Geborgen nur mit dir - Teil 3

von Christian
veröffentlicht am 08.02.2024
© Christian, mannfuermann.com
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Bareback / Bisexuell / Junge Männer / Romantik

Liebe Leser! Es hat viel Kritik gegeben, dass die Serie unrealistisch und überhastet sei. Dies ist nun ein Versuch das Ruder noch einmal herum zu reißen.

 

......

Einen Moment lang war ich wie weg getreten gewesen. Dann fasste mich ein Kollege am Arm und meinte, dass ich ganz blass aussähe. Da wusste ich wo ich war. Ich war direkt am Unfallort. Massenkarambolage. Die letzten Minuten war ich weit mit den Gedanken fort gewesen. Jetzt erinnerte ich mich. Wir waren zu einem entsetzlichen Unglück gerufen worden. Das hatte mich geistig so überfordert, dass ich mich einen Moment lang weg. geträumt hatte. In eine andere Realität, die sehr traurig und nah am Geschehen und auf seltsame Weise erotisch war. Ein überhasteter Film hatte sich in meinem Geist abgespielt wie ein Zeitraffer. Einerseits war ich besorgt und voller böser Vorahnungen und dann aber auch sexuell erregt. Dieser Traum war anders als jeder andere Traum, den ich bisher gehabt hatte. Er war wie ein Schnellzug durch mein Gehirn gerast. Nun hatte ich ein Deja Vue. Ich war tatsächlich mitten drin in diesem Alptraum. Wir kamen gerade am Unfallort an und sahen die Katastrophe. Es war alles real. Bloß, dass mein Kollege nicht zu mir sagte, wir würden psychologische Betreuung brauchen sondern mich darauf ansprach blass zu sein. Mir stockte der Atem als ich mich umschaute und die Verletzten sah. Es roch buchstäblich nach Blut, verbrannten Reifen und Benzin.

Ich rückte aus und leistete erste Hilfe wo ich konnte, sprach Verletzten Mut zu, renkte hier eine Schulter wieder ein, brachte dort jemanden in eine stabile Seitenlage. Half Schwerstverletzte auf Tragen zu transportieren und gesichert in die Rettungswägen zu schieben, Blutungen zu stillen. Ich wusste nicht mehr wo mir der Kopf stand. Tausend Eindrücke schlugen auf mich ein. Zack Zack Zack Zack. Mein Gehirn war kaum in der Lage die vielen Eindrücke zu verarbeiten und dann plötzlich hatte ich wieder ein Deja Vue. Ein junger Mann kam auf mich zu gelaufen. Sein Handgelenk war verletzt und die Nase gebrochen. Ich wollte mir das später ansehen. Gerade war ich dabei eine Dame zu beruhigen, die verzweifelt klagte, dass sie ihre Beine nicht mehr spüren würde. Sie war in Panik. Stand unter Schock. Mir kam das gerade wichtiger vor als die Verletzungen des jungen Kerls. Er aber ließ nicht locker und flehte mich an seiner schwangeren Frau zu helfen. "Übernimm bitte!" wies ich einen Kollegen an. Er sollte sich um die Dame vor uns auf dem Boden kümmern. Ich hatte bei dem jungen Mann ein so starkes Deja Vue Gefühl, dass ich bloß hoffte, ich würde mich irren.

Schweigend folgte ich ihm zu seinem Auto, das ein Totalschaden war. Es war von drei Seiten gerammt worden. Nur der Fahrer hatte Glück gehabt. Die Schwangere hing im Sicherheitsgurt, der ihren Bauch einschnürte. Sie war bei Bewusstsein. "Ich bin hier, um Ihnen zu helfen." Sie schaute mich an. "Wie heißen Sie?" Sie schaute mich an. "Mein Name ist Hannes." erzählte ich. "Ich bin Arzt, ich bin hier um zu helfen. Können Sie mich verstehen?" Sie blinzelte. Gebrochen brachte sie hervor: "Mein Baby." "Wie heißt sie?" fragte ich den jungen Mann und hatte die Antwort im Kopf: Olivia. "Meine Frau. Veronika." "Veronika." sprach ich sie an. "Ihr Mann geht jetzt los und ruft Verstärkung. Ich bleibe bei Ihnen. Drücken Sie meine Hand wenn Sie mich verstehen." Sie konnte es nicht. Ich ging auf die Knie und versuchte auf dem Bauch robbend ins Auto zu gelangen, um näher bei ihr zu sein und zu sehen wie schwer sie verletzt war.

Die Autowrack Teile, die sie einklemmten, hielten sie davon ab an Ort und Stelle zu verbluten. Sie schwebte in akuter Lebensgefahr und damit auch das Baby. Der junge Mann war nicht ohne Grund so verzweifelt und an der Art und Weise wie er los rannte sah ich, dass er schnell wieder bei ihr sein wollte. So wie es für einen Laien aussehen mochte konnte sie tot sein bei seiner Ankunft. Ich wusste, dass ein Mensch nicht so schnell stirbt aber es war sehr ernst. Sehr sehr ernst. Ich schnitt mir am gesplitterten Fensterglas die Arme auf, denn die blöde Seitentür ließ sich nicht öffnen. Doch ich musste mich zumindest über sie beugen können, um den Gurt durch zu schneiden, der ihren runden Bauch einschnürte. "Haben Sie Schmerzen?" "Neeiiin." krächzte sie. Gottseidank, dachte ich. Wenigstens das blieb ihr erspart. Sie war jung, vermutlich zum ersten Mal schwanger. Und sie würde das nicht überleben. So viel Erfahrung hatte ich. Der Tod sah mich an wenn ich in ihr Gesicht schaute. Sterbende hatte ich schon gesehen und bei dieser schauderte es mich. Es war so unfassbar traurig. "Drücken Sie meine Hand." forderte ich sie auf. Sie tat es nicht. "Fühlen Sie, dass ich Ihre Hand halte?" Sie blinzelte und schaute mich an.

 

"Veronika." übernahm mein Einsatzleiter das Kommando. "Wir werden sehen, dass wir Sie hier raus kriegen." Er wandte sich zu uns um und bestätigte was ich vermutet hatte. Sie war eingeklemmt in dem Totalschaden von einem Auto. Die Wrackteile stoppten ihre Blutungen. Eingeklemmt würde sie länger durchhalten. Doch ihr aktueller Zustand gefährdete das Baby ganz massiv. Es war schlimm, der Fußraum hatte sich nämlich so zusammengeschoben, dass Autoteile gegen ihren Bauch gepresst wurden. Der Mutterleib soll einen Säugling beschützen, aber wir vermuteten, dass der arme kleine Zwerg in der fünfundzwanzigsten Schwangerschaftswoche durch den Aufprall Frakturen erlitten haben müsste. Ein mobiles Ultraschall Gerät brachte die Gewissheit. Wir hatten nicht recht haben wollen. Es zerriss uns allen das Herz. Der Vater brach fast zusammen als wir es ihm sagten wie ernst es um sein Kind stand. Es musste sofort geboren werden sonst wäre es bald tot. Das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er schluckte und kämpfte mit sich, um Veronika Trost spenden zu können. Was es ihn kostete sah man ihm an. Er tat mir so unendlich leid.

Nur wenn wir sie da raus bekommen wollten, dann mussten wir sie frei schneiden, und dann würde sie schnell verbluten, was erst wieder das Baby in akute Lebensgefahr brachte. So oder so hatten wir ein halbes Dutzend Möglichkeiten Mutter und Kind an Ort und Stelle zu verlieren. Man bringt eine Frau dazu ihren Körper zu zerreißen, in dem man ihr ein gesundes Baby verspricht. Veronika wusste es und wir wussten es auch. Ein Frühchen, das jetzt auf die Welt geholt wurde, hatte eine Überlebenschance von etwas mehr als 70 Prozent. Dennoch war das die einzige Chance das Kleine zu retten. Wenn wir Olivia noch länger im Wagen sitzen ließen bis wir sie stabilisiert hatten, dann würde das Kind an seinen Verletzungen sterben. "Mein Baby." hauchte sie bevor sie in gnädige Ohnmacht fiel. Das Baby sollten wir retten und keine Rücksicht auf sie nehmen.

Eine so junge Frau um die Mitte zwanzig sterben lassen. Da hatten wir alle Skrupel. Wir standen da und berieten uns. Wir diskutierten und beratschlagten. Der Ehemann stand schweigend daneben. Er schwieg auch noch als seine Schwiegermutter mit Veronikas bester Freundin im Schlepptau auftauchte. Angerufen hatte er sie, um ihnen die Möglichkeit zu geben die Schwerverletzte noch einmal zu sehen bevor es vielleicht zu spät war. Sie umarmten ihn, drückten ihn an sich und schauten nach Veronika, die dankenswerterweise nichts mehr mitbekam. Traurig für ihre Angehörigen, die bestimmt noch einmal gern mit ihr gesprochen hätten, aber so viel besser für sie. Tränen liefen bei diesen beiden Frauen. Dennoch waren sie nicht betäubt und in einem Schockzustand totalen Horrors gefangen wie der junge Ehemann. Man sah besonders der Schwiegermutter an, dass sie ihre Emotionen zurück hielt. Sachlich wollte sie wissen wer die besseren Überlebenschancen hatte: die Tochter oder das Enkelkind. Danach hörte sie nur noch zu, nickte und biss sich auf die Lippen. Ihr Kinn und ihre Hände zitterten. Sonst wirkte sie recht gefasst. Wenn es hart auf hart kam, dann war diese Frau eine Löwin.

Die Schwiegermutter entschied und die Freundin folgte dem Vorbild. Wir sollten das Baby holen. Es war Veronikas letzter Wunsch. Ihre Entscheidung. Sie warfen einen Blick auf den Ehemann, der mit steinerner Miene daneben stand. Ohne viele Worte wurde sein Einverständnis eingeholt. Praktisch als selbstverständlich erachtet. Aus Respekt vor Veronika. Ich sah den Mann zusammen zucken. Er wurde ganz schnell ins Abseits gedrängt. Erneut hatte ich ein Deja Vue. Solidarische Frauen waren dabei Olivias...nein, natürlich Veronikas Vermächtnis zu schultern. Wo blieb der Mann dabei? Seine Meinung zählte nur sporadisch. Gaben sie ihm etwa die Schuld an dem Unfall? Unterschwellig spürte ich da so einige Schwingungen. Vielleicht nicht direkt Schuldzuweisung aber doch eine Art Entmündigung. Er wirkte klein und verloren neben der Löwen Mutter, die sehr schnell die ganze Situation zu dominieren begonnen hatte. Eine wahnsinnig starke Frau. Beeindruckend aber auch irgendwie zum fürchten. Ich kannte den Typ. Meine Mutter war genauso. Vielleicht war ich deshalb schwul geworden. Mir tat der Mann jetzt umso mehr leid.

 

Wir schnitten Veronika aus dem Auto und legten ihren Körper von den Trümmern vollständig frei. Es war noch übler als gedacht. Sie war sehr schwer verletzt, sämtliche Knochen gebrochen. Die Blutung war stark. Sofort schafften wir sie in einen Rettungswagen und taten alles, um sie am Sterben zu hindern. Die Familie blieb am Unfallort zurück. Sie wollten mit dem Auto nachkommen. Einzig der Ehemann stieg zu uns ein und hielt seiner Frau die Hand, deren Körper sich in ein blutiges Schlachtfeld verwandelt hatte, an dem Ärzte und Pfleger hantierten, um sie lebend ins Krankenhaus zu schaffen. Wieder war ich froh, dass sie es nicht mehr bewusst erleben musste. Ich berührte ihn zufällig an der Hand als wir die Todgeweihte aus dem Rettungswagen in den Operationsraum schoben. Unsere Blicke trafen sich kurz. Ich sah ihm an, dass er sich vernichtet fühlte. Völlig überfahren. Sein Herz war in tausend Scherben zerbrochen. Er war am Boden zerstört. Hielt sich nur noch aus Liebe und mit äußerster Willensanstrengung aufrecht.

Die Fahrt im Rettungswagen war blutig gewesen. Ein Nervenkitzel, bei dem jede Sekunde zählte. Aber das eigentliche Schlachtfeld kam erst noch. Wir schnitten Veronika vor den schockierten Augen eines zunehmend traumatisierten Ehemannes den Bauch auf und holten einen zarten Winzling heraus, der so groß wie eine Getränkedose war. Scheußlicher Vergleich aber ein Frühchen in dem Entwicklungsstadium ist nicht größer. Das Baby war wächsern wie Papier und nicht rosig wie ein Neugeborenes sein sollte. Es wurde aus dem blutigen Leib der Mutter heraus gezogen und musste sofort notversorgt werden. Der Vater konnte es nicht einmal halten. Dafür durfte er zusehen und miterleben wie seine geliebte Frau auf dem Tisch vor unseren Augen verblutete. So hatte der ganze Kampf um das Überleben des kleinen Kerlchens enden müssen. Wir hatten es seit Stunden gewusst. Trotzdem war es etwas anderes zu wissen als es zu sehen. Der Boden wurde unter seinen Füßen weg gerissen. Die Welt stürzte ein als wir den Zeitpunkt des Todes feststellten. Er wankte und schwankte wie ein Baum im Sturm. Bevor es ihn aus den Wurzeln riss, stützte ich den frisch gebackenen Vater und Witwer beim Rausgehen. Half ihm auf die nächste Toilette und bot ihm kühlende Tücher an nachdem er sich erbrochen hatte. Nervenzusammenbruch. Verständlich genug.

Als wir zusammen draußen vor Veronikas Mutter und den inzwischen immer mehr gewordenen Freundinnen, darunter war auch eine Tante und eine ältere Schwester, auftauchten war es so still, dass man eine Feder hätte fallen hören können. Ich sagte ihnen wie es um den kleinen Sebastian stand. "Wie haben Sie meinen Enkel eben genannt?" "Entschuldigung, ich weiß auch nicht wie ich auf den Name komme." erklärte ich mich. Ich hatte nicht grenzübergreifend sein wollen. Das filigrane kleine Würmchen sah für mich nur wie ein Sebastian aus. So hieß mein Urgroßvater und der war auch zu früh auf die Welt gekommen. In einer Zeit wo die medizinischen Möglichkeiten noch geringer gewesen waren als heute. Er war jetzt 96. "Wir wollten ihn..." begann sie zu widersprechen. "Der Name klingt gut." sagte der Vater tonlos. "Sebastian. Basti. Gefällt mir." Zum ersten Mal seit ich ihn kannte setzte er sich erfolgreich gegen die Schwiegermutter durch. Dann brachen sie alle in Tränen aus als sie vom Tod der Mutter hörten. Veronikas beste Freundin fiel dem Witwer um den Hals. "Ach, Nick." Nick wurde umringt von Frauen, die selber am Boden zerstört waren, und ihm Mut zusprechen wollten. Er hatte die Schultern eingezogen und litt. Wie betäubt saß er einfach im Warteraum. Er ließ die Familie über sich ergehen. Ertrug auch den eigenen besten Freund, der ihn damit zu trösten versuchte, dass er für das Kind jetzt stark sein müsste. Ich verdrehte ein wenig die Augen. Armer Kerl. Immer dieselben Floskeln. Sie meinten es ja alle gut, aber diese Standardsätze, die halfen halt nicht. Aber er wollte scheinbar niemandem sagen, dass er einfach nur seine Ruhe brauchte. Er ertrug die Anwesenheit von jedem stumm leidend.

 

Nick blieb länger als alle anderen im Warteraum. Es vergingen Stunden und er harrte immer noch aus. Suchte schließlich meine Nähe. In den Augen eine Sehnsucht und eine Not, die mich ganz fertig machte. Ob er seinen Sohn sehen dürfte? "Er wird noch operiert." Nick sank wie ein Häufchen Elend wieder auf seinen Stuhl zurück. Ich berührte ihn an der Schulter. "Sobald ich etwas Neues erfahre, komme ich sofort zu Ihnen." versprach ich. Dann ließ ich ihn zurück und ging meiner Arbeit nach, versorgte andere Verletzte. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei ihm. Die tiefe Verzweiflung dieser armen Seele ließ mich nicht los. Ich wusste nicht recht ob ich mir erlauben durfte ihn attraktiv zu finden. Was ich durchaus tat. Und während ich über ihn nachdachte wurde mir klar, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte. Am Morgen als ich zur Arbeit gefahren war, da war ich auf meinem Motorrad an seinem Auto vorbei gefahren. Er hatte im Stau gesteckt und musste deshalb eine Abkürzung genommen haben. Seine Frau war schwanger. Wahrscheinlich hatten sie zu einem Termin im Krankenhaus gewollt. Ich hatte ihn nur für den Bruchteil einer Sekunde gesehen und seitdem kreisten meine Gedanken um ihn. Die kurze Begegnung hatte den Blitztraum in mir ausgelöst, meine unterschwellige sexuelle Begierde als ich das Sahnestück am Steuer sitzen sah schlug dann mit rein, und schon war ein erotischer Tagtraum im Zeitraffer entstanden, der mich seitdem mit Flashbacks und Deja Vue Erlebnissen heimsuchte. Ich hatte die beiden Eric und Olivia getauft weil ich sie im Straßenlärm miteinander reden gehört hatte. Eine Diskussion wegen der sich zu stark einmischenden Großmutter in spe, die ihnen beiden die Luft abschnürte. So viel hatte ich mitbekommen und schon hatte meine Fantasie Blüten getrieben. Dabei hatte ich die Namen falsch verstanden. Sie hießen Nick und Veronika.

Weitere Stunden vergingen. Die Nacht brach an. Ich sorgte dafür, dass man Nick ein Bett zurecht machte. Es war ihm wichtig so nahe bei seinem Sohn zu sein wie er nur konnte und mir war es wichtig ihn gut versorgt zu wissen. Seine Frau hatten wir nicht retten können. Der kleine zarte Sebastian überstand indessen seine erste schwere Operation. Auch das eine herzzereißende Sache. Wenn ich nicht bereits so viele Stunden am Unfallort und dann mit der bedauernswerten Schwangeren verbracht hätte, so wäre ich dabei gewesen. Eigentlich hätte ich im Bereitschaftsraum schlafen sollen. Aber ich konnte nicht. Mir gingen so viele Dinge durch den Kopf. Alles kreiste um Nick, dem ich schonend beibringen musste, dass sein zartes Söhnchen zwar noch lebte aber nicht über den Berg war. Er konnte nicht alleine atmen. Seine Organe waren zwar bereits entwickelt, funktionierten aber noch nicht von allein. Er wurde mit Schläuchen am Leben erhalten. Als ich es Nick sagen wollte schlief er. Man hatte ihm ein starkes Beruhigungsmittel und ein noch stärkeres Schlafmittel gegeben, damit er sich erholen konnte. Seine Nerven waren so zerstört, er konnte die lange Operation mit ungewissem Ausgang nicht bis zum Ende durchstehen ohne sich wenigstens zwischendurch ein wenig auszuruhen. Psychologische Betreuung hatte er erhalten. Dabei war PTBS bei ihm festgestellt worden. So viel wusste ich weil ich die ganze Zeit über ihn in Erfahrung brachte was ich konnte. Er war ärztlich versorgt worden. Seine körperlichen Verletzungen waren nichts gegen die seelischen. Wo einmal ein Herz gewesen war, war jetzt ein klaffendes schwarzes Loch.

Er redete nicht viel. Weinen hatte er hinter sich. Er ließ den wiederkehrenden Besuch wohlmeinender Angehöriger über sich ergehen. Saß einfach da und trauerte, bangte, hoffte. Wir hatten ihm nicht nur ein Bett sondern ein Zimmer besorgt. Das teilte er sich mit einem anderen Patienten, dessen Besuch auch voller Wohlwollen, Mitgefühl und guter Ratschläge war. Nick war teilnahmslos. Er zeigte überhaupt nur dann Interesse wenn eine Schwester oder ein Pfleger herein kam. Dann schnellte sein Kopf nach oben und er fragte nach Sebastian. Ich wusste das weil ich die Pflegekräfte tuscheln hörte. Wenn wieder keine Antwort erfolgte, die ihm Aufschluss geben konnte wie es dem Kleinen ging, dann sackte er wie ein nasser Mehlsack in sich zusammen. Ob ich ihn wecken sollte? Einerseits könnte er Kräfte sammeln, um für Sebastian da zu sein. Aber andererseits...

Ich musste ihn gar nicht wecken. Trotz einer chemischen Keule, die einen Elefanten umgeworfen hätte, hatte seine Erholungsphase nur eine kurze Dauer gehabt. Jetzt warf er sich wieder hin und her. Als er mich bemerkte, sprang er auf. "Er lebt noch?" Seine Unterlippe zitierte. Tränen rollten über seine Wangen. "Darf ich ihn sehen? Bitte!" Sein Flehen schnitt mir das Herz auf. Sehen ließ sich einrichten aber auf den Arm nehmen war nicht drin. Wie brutal das war wurde mir richtig bewusst als ich ihn auf die Knie fallen und die winzigen kraftlosen Fäuste des schwächlichen Frühchens drücken sah. "Man hat ja direkt Angst ihn zu zerbrechen." flüsterte er und streichelte den wehrlosen Zwerg im Brutkasten, der intubiert worden war. So wenig Baby und so viele Schläuche. Ein wahrlich grausamer Anblick. "Ich bin dein Papa. Halte durch, bitte tue es für deine Mama und für mich. Sie wollte so sehr, dass du lebst. Lass mich nicht allein auf dieser Welt." Der Satz hallte in mir nach und als ich nach Hause kam heulte ich meine Kissen voll.

 

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