Der Außenseiter - Teil 4

von T.S. Marian
© T.S. Marian, mannfuermann.com

Es war bereits kurz nach elf. Bislang war der Abend ein sehr angenehmes Wiedersehen nach so langer Zeit. Marc sah fast aus wie früher. Vielleicht ein wenig muskulöser. Etwas breiter, definierter. Mir war auch zwischenzeitlich wieder eingefallen, welche Ausbildung er gemacht hatte. Er war Fitnesstrainer geworden, da seine Bewerbung bei der Polizei auf Grund seiner mangelhaften schulischen Leistungen nicht geklappt hatte. Oh, Mann, das hatte ihn damals sehr getroffen. Aber man erwartete wenigstens die abgeschlossene mittlere Reife von den Bewerbern.

Das ihm sein Traum von Karriere und Leben durch die Lappen gegangen war, diente als weitere Inspiration für mich, dass ich nicht den Weg der meisten Kinder aus Problemfamilien gehen wollte. Ich wußte zwar noch nicht genau, was ich wollte, aber dafür umso besser, was es auf keinen Fall sein sollte. Also kniete mich noch tiefer rein. In die schulische Arbeit, ins private Lernen und in den Sport. Ja, ich war ganz gut in Leichtathletik, da hatte der Kessler recht. Aber das war nicht wirklich mein Traum oder Ziel. Sportlich sein, gut. Aber ich wollte eher in den juristischen Bereich gehen. Nicht unbedingt eine Anwaltskarriere, sondern eher in die gesellschaftspolitische Richtung. Politik und Philosophie fand ich nämlich auch aufregend.

Gleichzeitig mit dieser schulischen Entscheidung nahm ich Jobs an. Wochenzeitungen austragen, in der Nachbarschaft den Rasen mähen oder Beete jäten. Später dann, im Supermarkt Regale auffüllen. Hauptsache, ich verdiente mir etwas dazu. Nicht für Klamotten. Nicht für teure Handys oder so. Alles für meinen Start des Studiums. Wo auch immer das sein würde. Und so stand ich jetzt auch recht erfolgreich da. Guter Abschluss und etwas Startgeld auf dem Konto.

Marc brachte noch zwei andere, mir unbekannte Typen mit. Sören und Christian. Zwei sehr nette befreundete Kumpels, die wie er als Fitnesstrainer arbeiteten. Nachdem wir bereits unterschiedliche Kneipen hinter uns hatten, gingen wir in einen der schickeren Clubs, dem "Bambi-Pool". Ehrlich gesagt, war ich mir nicht so sicher, ob ich dort mit meinem "Hasi & Mausi"-Outfit eingelassen würde, aber Marc kannte den Türsteher gut und so wurden wir problemlos durchgewinkt. Die Jacken gaben wir an der Garderobe ab.

Große schwarze Spiegel im Barockstil setzten den Kontrapunkt zum ansonsten eher kalt nüchternen Design. Sehr schicke Leute oder solche, die sich dafür hielten, eindeutig teuer und stylisch bekleidet, mit dem entsprechenden Schmuck und anderen kostspieligen Accessoires ausgestattet, saßen an einer langen geschwungen Bar oder auf edlen Ledersesseln-und Sofas. Die Tanzfläche befand sich ein halbes Stockwerk tiefer. Sie war wie ein Swimmingpool in den Boden eingelassen. Über zwei Seiten konnte man über breite gläserne, beleuchtete Treppenstufen hinunter steigen. Oder man begnügte

sich, wie ich erstmal damit, den Tanzenden über eine Brüstung gelehnt, zuzuschauen. Christian und Sören waren gleich am Eingang über mehrere Bekannte gestolpert und seitdem mit dieser Gruppe verschwunden, aber zumindest Sören sah ich etwas später mit einer aufgedonnerten Rothaarigen in einem heftigen und eindeutigen Flirt. Marc war gleich zu Beginn irgendwo an der endlos langen Bar verschwunden. Und ich starrte auf die Leute. Auf die sogenannten "In-und It-Girls und-Boys" und auf die, die es so verzweifelt gerne seien möchten und doch nie sein werden.

»Und? Gefällt es Dir?«

Marc lächelte mich auffordernd an, reichte mir einen Mai-Thai, bevor er fortfuhr. »Du warst doch schon mal hier, oder?«

»Nein. Ehrlich gesagt, ist es mein erstes Mal in diesem Laden. Ziemlich teuer, oder?«

»Mein Schein als Sein, Tim. Lass Dich nur nicht beeindrucken. Kenne diesen Laden auch nur durch unseren Gästen aus dem Sportstudio. Manchmal wird man dann von den Kunden eingeladen mitzugehen. Hey, als Personaltrainer muss man schon mal Kompromisse machen. Alles für’s Geschäft.«

»Klar, verstehe ich das. Und wer beklagt sich? Ich nicht. Der Cocktail schmeckt so gut wie er wahrscheinlich auch teuer ist. Wieviel bekommst Du, Marc?«

»Lass stecken, Alter. Bist eingeladen. Wollte Dir doch endlich erzählen, was es bei mir für Neuigkeiten gibt. Und Chris und Sören sind, wie ich gerade sah, sehr beschäftigt mit ihren "Kundinnen". «

»Ach, Kundinnen sind das? Dachte eigentlich, die Beiden wären am Angraben.«

»Kann man ja auch so sehen. Akquise oder aktive Kundenwerbung und Betreuung nennt man das wohl.« Marc grinste frech. »Tim, Du hast mir ja bereits kurz von Deinem Super-Abi erzählt, und ich freue mich wahnsinnig für Dich, dass Du abhaust nach Berlin

»Danke. Aber was ist denn nun mit Dir, Marc? Sag bloss, Du machst Dich selbstständig? Oder was gibt es so Geheimnisvolles, was Du bislang nicht sagen wolltest?«

Er grinste mich breit an. Plötzlich schoss mir ein Gedanke durch den Kopf.

»Scheisse, Marc. Heiratest Du etwa? Bist Du noch zusammen mit..., wie hiess sie noch?....Edita? Sie hiess doch Edita, oder? Ist sie etwa schwanger von Dir?«

Laut lachte er auf. So laut, dass er sogar die Musik locker übertönte.

»Nein, Alter. Ich heirate nicht. Noch nicht. Und schon gar nicht Edita. Aber danke, dass Du zuerst an so etwas denkst? Ein Kind! Das hätte mir gerade noch gefehlt.«

»Was dann? Nun hör schon auf mit dem Quiz.«

Ein paar Sekunden lang schaute mich Marc ernst und schweigend an.

»Tim, Du weisst bestimmt noch, wie ich damals gelitten habe, als ich von der Polizeischule eine Absage bekam. Alles wegen meiner Schlampereien im Unterricht. Gut, ich war nie so ne überragende Leuchte wie Du. Aber auch nicht völlig doof. Und ich hab es halt auf mein bescheuerten Eltern und ihren Suff geschoben. Hab mich ungerecht behandelt gefühlt. Wollte der Welt nur noch zeigen, was passiert, wenn man unsereins einfach die rote Karte zeigt. Dann würde ich eben auch zum klassischen Sozialfall werden. Damit das Klischee sich bestätigt. Wie die Alten so ihre Blagen.«

Worauf wollte Marc denn nur hinaus? Er hatte sich doch gar nicht in den Abgrund reißen lassen. Personaltrainer im angesagtesten Studio der Stadt. Auch eine beachtliche Karriere, fand ich.

»Tim, Du warst mein Vorbild. Klingt albern, weil eigentlich ich als der Ältere für Dich als Vorbild hätte dienen sollen, ist aber wahr: Nur dank Deines Engagements in der Schule und auch beim Sport, fühlte ich mich angespornt, Dir nachzueifern.«

»Marc, das ist ganz lieb von Dir, aber...«

»Lass mich ausreden, Tim.«

So feierlich hatte ich den Spaßvogel Marc noch nie erlebt. Also sog ich noch an meinem Strohhalm und biss in das Ananas-Stückchen am Glasrand.

»Tim, ich hab meine "Mittlere Reife" nachgemacht. Hab als Klassenbester abgeschlossen. Alles, während ich, wie bekloppt, Stunden geschoben habe im Studio. Und jetzt rate mal? Was passiert jetzt?«

Ein komplett erröteter Marc schaute mich erwartungsvoll an. Seine Wangen glühten und er schien sichtlich ergriffen zu sein. Keine Ahnung, was er mir noch erstaunlicheres berichten wollte. Also zuckte ich ratlos mit den Schultern.

»Ich geh nach Schleswig-Holstein auf die Polizeischule, Alter. Ich hab mich beworben. Für die mittlere Laufbahn. Die haben mich genommen. Heute kam die Bestätigung per Post. Und wenn ich mich reinknie, kann ich sogar noch währenddessen das Abi nachmachen. Dann sind die Aufstiegsmöglichkeiten noch besser.«

Er strahlte mich an, seine Mundwinkel zitterten und eine Träne lief ihm gleichzeitig herunter. Dem großen Kerl. Schnell wandte er sich ab, um sie abzuwischen. Dann nahm er großen Schluck von seinem Cocktail, lächelte mich nochmals breit an und schaute runter auf die Tanzfläche.

»Wow! Marc. Du...ich weiß gar nicht, was ich sagen soll? Herzlichen Glückwunsch. Marc, wie toll. Ich freue mich für Dich. Ganz ehrlich. Das hast Du auch verdient. Warum hast Du das denn nicht vorhin schon in der Kneipe erzählt?«

Beide lehnten wir uns über die Brüstung. Ohne uns anzuschauen, mussten wir, dank der lauten Musik, fast schreien, um uns zu verstehen.

»Wollte nur Dir diese Sache erzählen. Weisst Du, Chris und Sören haben doch nicht unsere Geschichte. Sören stammt aus einem reichen Haus. Und Chris, ja, Chris ist nett, sieht enorm gut aus, ist auch nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Wenn Du verstehst, was ich meine? Du, Tim, Du begreifst, was dieses Schreiben in meinem Briefkasten für mich bedeutet. Du kannst den Weg nachvollziehen, es ohne familiäre Hilfe geschafft zu haben.«

Ich blinzelte schräg zu ihm hinüber und nickte.

»Na ja, eben auch nicht ganz ohne Hilfe. Du warst ja da, Tim. Dich zu beobachten, wie Du eben nicht in Selbstmitleid versunken bist, wie Du Dir schulisch und auch ansonsten den Arsch aufgerissen hast, um Dein Leben zu verändern, in den Griff zu bekommen, hat mich erst neidisch gemacht. Dann ernüchtert und angespornt. Und, schau uns an, Alter, hier stehen wir beide jetzt. Zwei ehemalige Sozialfälle. Oh, Mann. Danke Dir, Tim. Danke. Danke!«

Damit schloss mich Marc ganz fest in seine Arme. Oh ja, ich hatte mich nicht geirrt, er war muskulöser als früher.

»Ja, Marc, jetzt ist aber mal gut. Nichts davon habe ich für Dich gemacht. Das alles jetzt ist Dein Erfolg und Deiner ganz allein. Und darauf stosse ich jetzt an mit Dir. Prost! Und nochmals: Herzlichen Glückwunsch! Hey, wann geht es denn los?«

»Mitte August. Mensch, Tim. Dann verlassen wir beide unsere Heimat, oder? Spannend!«

»Heimat? Geburtsstadt. Ja, das wohl eher. Mich hält hier nichts. Dich etwa?«

»Na ja, hab halt Kumpels hier. Gute Arbeitskollegen. Klar, die freuen sich bestimmt für mich und hey, dafür gibt es doch Facebook und so. Und bei Dir? Haste ne feste Freundin? Na, klar. Bestimmt, so wie Du aussiehst! Sag mal, was macht denn eigentlich Dein bester Kumpel. Frank, so hiess der doch, oder?«

Ich drehte mich um und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Brüstung.

»Ja, aber den sehe ich nicht mehr. Schon fast dreieinhalb Jahre nicht mehr. Kann Dir also nicht sagen, was er so treibt.«

Erstaunt sah mich Marc an.

»Ehrlich, hattet ihr Streit oder was? Ihr wart doch früher unzertrennlich. Mann, war ich neidisch auf Dich und Deinen reichen Freund.«

Mit einem etwas gezwungenen Lächeln erwiderte ich seinen Blick.

»Lass uns lieber von was anderem reden, Marc. Bitte. Vielleicht ein anderes Mal. Nicht hier. Hey, mein Mai Thai ist alle. Und ich hätte gern noch einen. Du auch? Komm, jetzt lad ich Dich ein. Außer, Du sagst mir, es kostet mich mehr als vierzig Euro. Dann musst Du mir was pumpen. Also, zwei Mai Thai oder willst Du was anderes?«

»Sex on the Beach fände ich gut.«

»Ich jetzt auch. Obwohl, ist doch noch etwas kalt um diese Jahreszeit, findest Du nicht? Außerdem soll der Sand ja gerne mal im Getriebe knirschen. Hey, wusste gar nicht, dass Du bi bist? Aber Danke für die Anmache. Nehme das von Dir mal als Kompliment.«

Damit grinste ich ihn frech an und fuhr mir mit der Zungenspitze über die Oberlippe.

»Sehr witzig. Ha, Ha!«

Trotz des indirekten Lichts in der Bar, konnte ich die leichte Röte in Marc’s Gesicht erkennen. Der große kräftige Kerl war eindeutig verlegen.

»Ja, war leider nicht mein Bester, ich weiß schon. Na, Du weisst, wie ich das meine. Ok. Einmal Sex on the Beach. Kommt sofort.«

Damit nahm ich ihm das leere Glas ab und spurtete zur Bar hinüber. Ich freute mich sehr für Marc. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Der Thesen war stark umlagert. Jungs, Männer und ein paar wenige Ältere. Einige Mädchen, viele Frauen und kichernde Teenager mit garantiert gefälschten Schülerausweisen. Es war ein einziger Slalomlauf. Offensichtlich hatte sich der Club seit unserem Eintreffen enorm gefüllt. Musste also ein echter In-Club sein.

»Könnte ich bitte einen Mai-Thai und einen Sex on the Beach bekommen?«

Meine Stimme überschlug sich förmlich, als ich dem Barkeeper, der mir am nächsten stand, meine Bestellung entgegen schrie. War das jetzt ein Nicken? Eine Art von Empfangsbestätigung? Ich konnte es nicht ausmachen. Er war vollauf mit Flirten beschäftigt. Während er verschiedene Getränke mixte, geschickt mit Flaschen und Shakern jonglierte und damit sowohl Frauen und auch einige Jungs am Tresen beeindruckte, warf er gelegentlich sehr zielsicher Cocktail-Kirschen, Weintrauben oder Physalis in den geöffneten Mund eines Mädchens, die für meinen Geschmack leider viel zu viel Make-Up für ihr Alter trug.

»Hallo? Einen Mai-Thai und ein Sex on the Beach, bitte!«

Diesmal sorgte ich dafür das der Barkeeper tatsächlich mir seine Aufmerksamkeit schenkte, indem ich eine Kapstachelbeere, die er seiner Angebeteten zuwarf, mit einer Hand auffing. Er schaute erst überrascht, dann kurz etwas mürrisch und endlich erinnerte er sich wieder daran, dass ein zahlender Gast vor ihm stand.

»Kommt sofort!« Auch er musste gegen den Lärm gewaltig ankämpfen.

Ich lächelte triumphierend seine überschminkte Freundin an, die mir bösen Blick zuwarf und biss dann in die gelbe kleine Frucht.

Und da sah ich ihn. Beinahe hätte ich mich an der Physalis verschluckt. Er lehnte an einem der Stehtische: Malte Kessler.

Malte hatte ein weisses tailliertes Hemd zu einer sehr engen Lederjeans an. Seine wilden Locken waren mit Gel zurückgekämmt und gebändigt. Lässiger hatte er eine getönte Brille ins Haar geschoben. Und dann seine Hüften, wie er sie zu den Beats der Musik leicht hin und her bewegte. Oh, Mr. Perfect Butt! In dieser Hose kam sein Apfelarsch noch mehr zur Geltung. Eindeutig war er in ein sehr inniges Gespräch vertieft. Nein. Nach wenigen Augenblicken wurde mir klar, es handelte sich eben nicht um ein Gespräch.

Malte Kessler war am Flirten. Mit einer Frau. Einer wunderschönen Blondine. Seine perfekten Zähne blitzten auf, immer wenn er über einen Scherz seines Flirts lachte. Und wie er lachte. Hatte ich ihn in der Schule schon cool und unverschämt charmant empfunden. Jetzt lief er anscheinend gerade erst zur Höchstform auf. Die linke Hand auf ihrer rechten Hüfte liegend, streichelte er mit seiner Rechten durch ihr langes gewelltes Haar oder ihre Wange.

Wenn mich jemand beobachtete, mein Gesichtsausdruck dürfte in diesem Augenblick nicht der Intelligenteste gewesen sein.

Der Kessler war heterosexuell. Na klar. Der war gar nicht schwul.

»Gott, ich bin so dämlich!«

Wütend stampfte ich mit dem rechten Bein auf.

Die Freundin des Barkeepers schaute mich erst erstaunt, dann mit einem verachtenden Blick an, bevor sich sich wieder dem Obst-Basketball zuwandte.

»Mai-Thai und Sex on the Beach.«

Dieser Kessler hat ein Gefühlschaos in mir losgetreten und jetzt das. Ich wollte es nicht glauben. Natürlich war er ein Hetero.

»Hey, Sie da. Ihre Cocktails. Macht sechsundzwanzig Euro.« Der Barkeeper tippte mir von hinten auf die Schulter.

»Was? Oh ja, natürlich«, sagte ich, »wieviel war es das nochmal? Sechsundzwanzig. Hier sind dreissig. Stimmt so!«

Ohne sich für das Trinkgeld zu bedanken, griff er beiläufig die Scheine und schob mir die beiden Cocktailgläser zu. Ich nahm sie und drehte mich um. Einen Blick wollte ich gerne noch auf Kessler und seine Frau, Flamme, Flirtpartnerin, oder was auch immer, werfen. Die Beiden standen weiterhin händchenhaltend da. Gerade beugte sich Malte rüber und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie lachte auf, streichelte seine Wange mit dem Drei-Tage-Bart und küsste ihn an auf den Mund.

»Na, da bist Du abgeblieben. Dachte schon, Du wärst bereits in der Abwäsche und müsstest die Cocktails abarbeiten. Da wollte ich Dir doch schnell zur Seite springen.«

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Frech wie immer grinste Marc mich an.

»Sorry, hat etwas länger hier gedauert. Alles gut? Komm, lass uns die Anderen suchen, ja?«

Damit drückte ich Marc seinen Sex on the Beach in die Hand und schob ihn zurück in Richtung Tanzpool.

Nach ein paar Schluck gesellten sich auch Sören samt Frau, mit der er geflirtet hatte, zu uns. Und auch Chris stiess kurze Zeit später allein dazu. Marc war extrem gut gelaunt und nach ein paar Aufmunterungen von Christian und Sören, hatte er endlich den Mut eine wunderschöne Asiatin zum Tanzen aufzufordern.

Obwohl ich mir alle Mühe gab, den drei Anderen beim Reden zuzuhören, trifteten meine Gedanken ständig ab. Zu Malte Kessler. Meinem heterosexuellen Lehrer und Schwulenporno-Darsteller. Was war das bitte? Ein "Ich-war-jung-und-brauchte-das- Geld-Ding"? Klar, ich hatte schon davon gehört, dass nicht jeder Darsteller in diesen Filmen unbedingt der sexuellen Veranlagung entspricht, der er laut Drehbuch angehören soll. Wie in nicht pornografischen Filmen halt auch. "Gay for Pay" nannte sich das. Trotzdem. Ich war verwirrt. Ich war sogar etwas traurig. Ich war wütend. Wieso war ich so dumm gewesen?

Da kümmert sich ein Lehrer ausnahmsweise so, wie er sich tatsächlich, meines Erachtens nach, auch um seine Schüler kümmern sollte; und ich Depp denke, es wäre ein erotischer Hintergedanke dabei. Wie viele Vorurteile ich in meinem, ach so aufgeklärten und angeblich toleranten, Kopf doch habe. Keinen Deut besser war ich, als diese anderen Spießer und Kleinbürger.

»Na, das ist ja mal peinlich, Tim Zeise.«

Christian wandte sich zu mir. Er musste ziemlich Stimme geben, da die Musik gerade extrem laut war.

»Was hast Du gesagt? Was ist zu leise?«

»Wie? Nein, Christian, sorry, ich habe nur mit mir selbst gesprochen.«

»Ok. Ha ha! Mach ich manchmal auch.« Dabei lächelte er mich verschwörerisch an.

Marc hatte recht. Er sah tatsächlich verdammt gut aus. War mir in den Kneipen erst gar nicht so bewusst aufgefallen.

»Sorry, habe nur gerade feststellen dürfen, dass Menschen nicht immer dem Bild entsprechen, das man sich von ihnen gemacht hat. Nur eine kleine persönliche Enttäuschung. Sonst nichts weiter.«

»Alles gut. Kenne ich.« Christian hob beschwichtigend die Hände.

Er blickte sich um. Marc war mit der hübschen Asiatin sehr eng am tanzen. Na, ob ich den heute noch zu Gesicht bekäme? Ich wagte es, zu bezweifeln. Sören und seine "Klientin" waren bereits einen Schritt weiter und küssten, nein, ich korrigiere mich, sie schoben sich ihre Zungen bis zum Zäpfchen in den Hals und betatschten sich wie wild.

»Tja, wie es scheint, sind wir das fünfte und sechste Rad am Wagen, Christian. Ich glaub, da haue ich gleich mal ab. Müsste nur vorher kurz... Weisst Du, wo hier die Toiletten sind?«

Christian nickte und wies mit dem Kopf in eine bestimmte Richtung.

»Gute Idee. Warte, ich komme mit. Muss auch mal schnell.«

Gemeinsam wühlten wir uns zurück in Richtung Tresen. Dabei suchte ich schnell mit den Augen nach Kessler und seiner Begleitung. Eine Begegnung wollte ich nämlich nicht so gerne riskieren. Da waren sie. Immer noch am gleichen Tisch. Natürlich konnten die Beiden auch weiterhin nicht ihre Hände voneinander lassen, aber sie hatten die Plätze getauscht. Damit trat ich zwangsläufig frontal in Malte’s Sichtfeld. Panisch drehte ich mich um und lief rückwärts weiter, während ich Christian, etwas panisch in Ermangelung einer besseren Idee, nach seinen nächsten Zukunftsplänen fragte. Verwirrt wegen meines komischen Verhaltens, sagte er nur:

»Momentan versuche ich Dich, ohne größere Auffahrunfälle zur Toilette zu lotsen, Tim. Das ist der Gegenwartsplan.«

Gar keine so dumme Antwort. Dafür das Marc ihn nicht für eine besonders helle Kerze hielt, war das doch schon ganz schlagfertig. Und es diente meinem Zweck. Und bekanntlich heiligt der Zweck ja die Mittel. Also lachte ich auf und legte meinen Arm kumpelhaft um seine Hüften und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Gleichzeitig hob ich die linke Hand zum "Gimme Five" und verdeckte somit, für den kurzen Moment der Erwiderung, als wir an Malte Kessler’s Tisch vorbeigingen, mein Gesicht. Und sofort danach, waren wir wieder getrennt, als sei nichts gewesen.

Eine halbe Treppe tiefer waren wir in dem ebenfalls sehr kühlen, aber schicken Designer-Abort angekommen. Die vier Kabinen waren leider besetzt. Also musste ich mich notgedrungen ans Pissoir stellen. Nicht gerade mein favorisierter Platz in einem öffentlichen WC.

Christian stellte sich links neben mir auf.

»Ziemlich abgefahrenes Klo, oder? Hast Du so etwas schon mal gesehen?«

Damit wies er auf die Abtrennungen. Alle Pissoirs waren abgeteilt mit Glasscheiben. Nein, nicht mit Milch-oder Rauchglasscheiben, wie man es vielleicht hätte vermuten können. Es waren edle Kristallglas-Scheiben. So sauber und regelmässig geputzt. Kein Chance, nicht zu sehen, was am Nachbarbecken so passiert. Angestrengt versuchte ich meinen Blick nur nach unten zu richten. Trotzdem konnte ich einen kurzen Seitenblick auf Christian nicht unterdrücken.

Er war, wie ich eben gerade auf dem Weg hierher feststellen durfte, etwa vier bis fünf Zentimeter größer als ich. Und ja, man konnte deutlich erkennen, welchen Beruf er nachging. Alles an ihm, schien perfekt definiert zu sein. Auch er hatte einen wohlgeformten Hintern und seine Beinmuskeln kamen in der Stretch-Jeans exzellent zur Geltung. Das schwarze T-Shirt sass eng über seinem athletischen Brustkorb und dem ausgeprägten Six-Pack. Und er hielt einen Penis in seiner Hand, der anscheinend so groß wie meiner war. Meiner im steifen Zustand. Aber seiner war schlaff.

Schnell versuchte ich mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Und es gelang. Ich konnte mich erleichtern. Als ich gerade meine Hose schliessen wollte, riskierte ich noch einen schnellen Blick. Anscheinend hatte Christian noch gar nicht gepinkelt. Stattdessen war sein Penis noch größer geworden. Er wichste. Ein schneller Blick rundum liess mich erkennen, wir waren mittlerweile allein. Nur eine einzige Kabine war noch besetzt. Dann blickte ich in sein Gesicht. Christian lächelte mich breit an und leckte mit der Zunge über seine Lippen. Hatte er wohl die ganze Zeit auch auf meinen Schwanz gestarrt?

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»Du bist schwul, nicht wahr, Tim?«

Christian flüsterte diesen Satz.

»Ja. Wieso fragst Du? Hat Marc das etwa erzählt?« Er schüttelte den Kopf.

»Nee, Marc erzählt so etwas doch nicht. Der ist total verschwiegen. Heute am frühen Abend sagte ich zu Sören, dass Du ein total hübscher Kerl wärst und er meinte, ich sollte es ruhig mal probieren. Seine Schwester wäre an Deiner Schule und die hätte erzählt, Du wärst offen schwul.«

Dieses kleine Provinznest. Wie ich es hasste. Bald, sehr bald würde ich hier weg sein. Und niemals, niemals würde ich zurück kommen.

»Ja, ich bin schwul. Und Du? Nach Deiner Latte zu urteilen, würde ich sagen: Herzlich willkommen im Club.«

»Nach meiner Latte zu urteilen, würde ich sagen: Ich bin schon den ganzen Abend scharf auf Dich, Aber Du hast mich ja bis eben nicht beachtet. Aber dann hast Du mich umarmt. Und da dachte ich: Packe ruhig mal Dein überzeugendstes Argument aus.«

Es war zum lachen, trotzdem legte ich den Zeigefinger an den Mund. »Psst. Wir sind nicht allein. Da...!

Damit wies ich mit dem Kopf auf die einzig weitere besetzte Kabine.

»Macht nichts«, wisperte Christian in einem sehr gedämpften Ton , »hab es ja nur gehört und mich nicht umgedreht, da ich von einem gewissen Tim und seinem "Timmy" abgelenkt war, aber da ist eben gerade ein kicherndes Pärchen drin verschwunden. Ich wette um, na ja, mein Monatsgehalt, dass ...na ja, sagen wir es mal so: Er hält ihr bestimmt nicht hilfreich die Haare beim Kotzen hoch.«

Schon wieder so eine witzige Replik. Über die "Kerze auf der Torte" musste ich wirklich noch mal genauer nachdenken. Aber nicht jetzt. Jetzt interessierte mich doch mehr eine andere "Kerze".

Mit zwei Schritten ging ich in eine der Kabinen. Christian folgte mir, ohne auch nur ansatzweise seinen Steifen zu verdecken. Er wusste, was er zu bieten hatte. Bescheidenheit war in dieser Situation nicht sein Ding und ehrlich gesagt, auch nicht angebracht. Gottseidank waren in den Kabinen die Trennwände nicht durchsichtig. Sie waren zwar auch gläsern, aber aus marmoriertem schwarz-weissen Glas.

Christian nahm mein Gesicht in beide Hände, zog mich nah an sich heran. Sein, jetzt noch etwas größer gewordener Harter drückte gegen meinen Schritt. Und auch mein Schwanz blieb nicht länger unbeeindruckt. Zärtlich flüsterte mir Christian ins Ohr:

»Magst Du küssen? Bitte, bitte. Ich hoffe, Du magst auch so gerne küssen wie ich. Ehrlich, ich liebe es zu küssen. Das ist das Größte für mich. Wenn ich mal auf jemanden traf, der nicht gern küssen mochte, also bei One-Night-Stands und so, da habe ich dann nie so richtig..., also nicht, dass Du jetzt denkst, ich wäre da so eine Schlampe, also , ich meine, so ein Aufreisser mit Hunderte von One-Night-Stands, blablabla, also, da könnest Du, da könnten alle auf falsche Gedanken kommen. Ich meinte ja nur, also ich küsse so gern und wenn Du...«

Ich schnappte mir ebenfalls sein Gesicht, hielt mit einer Hand seinen Mund zu und raunte leise:

»Pssst. Ist schon gut. Ich küsse gern. Red nicht. Tu es einfach, Chris.«

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