Die Katastrophe und der heiße Kerl.
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Es war Katastrophenalarm. Ein Geisterfahrer hatte eine Massenkarambolage verursacht. Es war mein erster Außeneinsatz als gerade frisch fertig studierter Arzt und ich rückte mit den Rettungseinsätzen aus. Was uns erwarten würde, darüber dachten wir alle intensiv nach . Wir wussten, dass der Tag lang werden würde. Viele Stunden Einsatz und danach noch Überstunden waren zu erwarten. Für mich war alles neu und ich war innerlich gespannt wie eine Bogensehne. Heute war der Tag, dachte ich. An einem Tag wie heute wurde von mir abverlangt was ich in Jahren des Studiums gelernt hatte. Distanziert und innerlich kühl aber äußerlich mitfühlend zu sein. Zu funktionieren. Ich stellte die Gedanken was für ein schweres Drama mich da erwarten würde so gut es ging ab und versuchte es aus dem medizinischen Standpunkt als wichtige Lernerfahrung zu sehen.

 

Wir sprachen noch im Rettungswagen darüber. Unser Oberarzt sagte uns wie man mental mit solchen Situationen umzugehen habe und dass es menschlich sei Überlastung zu fühlen. Aber von unserer Fähigkeit durchzuhalten hingen zahlreiche Leben ab. Wir schauten uns an. So hatte er noch nie geklungen. Was um Gottes Willen erwartete uns? Was ich dann beobachten konnte, sobald wir ausstiegen traf uns alle genau zwischen die Augen. Selbst die Härtesten unter uns wirkten am Anfang wie schockierte Klosterschwestern als wir vor uns die Ausmaße der Katastrophe vor Augen hatten. Am Unfallort herrschte das reinste Chaos. Ärzte und Pfleger, Feuerwehrleute und Polizisten rannten hin und her. Verletzte lagen auf dem Boden. Man hörte Kinder schreien und Sterbende jammern. Überall war Blut. So viel Blut. An meinen Arm krallte sich eine Hand. "Dafür werden wir psychische Betreuung brauchen wenn wir hier fertig sind." Ich nickte. Innerlich war ich wie erstarrt aber äußerlich funktionierte ich. Ich war der Erste, der sich mitten hinein in die Hölle wagte. Das Adrenalin kochte mir in den Adern. Ein junger Mann lief auf mich zu. Er blutete aus einem Schnitt an der Stirn, wollte aber nicht, dass ich mir die Wunde ansah. Komplett verzweifelt wollte er mich dorthin führen wo sein Auto in einen anderen Wagen hinein gekracht war.

Dabei sah ich SIE. Sie war schwanger und lag eingeklemmt in ihrem zu Schrott gefahrenen Wagen. Ihr Körper war offensichtlich schwer verletzt. So schwer, dass ich sie für tot gehalten hätte wenn ich das Zucken eines Fingers nicht wahrgenommen hätte. "Meine Frau." Er war mit ihr zu einem Termin gefahren. Dann der Unfall. Gerade eben noch glücklich und mitten drin in der Familienplanung und dann...zack...das Leben von Partnerin und Kind hing am seidenen Faden. Er war völlig fertig und tat mir unendlich leid. Ein attraktiver Mann. Hätte ich ihn in einer Schwulenbar getroffen, hätte ich ihn sofort angebaggert. Seltsam, dass es mir in so einer Situation auffiel, dass er hübsche Augen und schöne Hände hatte. Er war vielleicht Ende zwanzig. Ein Sahnestück. Aber unendlich verzweifelt und das aus gutem Grund.

Es zerriss mir das Herz die Augen der Schwangeren zu sehen. Die Frau war bei Bewusstsein. Sie hatte solche Schmerzen und solche Angst. Angst um das Baby. Immer wieder sprach sie von dem Baby obwohl ich sie bat nicht zu reden. Ihre Kräfte zu schonen. Sie war bei klarem Verstand und versuchte Enscheidungen zu treffen. Dabei dachte sie an ihre gemeinsame Eigentumswohnung, ihr Vermögen, die Erziehung des Kindes. Sie gab ihrem Mann Anweisungen und bemühte sich tapfer um Fassung. Er hatte Tränen in den Augen und bemühte sich ebenfalls standhaft zu bleiben. Hielt ihre Hand. "Sie sterben heute nicht." erklärte ich ihr. Aber ich war selbst nicht überzeugt. Es war nämlich so, dass der Fußraum beim Beifahrersitz sich zusammengedrückt hatte. Ihre Beine waren gebrochen und nach oben geschoben worden, sodass die Knie und das Armaturenbrett in ihren Bauch drückten und das Kind gefährdeten. Andererseits hielten die Autowrack Teile, die sie einklemmten sie davon ab an Ort und Stelle zu verbluten. Der Körper war zerschmettert. Ich dachte, dass dies auch das Baby betreffen würde und dass es für die Arme wahrscheinlich zu spät war. Trotzdem wies ich den bedauernswerten Ehemann dazu an Hilfe zu holen. Dann begann die Bergung.

Wir standen vor der unmöglichen Entscheidung: Mutter oder Kind. Es war das Härteste was ich je miterlebt hatte. Entweder eine junge Frau Mitte zwanzig sterben lassen oder einen noch nicht ganz entwickelten Säugling in der fünfundzwanzigsten Schwangerschaftswoche. Es war grausam und es verlangte jedem von uns sämtliche Nerven ab. Ich sah meine eigene Trauer in den Augen meiner Kollegen. "Mein Baby." flehte Olivia. Sie hieß Olivia. So hatte sie sich mir gegenüber vorgestellt als ich sie in Abwesenheit des Mannes persönliche Dinge gefragt hatte, um sie abzulenken. "Ihr habt sie gehört. Also los." Mein Oberarzt übernahm das Kommando. Trotzdem folgten wir nur zaghaft. Diese Entscheidung war menschlich so brutal, da hatten wir alle Skrupel, und doch rissen wir uns zusammen. Das Kleine war in der vierundzwanzigsten Woche, Überlebenschance bei etwa sechzig Prozent. Aber ihre Chancen waren noch schlechter, das spürte sie wohl und wir konnten es sehen. Wir schnitten sie frei und brachten das Kind an Ort und Stelle zur Welt. Es musste schnell gehen.

 

Ein Frühchen. So groß wie eine Getränkedose. Winzig, filigran wie eine Swarovski Figur aus Glas und unendlich zart. Die Augen waren geschlossen. Es war wächsern wie Papier, nicht rosig wie ein Baby sein sollte. Ein ganz hilfloses Würmchen. Es musste sofort in den Brutkasten, musste intubiert werden, brauchte schleunigst lebenserhaltende Maßnahmen. Der Vater konnte kaum einen Blick auf seinen Sohn werfen. Von Anfang an herrschte Alarmstufe rot. Der Zustand der Mutter fiel sofort in den Keller und sie ins Koma. Das Kind oder sie. Ihre Entscheidung. Ich konnte sie verstehen, diese tapfere junge Frau. Auch wenn es weh tat und mir für den Mann unendlich, unendlich leid tat.

Danach kämpfte ein Team von Ärzten die ganze Nacht um ihr Leben. Vergeblich. Es war früher Morgen als wir aufgeben mussten und es war meine Aufgabe es dem Mann zu sagen. Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, war nicht nach Hause gegangen und hatte gewartet. Es brach eine Welt für ihn zusammen. Er musste sich setzen, ließ den Tränen freien Lauf. Ich gesellte mich zu ihm und hörte mir alle Anekdoten über Olivia an. Während er redete wie ein Wasserfall streichelte ich seine Hand. "Mein Sohn." sagte er schließlich nach über einer Stunde. "Wie geht es ihm?" Was sollte ich dem gebrochenen Ehemann auch sagen? Es sah nicht gut aus. Würde er das verkraften? Der kleine Sebastian war winzig, voller Falten, runzlig, blass und sehr zerbrechlich. Wir hielten ihn mit Schläuchen am Leben. Allein atmen konnte er noch nicht. Seine Organe waren zwar schon entwickelt aber hatten noch nicht die volle Funktion. Ich zeigte ihn seinem Vater. Der ging sofort vor ihm auf die Knie und griff nach den winzigen kraftlosen Fäusten. "Olivia wollte, dass du lebst." flehte er das Kleine an. "Ich bin dein Papa und ich will, dass du lebst. Streng dich an, du schaffst das. Lass mich nicht allein auf dieser Welt."

An diesem Tag ging ich nach Hause und heulte meine Kissen voll. Abgrenzen? Von wegen! Ich war nicht aus so hartem Holz. Was ich da erlebt hatte war so hart, da strömten die Tränen nur so. Lass mich nicht allein auf dieser Welt. Ich würde ihn nie allein lassen. Er hatte mich nicht gefragt und nicht mit mir geredet aber er hatte eine Stunde lang an meiner Schulter geweint und mir intime Sachen erzählt. Was konnte ich dafür, dass ich davon träumte, ich wäre derjenige, den er berühren und küssen wollte. Ich träumte noch von ganz anderen Dingen. Er hatte seine Olivia beim ersten Versuch geschwängert. Ein potenter Hengst. Rattenscharf. Mit mir dürfte er auch machen was er wollte. Aber natürlich war davon erst einmal keine Rede. Er stand unter Schock und bangte um das Leben des Kleinen. Ihn anzumachen wäre dann das Rücksichtsloseste gewesen was ich hätte tun können.

Ich schlug mir ganze Nächte um die Ohren weil immer wieder erneut eine Krise Sebastians junges Dasein bedrohte. Er hatte ein Schädeltrauma durch den Unfall erlitten, seine Lunge war noch nicht voll funktionsfähig und am meisten Sorgen machte uns sein kleines Herz. Der Bub war so ein Winzling und so zart. Machte bereits so viel durch. Es war unfassbar schwer das mitanzusehen. Man brauchte Nerven aus Stahl dafür, selbst wenn man nicht direkt betroffen war. Der Vater kam jeden Tag. Stunden lang lungerte er im Krankenhaus herum. Selbst wenn sein Sohn gerade keinen Besuch haben konnte, er war immer da, und ich verliebte mich in den Kerl. Er war süß. Ich beobachtete ihn wie er auf das Baby einredete. Der Typ Fels in der Brandung. Genau die Sorte Mann, die man sich in einer Krise wünscht. Ich ertappte mich dabei, dass mir das Schicksal zu persönlich wurde. Es ging mir unprofessionell nahe. Aber ich war eben auch nur ein Mensch und der Kerl so was von süß.

Als ich ihm sagte, dass wir das Kleine operieren müssten weil es sonst stirbt, brach er an meiner Schulter weinend zusammen. Sein Sohn sei alles was er noch hätte. Noch eine Familientragödie würde er nicht verkraften. Er weinte und ich hielt ihn fest. Streichelte seinen Rücken. Er ließ es nicht nur geschehen, er drückte sich mit vollem Körpereinsatz an mich. Ich nahm den intensiven Geruch nach Lederjacke und Mann wahr. Er hatte feste Muskeln unter der Kleidung. Einen sportlichen Körperbau. Was war der Typ heiß. Verflucht! Meine Hand streichelte durch sein Haar. Seine Arme hatten mich umklammert. Er weinte in meiner Halsbeuge und dann küsste er mich. Genau auf den Mund. Er steckte mir seine Zunge in den Hals und saugte sich an meinen Lippen fest. Ich wollte ihn abwehren, denn sein Sohn war Patient und ich Arzt. Aber ich brachte es nicht über mich. "Morgen ist die Beerdigung." sagte er und mein Widerstand schmolz. Armer Kerl. Die Frau begraben. Der Sohn auf der Intensivstation. Schlimmer konnte es einem wohl kaum gehen.

"Bitte." Er sehnte sich nach menschlicher Nähe. Mann oder Frau war scheinbar egal. Wieder küsste er mich und berührte mich dabei sehr intim mit seiner Beule an meiner Beule. "Du hast Olivias letzte Augenblicke erlebt. Bitte." Ich hatte selber Tränen in den Augen. Mit menschlichen Dramen lernt man umgehen aber so nahe war ich einem Patienten bisher nie gekommen. Meinen Dienst musste ich noch fertig machen aber ich versprach zu kommen. Er lungerte indessen weiter wie ein Geist im Krankenhaus herum. Krankenschwestern brachten ihm auf mein Geheiß einen Kaffee. Er war dankbar für die Geste und als ich kurz nach ihm sah, da nahm er meine Hand und drückte sie. Schaute mir dabei intensiv in die Augen. Ich fühlte, dass dieser Mensch mich wirklich brauchte und dass ich mich dem nicht entziehen konnte. Seine ganze Art rührte mich dermaßen zu Tränen. Ich hätte selber gern los geheult. Als es schließlich so weit war, dass ich mich loseisen konnte, hielt er mir galant die Tür auf. Wir fuhren mit dem Taxi zu seiner Wohnung. Es war unaufgeräumt. An die glückliche Familie erinnerte ein trauriger Kinderwagen, der noch völlig neu und unbenutzt war. Ob er je benutzt werden würde hing von der Herzoperation ab.

 

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