die Senioren auf dem Campingplatz selber grillen und kochen?«

Mir riss fast die Geduldschnur, aber Lucas legte für eine Sekunde seine Hand auf meinen Unterarm und ich verschluckte meine Frage.

»Mag überraschend sein, ich bin mit Sicherheit ansonsten kein großer Koch, aber grillen kann ich ganz gut. Hab ich zuhause bei meinen Eltern gelernt.«

»Na, Würstchen haben wir auf jeden Fall dabei«, warf ich ein.

»Ja, schon klar. Dein Hot Dog war ja eben deutlich für alle zu sehen, Grillmaster«, witzelte Pjotr und wies mit seinem Handy auf Lucas untere Region.

Lucas grinste breit. »Na, nach allem was ich bereits von Dir gesehen habe, Pjotr, dürfte ich unter Nürnberger Rostbratwürstchen fallen, während Du doch wohl die Thüringer Riesenbratwurst mitbringst.«

»Krakauer!«

»Oh, klar. Krakauer« Lucas hob entschuldigend die Hände. »Riesenkrakauer.« Pjotr wies mit dem Handy auf seinen Unterleib.

»Selbstverständlich auch das. Eine Riesenkrakauer!« Lucas schnappte sich ein Handtuch und trocknete sich ab.

»Riesenkrakauer mit Füllung, um genau zu sein.«

Ich warf genervt einen meiner Flipflops gegen Pjotrs Brust.

»Hey, pass auf, mein neues iPhone.«

»Leute, wir könnten natürlich noch ein paar Nacken- oder Hinterbackensteaks einkaufen, wenn Euch Eure Würste nicht ausreichen.«

»Ich bin zufrieden, aber seit Toby diesen schwarzen Schaffnerdödel gespürt hat, dürften wir für ihn natürlich minderbemittelt aussehen, Lucas. Ah, hab vergessen, Du hast den doch auch gesehen, hat Toby übertrieben?«

Lucas schüttelte den Kopf. »Nee, der war ..., also, wie sagt man ...«

»Riesig?«, flötete Pjotr mit einem spöttischen Seitenblick auf mich.

»...Respekt einflössend, würde ich sagen.«

»Ja klar«, frotzelte Pjotr, »bist Du ja bestimmt der Experte für, oder Hete? Könnte es sein? Hast Du schon viel häufiger mit Riesenlümmeln zu tun gehabt? Du studierst doch irgendwas mit Sport. Geht es da nicht öfters mal nach dem Training unter den Duschen richtig ab? Und erzähl mir nicht, dass Ihr Eure Pimmel nicht verglichen habt. Selbst die konservativste Rühr-mich-nicht-an-Hete setzt ihren Schwanz in den Vergleich mit anderen Kerlen.«

»Pjotr, bitte ...«, zischte ich entnervt. »Was soll das? Seit wann bist du denn der Hetenexperte?«

Sein etwas frostiger Seitenblick traf ziemlich unerwartet.

»Weißt Du, Toby. Das ist der Unterschied zwischen uns beiden. Du tust oft nur so, als ob Du mir zuhörst. Mann, ich habe Dir von meinen Jahren im Internat erzählt. Vom Versteckspielen. Vom Leugnen und Lügen, nur damit man nicht der schwule Außenseiter der Schule ist. Von den bissigen Frotzeleien unter der Dusche, von ...«

»Das stimmt nicht, Pjotr. Natürlich habe ich Dir zugehört. Aber, hey, mit dem da in der Hose ...«. Ich wies auf die ausgeprägte Beule in seiner Speedo, »Da musstest Du Dir wohl kaum Spott anhören. Oh bitte, mir kommen gleich die Tränen.«

»Ich tippe mal, sie haben ihn Sandschlürfer genannt«, mischte sich Lucas ins Gespräch ein. »Oder Elefantenrüssel? Eins von beiden, oder?«

»Ex-Hete, ich könnte Dich knutschen. Exakt. Aber Du warst doch nicht auf dieser furchtbaren Eliteschmiede, oder?«

»Nee, ganz normales Gymnasium in Hessen. Aber diese Pimmelsprüche gibt es überall. Unter Kindern und Erwachsenen. Schülern, Studenten, in Betrieben. Sogar bei der Freiwilligen Feuerwehr in Harburg.«

»Äh, aber...«

»Was denn, Toby? Das sind Dinge, mit denen Du doch anscheinend nie konfrontiert warst«, unterbrach mich Pjotr. »Nach allem, was Du mir erzählt hast, bist Du doch auf der Schwuleninsel der Glückseligen großgeworden.«

»Ah, ah, ah! Du übertreibst, Pjotr. Völlig ohne Probleme war das nicht. Ich ...«

»Nein?«, fragte Pjotr. »Deine Eltern spazierten mit Dir, als Du sieben warst auf den CSD in Berlin. Mir hast Du erzählt, dass Du ihnen da gesagt hast, als eine schrille Transe vorbeikam, so möchtest Du auch herumlaufen. Und Deine Eltern haben bloß genickt und gemeint: Gut, Tobias. Alles, was Du möchtest. War es nicht so? Das nenne ich schon das Eiland der Glückseligen.«

 

»Ja, aber sie dachten, der Junge findet die bunten Tunten einfach nur spannend. Wie man in diesem Alter eben vieles lustig und aufregend findet. Das heißt nur, meine Eltern waren aufgeschlossen gegenüber jeder Form der Sexualität und ...«

»Genau, mein Insel-Boy.« Pjotr schlug mir auf die Schulter. »Mein Vater würde mich immer noch am liebsten in so einer Entschwulungs-Therapie sehen. Das Einzige, was ihn zurückhält, ist, dass ich mittlerweile der bessere Finanzexperte bin. Und der einzig mögliche Nachfolger im Familienunternehmen. Also schluckt er die schwule Kröte. Aber genug davon: Apropos CSD. Die Mädels haben mich vorhin gefragt, ob wir heute Abend nicht nach Lübeck kommen wollen zur CSD-Abschlussfeier in irgendeinem Speicher an der Trave. Wie sieht es aus, Straight-Luke? Schon mal auf ner schwulen Party gewesen?«

»Zählt die Abschleppbar auch?« Lucas grinste schief.

»Na, nicht so richtig. Aber ich habe keine Ahnung wie groß die Gay-Community in Lübeck ist. Du etwa, Toby? Vielleicht ist es nicht voller da wie in der Abschleppbar an einem gewöhnlichen Samstagabend. Bevor wir uns hier womöglich unsere Griffel kross grillen, gehen wir erst ne Kleinigkeit essen. Die Mädels treffen sich in der L’Osteria zum Pizzamampfen und meinten, der Veranstaltungsort wäre mehr oder weniger schräg gegenüber. Ich fänd es geil. Wer weiß, Noch-Hete, Du könntest Dich dort bedenkenlos in alle Richtungen ausprobieren, oder?«

»Werde ich auch gefragt, oder bin ich schon wieder im Unsichtbarmodus?«, meldete ich mich schmollend zu Wort.

Pjotr zog die Augenbrauen zusammen, blickte sich scheinbar irritiert, verwirrt um. »Verdammt, Lucky Luke, geht es nur mir so oder hörst Du auch Stimmen? Ich ahnte es. Irgendwann rächt sich mein übermäßiger Konsum von Haarconditioner und mein Hirn weicht auf.«

Lucas spielte kurz mit. »Ja, oder war da vielleicht etwas im Eistee? Schmeckte eigentümlich bitter, oder?«

»Hahaha! Von einem Comedypreis seid Ihr beide Lichtjahre entfernt und das wird sich wohl kaum ändern. Seid froh, dass Ihr Euch für Eure langweiligen Studien entschieden habt.«, maulte ich.

»Okay, Lucas«, damit knuffte Pjotr dem Angesprochenen vor die Brust, »Wichtige zwei Regeln im Umgang mit Tobias. Niemals der kleinen Kulturdiva eine Pointe rauben. Kann sie gar nicht mit umgehen. Zweitens: Immer lachen, egal wie mies, alt und bekloppt seine Witze sind. Ansonsten verliert sie nämlich an Standfestigkeit. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. So, Dein naives Grienen, Lucky Luke, nehme ich jetzt mal als stillschweigendes Einverständnis und husche rüber zu den Mädels und mach das Ding klar.«

Und mit zwei Sätzen seiner langen Staksen war er auch schon bei der bunten Frauengruppe angekommen.

»Er ist ein solcher Idiot. Sorry, Lucas, natürlich können wir auch ...«

»Schon gut, Tobias. Ich finde es eigentlich super. Ich war, und jetzt lach mich bitte nicht aus, noch nie in meinem Leben auf einem CSD.«

»Ja und, ist ja nicht so, als wäre das eine Verpflichtung. Schon gar nicht für jemanden, der sich bislang als heterosexuell definierte. Lucas, der CSD ist eigentlich vorwiegend die Parade, der Straßenumzug. Früher mal so richtig politisch, heute nur noch ein bisschen, dafür eher eine schrille Variante des Schlagermoves. Aber egal. Die Abschlusspartys sind dann nur noch die Draufgabe. Das Tüpfelchen auf dem I. Was für Dich dann hoffentlich nicht für IGITT steht.«

»Mach Dir da mal nicht in die Büx, Toby. Glaubst Du, ich würde bei Euch wohnen und wäre hier mit Euch gemeinsam am Strand, wenn ich ein IGITT im Kopf hätte? Mann, ich gehe auf den CSD. Super! Mit Euch! Wenn das mal nicht total abgefahren ist!«

 

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