Aus Liebe zu Dir

von Jimmy Lovegood
veröffentlicht am 03.12.2021
© Jimmy Lovegood, mannfuermann.com
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Militär / Bisexuell / Das erste Mal / Romantik

Lieber Leser, diese Geschichte ist ein Stück weit meine eigene Geschichte. Meine Schulzeit und meine erste große Liebe. Nach einem sehr wirren Traum, der erschreckend real war, habe ich mich entschlossen etwas „Traumaverarbeitung“ zu beginnen und hier darüber zu schreiben. Es geht nicht primär um Sex oder reines körperliche Vergnügen, sondern um das Schönste und Grausamste auf dieser Welt: Die Liebe! Wenn du dir die Zeit nehmen möchtest, dann nimm doch teil an meiner Geschichte, die zur Hälfte wahr und zur Hälfte Fantasie ist. Solltest du schnellen Spaß suchen, dann solltest du dir eine andere Geschichte suchen.

 

20. Dezember

Es war mal wieder soweit – Weihnachten stand vor der Tür. Für mich immer eine der schönsten Zeiten im Jahr. Die Menschen waren fröhlich drauf, die Häuser und Geschäfte waren schön geschmückt und es gab viele häusliche Unfälle.

Huch, dass sollte jetzt nicht falsch rüberkommen, aber als Chirurg freut man sich über solche Sachen vielleicht mehr, als die Betroffenen selbst. Ich liebe meine Arbeit und den Winter, vor allem Silvester ist einer der schönsten Feiertage für mich, eben wegen den vielen Flickereien für uns Chirurgen. Aber erstmal zu mir.

Mein Name ist Dr. Dr. Anton Biedermeier. Ich bin mittlerweile 32 Jahre alt und noch immer ledig und kinderlos. Nach 6 Jahren Studium und 6 Jahren Assistenzzeit darf ich mich nun offiziell Unfall- und orthopädischer Chirurg nennen. Wie ihr vielleicht an meinen zwei Doktortiteln erkennen konntet, habe ich mich noch nie zufrieden gegeben mit einem einfachen Erfolg. Ich wollte immer mehr! Genau aus diesem Grund habe ich noch eine zusätzliche Ausbildung zum rekonstruktiver Chirurg gemacht. Eigentlich ein Aufgabenfeld der plastischen Chirurgie, aber ich hatte ein ganz bestimmtes Ziel.

Denn als rekonstruktiver Chirurg kann man bei schweren Verletzungen ganze Gliedmaßen wieder annähen, aber für mich noch viel wichtiger oder spannender, man kann Transsexuellen zu ihrem neuen Leben verhelfen. Genau aus diesem Grund liebe ich meinen Job so sehr. Ich rette Menschen nicht nur das Leben, sondern gebe ihnen auch neue Lebensqualität. Nach mehr als 12 Jahren Ausbildung, einem Auslandsjahr in Kalifornien und Australien bin ich einer der wenigen Ärzte, die solche Operationen in Deutschland durchführen können.

Ich möchte nicht prahlen, aber ich war schon immer sehr stolz auf meine Karriere. Leider litt unter dieser alles Andere. Meine sozialen Kontakte beschränkten sich auf meine Eltern, meine Schwester und einige Skype-Anrufe bei Freunden. Da ich nun aber wieder in der Heimat war oder zumindest in Deutschland wollte ich daran etwas ändern. Ich wollte Dinge aufholen, die ich in meiner Zeit im Ausland verpasst hatte. Freunde wiedersehen, auf Partys gehen und endlich Jemanden kennenlernen, den man noch mehr lieben konnte, als seinen eigenen Job.

Niedergelassen hatte ich mich in Hamburg und arbeitete dort in einer Fachklinik für Chirurgie. Egal ob Unfall-, Neuro-, Viszeral-, oder plastische Chirurgie, hier wurde geschnippelt, was das Zeug hielt. Auch hierfür, Entschuldigung für meinen dumpfen Medizinerhumor. Hamburg ist eine schöne Stadt. Nicht nur wegen des Rotlichtviertels, sondern vor allem wegen des Hafens, der Kultur und schnellen Anbindung zu den wunderschönen Ostseestränden. Aber auch in der Weihnachtszeit bestach die Hansestadt mit ihren beleuchteten Straßen, den vielen Shoppingmalls und der riesigen Auswahl an weihnachtlichem Kitsch.

Gerade mit meinen Weihnachtseinkäufen fertig, freute ich mich nun auf einige ruhige Feiertage bei meinen Eltern, ehe es zum großen Silvesterfest wieder in die Klinik ging. Ich war genau wie 6 Milliarden andere Menschen ein Last-Minute-Shopper und stürzte mich gerne kurz vor knapp in die Menschenmassen zur großen Geschenkeschlacht. Als Städter durchaus möglich.

Wieder Zuhause angekommen, was bei mir ein Loft mit Blick auf den Hafen war – als Chirurg durchaus leistbar, machte ich mir erstmal einen Tee und begann den Kampf mit dem Verpacken meiner Geschenke. Was bei meiner Mutter immer so spielend leicht aussah, war für jeden anderen ein Kampf mit der Geduld, dem Geschenkpapier und dem Klebeband. Ja, auch als Chirurg hat man dort seine Probleme. Während ich meine Geschenke einpackte skypte ich mit meiner besten Freundin Paula. Sie war Lehrerin und bereits Mutter von zwei süßen Kindern, deren Patenonkel ich war. Bald stand auch eine Hochzeit bei ihr an und ich freute mich schon, Trauzeuge zu werden.

Ich liebte es mit ihr zu tratschen und sie wusste immer sehr viel über unsere alten Schulkameraden, was aus ihnen geworden ist und wo sie so sind. Eigentlich fragte ich immer nur nach einigen Wenigen. Manche, dass wusste ich bereits, waren in der Heimat geblieben, sind mit ihrem Leben überfordert, haben zu viele Kinder oder sind ebenso wie ich, dauersingle ohne Kinder und ohne Verpflichtungen. Nach meiner Jugendliebe fragte ich schon seit einigen Jahren nicht mehr. Es war schon damals kompliziert und heute noch viel mehr. Auch meine beste Freundin erwähnte IHN nicht mehr vor mir. Es hatte genug Drama gegeben.

 

Liebe auf den ersten Blick war es auf keinen Fall. In der 7. Klasse war ich eher der Uncoole mit den roten Haaren. Vor allem die roten Haare machten mir das Leben schwer. Und eben er! Jerome war so ziemlich das, was man bei den Wölfen Alphatier nannte. Er war der Leitwolf des coolen Rudels und es machte ihm einen Heidenspaß mich zu ärgern. Aber in der 8. Klasse änderte sich das ganz plötzlich. Er war auf einmal nett zu mir und verbrachte Zeit mit mir. Zwar nur in der Schule, aber die Hänseleien hörten auf. Ich hatte das Gefühl, er würde mich mögen und auch die Anderen bemerkten den Funkenflug zwischen uns. Aber um mich kurz zu fassen, es wurde nichts!

Ich hatte das Gefühl, er hatte Angst davor seinen Ruf als coolen Player, als Fußballheld und Aufreißer zu verlieren. Er machte sich zu viele Gedanken über das, was die anderen über ihn denken, als über sich selbst. Nur einmal, er war recht betrunken, hatte er mich plötzlich während eines Discobesuchs umarmt und mir etwas zu gemurmelt, dass ich bis heute nicht verstanden habe. Eigentlich schade!

Mit der Zeit kühlte unsere Beziehung zueinander ab und man sah oder sprach sich nur noch selten. Jeder Blick, den man sich zuwarf sprach Bände und über den Wirbel, den mein Herz in mir anrichtete möchte ich gar nicht sprechen. Noch heute schlägt es höher, wenn ich an ihn denke oder über ihn erzähle.

Er war nicht perfekt, war nicht der Hübscheste oder Stärkste. Er war groß gewachsen und hatte eher eine drahtige Figur. Er hatte dunkelblonde kurze Haare und wunderschöne braune Augen. Sein Humor war nicht der Beste und sein Benehmen eher rüpelhaft. Aber er war eben der Rüpel, der mein Herz gestohlen hatte. Ein Herz, dass er gar nicht haben wollte. Mit 16 ließ er sich dann besoffen von einer Dorfhure entjungfern, die anschließend über seinen kleinen Schwanz lästerte. Das war dann bald schul- und stadtbekannt. Es tat mir zwar leid für ihn, aber irgendwie linderte es auch den Kummer, den er mir bereitete.

Ich versuchte nach vorne zu sehen und meine Gefühle wieder zu sortieren. Dabei half mir eine Freundin ziemlich gut. Nur sie wusste die Wahrheit über mich und meine Gefühle. Niemand sonst wusste so viel wie sie. Meine letzten Jahre waren dann sehr ruhige und erfolgreiche Jahre an der Schule. Ich wurde Schulsprecher und machte ein Abitur mit Auszeichnung, während meine heimliche Liebe einen eher schlechten Abschluss machte.

In den letzten Jahren hatte er eine feste Freundin, bei der er auch wohnte und mit der er eine ziemlich enge, fast schon einsperrende Beziehung führte. Er war nie der monogame Typ. Das durfte auch Lena, so war ihr Name, erfahren. Spätestens nach seinem ersten Ausrutscher wurde sie noch kontrollierender und schweigsamer. Sie war eigentlich ein nettes Mädchen. Aber eben auch total verklemmt, introvertiert und einnehmend. Eine Zeit lang hatte ich auch Gefühle für sie, die aber nie stärker waren, als für IHN. Im Nachhinein schon lustig, dass er sie dann als Freundin hatte und ich keinen von beiden.

Wie ihr daraus entnehmen könnt bin ich bisexuell. Ich hatte noch nie ein Problem damit und meine Eltern auch nicht. Für mich wurde das Leben immer leichter und inzwischen kann ich mir auch keine andere Haarfarbe vorstellen, als meine kupferroten Haare. Mögen sie für immer bleiben. Am lustigsten fand ich ja den Moment, als ich die Mutter meiner großen Liebe kennenlernte. Eine wahre Geschichte – sie hatte ebenfalls rote Haare. Zwar nur gefärbt, aber sie waren rot. Dass er mich dafür gemobbt hatte fand ich dann doch sehr bemerkenswert. Aber zurück zur Gegenwart.

Ich packte also meine Weihnachtsgeschenke ein und skypte mit meiner besten Freundin. Sie war ebenso wie ich total im Weihnachtsstress und hatten alle Hände voll zu tun die Tonnen an Geschenken vor ihren Kindern zu verstecken. Auch sie wollte ich besuchen, wenn ich während den Feiertagen nach Hause kam. Mittlerweile war es dunkel geworden und wir beendeten unser Telefonat. Ich packte meinen Koffer für die Tage bei meinen Eltern, putze nochmal durch die ganze Wohnung und stapelte die Geschenke vor der Tür. Glücklich und zufrieden ging ich mal etwas früher schlafen.

 

...

21. Dezember

Am Morgen stand ich sehr früh auf. Ich hatte keine Lust über eine volle Autobahn zu fahren und den ganzen Tag langsame Autofahrer vor mir zu haben. Sicherlich war es auch etwas gemein, da ich mit meinem Mercedes E53 AMG durchraus mehr PS hatte. Aber ich habe ja nicht umsonst so lang studiert!

Nach meinem morgendlichen Kaffee und Schokocroissant ging ich dann schnell noch duschen. Für meine 32 Jahre hatte ich noch einen echt guten Körperbau. Manche gehen in diesem Alter schon auseinander, aber mein Körper war mir immer wichtig und ich trainierte jeden Tag dafür. Ein Sixpack und stramme Brust- und Schultermuskeln waren mein ständiger Begleiter. Sie halfen mir auch im Job, da einige Patienten schon schwerer waren und bei einer Reanimation kommt man auch recht schnell an seine Grenzen. Mein maskulines Auftreten wurde durch meine Behaarung unterstrichen, die ich mir entweder trimmte oder entfernte, je nachdem wie mir war. Am Hintern wurde sie dauerhaft entfernt! Man kann ja nie wissen, hehe.

Meine Nippel wurden von zwei Piercings geschmückt, mit welchen ich gern unter der Dusche oder im Bett spielte. Ich war total nippelgeil. Mein Schwanz war eigentlich durchschnittlich, aber ich konnte damit nicht leben. Daher hatte ich ihn mir vergrößern lassen und nun maß er 18cm. Ich weiß, man soll dazu stehen, wie man ist, aber ich fühlte mich einfach besser damit und um das Geld musste ich mir keine Gedanken machen.

Nach der Dusche zog ich mir gemütliche Sachen für die Fahrt an, verstaute mein Gepäck und startete meine Reise in die Heimat. Die Straßen waren, Gott sei Dank, wirklich noch frei und so schoss ich mit gemütlichen 180 km/h in Richtung Weihnachtsbraten. Wie jedes Jahr lag kein Schnee, dafür regnete es in Strömen. Es war einfach zu warm. Aber den Klimawandel soll es ja nicht geben, haha. Schon kurz nach 15 Uhr war ich bei meinen Eltern angekommen. Meine Schwester war auch schon da. Als Assistenzärztin in Leipzig war ihr Weg nicht ganz so weit. Ja, wir waren beide Mediziner und unsere Eltern konnten sich nicht beklagen.

Ich bezog mein altes Kinderzimmer, was durch die modern weißen Ikea-Möbel, die ich zuletzt hatte schon eher wie ein Gästezimmer wirkte. Ich war froh wieder zu Hause zu sein und genoss die heimische Atmosphäre. Vor allem die frische Luft hier im Brandenburger Land, umgeben von Feldern und Wäldern. Nicht zu vergleichen mit der Stadt- und Hafenluft in Hamburg. Wir tranken gemeinsam Kaffee und erzählten über den stressigen Klinikalltag, über spannende Operationen, nervige Patienten und unsere Pläne für das nächste Jahr.

Meine Eltern waren beide in Pension und genossen ihre Freizeit im Garten oder auf den sieben Weltmeeren, bei einer ihrer großen Kreuzfahrten. Mittlerweile wurde es Abend und wir entschlossen uns gemeinsam einen Auflauf zu kochen und waren gerade dabei den Salat zu schnippeln, als mein Handy klingelte. Unbekannter Anrufer, nanu!

„Dr. Dr. Biedermeier, hallo?“ sagte ich geschäftsmännisch.

„Hey... ähhh... Anton, bist du´s?“ hörte ich eine zurückhaltende Stimme.

Scheiße, dass darf doch wohl nicht wahr sein: „Ja, hier ist Anton Biedermeier...“

„Hey Anton, hier... hier... ähhhh...“ hörte ich es stottern...

Darauf hatte ich jetzt echt keine Lust und erst recht keine Zeit: „Jerome, was ist los!“ sagte ich etwas genervt und wollte schon fast auflegen.

„Ich... wir brauchen deine Hilfe! Bist du zuhause?“ gab er nun endlich von sich.

Warum ausgerechnet jetzt und so kurz vor Weihnachten: „Ja, ich bin in der Heimat, es ist ja schließlich Weihnachten!“ gab ich immer noch genervt von mir.

„Ich würde dich nicht stören, wenn es nicht dringend wäre. Bitte Anton!“ gab er schon fast weinerlich von sich.

„Was ist denn überhaupt los? Wo bist du?“ wollte ich wissen und versuchte etwas höflicher zu klingen.

„Wir sind im Krankenhaus. Lena... ihr geht es gar nicht gut und ich habe echt das Gefühl, dass die Ärzte hier nicht wissen, was sie machen!“ meinte er verzweifelt.

 

Das konnte ich mir gut vorstellen. Unser Wald- und Wiesenkrankenhaus hatte noch nie einen guten Ruf und die Ärzte waren auch nicht die Spezialisten auf ihren Gebieten. Egal wie weh er mir getan hatte, ich war Arzt und hatte eine Verpflichtung.

„Gut, ich bin auf dem Weg!“ meinte ich und legte auf.

Meine Mutter schaute mich besorgt an. Sie stand neben mir und hatte das Telefonat mitgehört. Nach einer durchzechten Nacht hatte ich im Rausch mal erzählt, dass ich auf Jerome stand. Sie wusste, was für ein Hallodri er war und wie sehr er mich verletzt hatte.

„Wirklich Anton! Jerome? Was wollte er?“ fragte sie mich besorgt.

„Irgendwas mit Lena! Ihr geht es wohl nicht gut. Sie sind im Krankenhaus. Ich muss dahin!“ meinte ich zu ihr und war schon auf dem Weg in den Flur: „Fangt schon mal ohne mich an mit dem Essen!“ rief ich ihr beim Rausgehen.

Es war ein schönes Gefühl durch die Heimat zu fahren, die alte Strecke, die man immer zur Schule fuhr. Vorbei an den kleinen Dörfern, die beleuchteten Häuser und Läden, die es schon seit mehreren Jahren gab oder eben nicht mehr gab. Ich wusste, dass Lena einige schwere Krankheiten hatte. Vor allem mit ihrer Wirbelsäule hatte sie echte Probleme und auch ihr Immunsystem war nicht das Beste. Anscheinend hatte sich Jerome erkundigt, denn er wusste, dass ich Arzt war und anscheinend gut genug, dass er mich zusätzlich um Hilfe bat.

Als ich auf den Parkplatz des Krankenhauses fuhr wurde mir klar, wie wenig sich hier geändert hatte. Kaum ein Parkplatz der Chefärzte war an einem Samstagabend besetzt. Um genau zu sein, nur ein einziger war besetzt. Ich zweifelte auch daran, ob überhaupt ein Oberarzt im Haus war. Gerne wurde das Haus am Wochenende den Assistenzärzten überlassen. Frecher Weise parkte ich also auf einem Parkplatz eines Chefarztes und ging in das Gebäude, das äußerlich anscheinend auch seit meinem Weggang keine Zuwendung mehr erfahren hatte.

Vor der Notaufnahme wurde ich fündig. Jerome und seine Schwiegereltern saßen besorgt vor der Tür und warteten anscheinend auf irgendeine Nachricht. Jerome saß in sich zusammengesunken da und hielt seinen Kopf in den Armen. Er war sichtlich erschöpft und verzweifelt. Aber äußerlich hatte er sich kein Stück verändert. Er hatte immer noch kurzes Haar und war so schlank wie eh und je. Damals war er zur Bundeswehr gegangen und wollte Pilot werden.

„Hey Jerome!“ sagte ich etwas bedrückt.

Sein Blick richtete sich auf und ich schaute in seine glasigen Augen. Langsam richtete er sich auf und kam auf mich zu. Ich wollte ihm die Hand reichen doch er umarmte mich fest.

„Danke!“ hauchte er mir entgegen und wollte mich gar nicht mehr loslassen.

Ich stellte mich kurz den Eltern vor und meinte dann, dass ich mal sehen werde, was ich für Lena machen kann. Schnell klingelte ich an der Tür der Notaufnahme und keine Sekunde später öffnete sich die Tür. Als ich mich als Arzt von Lena vorstellte wurde ich sofort reingewunken. Ohne ein Wort führte mich die Schwester in einen der beiden Schockräume des Krankenhauses. Was ich dort sah schockierte mich.

Zwei blutjunge Assistenzärzte versuchten Lena zu intubieren und waren anscheinend völlig überfordert. Auch die Pfleger standen wie angewurzelt daneben.

„Wer hat hier die Leitung?!“ rief ich in lautem Befehlston in den Raum.

Alle schauten mich verwundert an.

„Ich!“ meinte einer der beiden Ärzte und schaute mich verzweifelt an: „Wer sind sie?“ fragte er.

„Anscheinend ihre Rettung! Wo ist ihr Oberarzt oder leitender Stationsarzt?!! blaffte ich ihn an.

Währenddessen zog ich mir Handschuhe über und trat an den Kopf der Patientin.

„Im OP. Ein Verkehrsunfall oder so!“ meinte er.

„Dann werden sie jetzt ihren Chef anrufen und mir einen OP klarmachen und Sonderrechte organisieren. Meinen Ärzteausweiß finden sie in meiner Tasche na los... worauf warten sie!“ kommandierte ich die völlig überforderten Ärzte.

Der eine sprang zum Telefon und der andere organisierte meinen Ärzteausweis, während ich den Tubus setzte. Wenigstens die Pfleger waren geschult und die Narkose war tief genug, damit Lena von dem Drama nichts mitbekam.

 

Ich ordnete ein Ultraschall an und ließ Röntgenbilder machen. Meine erste Vermutung bestätigte sich schon in der Notaufnahme. Ihr Bauch war bretthart und sie hätte schon längst operiert sein müssen. Aber ich wusste wie sehr Lena Ärzte nicht mochte. War doch ihr Vater schwer krank und lange im Krankenhaus und sie selbst hatte schwere Vorerkrankungen.

Früher in der Schule hatten wir uns immer lustig darübergemacht, wenn sie während der ganzen Woche Klassenfahrt nicht einmal Stuhlgang hatte, heute wussten wir, dass es äußerst ungesund ist. Und während ich so über unsere Jugendzeit nachdachte schoben die Pfleger das Bett aus dem Schockraum in den Operationssaal. Mir wurde schlecht, wenn ich daran denken musste, was mir nun bevorstand, aber der Arztberuf hatte immer zwei Seiten.

Der Gang nach Canossa – zu Jerome und Lenas Eltern. Sie saßen noch immer vor der Notaufnahme und warteten auf eine Nachricht. Inzwischen hatte ich mich umgezogen und kam in OP-Kleidung raus. Sofort sprangen alle drei auf und traten an mich heran. Ich wusste nicht recht wie ich beginnen sollte.

„Ja, was soll ich ihnen sagen... es sieht nicht gut aus!“ begann ich meinen Satz. Ich war schon immer dafür meine Patienten und ihre Angehörigen nicht anzulügen. Die Wahrheit tut weh und muss raus, damit man Lösungen findet und es heilen kann! „Lena hat eine Blinddarmentzündung und leider auch schon eine Bauchfellentzündung. Es sieht nicht gut aus! Ich kann nichts versprechen, aber wir müssen es versuchen!“ sagte ich mit ernster, aber beruhigender Stimme.

Ihre Mutter begann gleich wieder zu weinen und brach in den Armen des Vaters zusammen, Jerome schaute mich entsetzt an. Seine Augen wurden noch glasiger und Tränen liefen über sein schmales Gesicht.

„Bitte! Bitte Anton!“ flehte er mich an.

Das war auch für mich zu viel. Ich drehte mich schnell um und machte mich auf den Weg in den OP. Es war bereits alles vorbereitet. Ein Anästhesist hatte den Weg zu uns gefunden, anscheinend aus der Bereitschaft und hatte Lena vorbereitet. Zwei operationstechnische Angestellten warteten auf mich und auch einer der Assistenzärzte stand bereit. Ich wusch mich zügig aber gründlich und ging dann in eine meiner schlimmsten Operationen, die ich je haben sollte.

Eigentlich eine Arbeit für den Viszeralchirurgen, aber durch meine Zusatzqualifikation konnte ich auch diese Operation. Eigentlich lernt man die Appendektomie als eine der ersten Operationen. Aber diese stellte sich sehr schnell, als sehr viel schwieriger heraus. Ich schaute in die Runde und sah in besorgte Gesichter. Vor allem der Assistenzarzt stand total unter Strom.

„Liebe Kollegen, in drei Tagen ist Weihnachten. In drei Tagen ist Heiligabend und wir werden glücklich sein, nur heute ist nochmal ein beschissener Tag. Das wird gleich eine richtig miese OP und es kann verdammt schnell zu Ende gehen. Es lag nicht an Ihnen! Diese Frau hätte vor Tagen, wenn nicht vor Wochen operiert werden müssen!“ gab ich zu verstehen.

„18:38 Uhr, wir beginnen mit der Operation! Skalpell bitte und erhöhen sie das Propofol!“ wies ich den Anästhesisten an, der meiner Bitte sofort nachkam.

Ich hatte immer recht, fast immer. Aber heute hasste ich mich dafür. Ich werde euch von den OP-Details verschonen, aber es war selbst für mich als erfahrenen Arzt nicht einfach. Nichts war so wie es sein sollte. Der Blinddarm war bereits geplatzt und weite Teile des Darmtrakts waren nekrotisch, sprich abgestorben. Wir wussten gar nicht wo wir anfangen sollten. Bei jedem Schnitt oder jeder Klammer die wir setzten wurde die Wunde größer. Der Bauchraum war total septisch und wir hatten sie noch keine halbe Stunde geöffnet als der Fall eintrat, vor dem ich alle gewarnt hatte.

Die Maschinen piepten, der Anästhesist versuchte mit verschiedenen Mitteln ihren Kreislauf wieder zu stabilisieren, aber half nichts. Der Blutdruck sank in einen kritischen Bereich. Wir Ärzte sprechen dann von einem septischen Schock. Die Blutgefäße sind dann zu weit und das Herz kann nicht mehr schlagen, weil es nicht genug Blut bekommt. Ich begann sofort mit der Reanimation, Blutkonserven wurden angehangen und wir versuchten die Wunde abzuklemmen. 20 lange Minuten, aber es half alles nichts.

 

„STOP!“ rief ich und alle hielten inne, außer der junge Assistenzarzt der weiter versuchte Lena zu reanimieren. Weinend und bettelnd, sie möge wieder zu sich kommen. „Hey, hören sie auf! Wir haben es versucht. Hören sie auf! Sie kommt nicht wieder!“ versuchte ich ihn zu beruhigen und zog ihn vom Tisch weg.

Er brach vor mir zusammen und weinte bitterlich. Ich kannte solche Momente. Vor allem als junger Arzt hängt man an jedem seiner Patienten und nimmt jeden Verlust persönlich. Es sind die schlimmsten Momente in unserem Berufsleben, wenn ein Patient stirbt. Vor allem, wenn solche gehen müssen, mit denen wir vor der Operation noch gescherzt haben. Wieder richtete sich mein Blick auf die große Uhr im Operationssaal.

„Zeitpunkt des Todes 19:35 Uhr! Bitte schließen sie die Patientin!“ meinte ich bedrückt und ging aus dem Raum.

Was ich vorhin als Gang nach Canossa bezeichnete war nun der Gang in die Hölle. Ich wusste, dass es nicht gut um Lena stand, aber ich hatte irgendwie trotzdem die Hoffnung, dass sie wenigstens die Operation noch überleben würde. Verdammt, warum immer ich?! Warum habe ich nur das Telefonat entgegengenommen und zugestimmt?! Warum?! Ich hätte heulen können, aber ich musste es den Eltern sagen. Ich musste es Jerome sagen.

Als ich die Tür öffnete war es still auf dem Gang. Ich schaute in drei leere Gesichter. Alle wussten, dass es keine gute Nachricht sein könnte nach einer so kurzen Zeit. Alle drei fingen an zu weinen, ein kalter Schauer lief mir den Rücken herunter. Ein Kloß steckte in meinem Hals.

„Es tut mir leid!“ wisperte ich leise mit Tränen in den Augen.

Lenas Eltern erhoben sich schnell und verließen fluchtartig das Krankenhaus. Ihr Vater tätschelte mir auf die Schulter und meinte leise: „Sie haben ihr Bestes gegeben, Junge!“

Nur Jerome blieb sitzen, wie erstarrt. Tränen flossen unentwegt über sein Gesicht und sein Blick richtete sich leer auf den Boden. Mit einem Satz stand er auf und brach sofort wieder zusammen. Gerade noch rechtzeitig konnte ich ihn auffangen, ehe er mit dem Kopf aufschlug.

„Nnnnnnnnnneeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnn!!!!!!!!“ schrie er so laut er konnte, dass ich schon dachte, die Wände würden erbeben.

Sofort eilten Schwestern zu uns, doch ich schüttelte nur den Kopf und nahm ihn so fest in die Arme wie nur irgend möglich. Er fing an zu schluchzen und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Ich selbst musste mit meinen Tränen ringen und so saßen wir eine ganze Weile gemeinsam auf dem Boden vor der Notaufnahme und hielten uns fest in den Armen.

„Warum? Warum nur?!“ schluchzte er und auf meiner Schulter bildete sich langsam ein feuchter Fleck seiner Tränen. Es machte mir nichts aus. Ich hatte schon ganz andere Sachen abbekommen und damit meinte ich nicht unbedingt das, was ihr gerade denkt!

Irgendwann schliefen meine Beine ein und ich wollte nur noch raus aus diesem Krankenhaus. Auch Jerome musste dringend raus, brauchte frische Luft und die Zuwendung seiner Familie.

„Komm´ Jerome, lass uns gehen! Na los!“ meinte ich und zog ihn hoch.

Er stand einfach nur da, regungslos und ohne Kraft. Aufgrund der Temperaturen zog ich ihm verzweifelt seine Jacke an und band ihm seinen Schal um. Er ließ alles geschehen und schaute mich nur mit leeren Augen an, aus denen immer wieder Tränen flossen.

„Du wartest hier! Ich bin gleich zurück! Dann fahr ich dich nach Hause!“ sagte ich eindringlich und ging noch einmal in die Notaufnahme.

Der Assistenzarzt war noch immer am Boden zerstört und saß weinend im Stationszimmer. Mittlerweile war auch der Oberarzt mit seiner Operation fertig und dankte mir für meinen Versuch. Auch er fand die Bilder erschreckend und war wahrscheinlich froh nicht derjenige gewesen zu sein, der so kurz vor Weihnachten eine Patientin verlor. Ich machte mit ihm aus, meinen Bericht nach den Feiertagen zu schicken und begab mich dann zurück zu Jerome, der allerdings nicht mehr im Flur war.

Schnell rannte ich auf den Parkplatz und fand ihn im Raucherhäuschen. Schon seit seinem 13. oder 14. Lebensjahr rauchte er und mittlerweile war ich es schon gewöhnt von ihm.

 

„Ich... ich musste einfach da raus!“ versuchte er sich zu rechtfertigen.

Ich setzte mich zu ihm und bat ihn ebenfalls um eine Zigarette. Typischer Gelegenheitsraucher eben. Mir schmeckt es nicht, aber in Zeiten kognitiver Überforderung war es eine gute Ablenkung. So saßen wir auch eine Weile draußen. Es war mittlerweile stockduster und wurde wirklich kalt. Ich hasste Kälte und zitterte wie Espenlaub.

„Komm´ Jerome! Hier werden wir nur krank!“ meinte ich und zog ihn mit mir.

An meinem Wagen angekommen öffnete ich ihm die Tür und setzte ihn schon fast wie ein Kleinkind ins Auto. Er war echt total fertig und schaffte nichts mehr. Selbst als ich mich ins Auto gesetzt hatte und die Sitzheizung anstellte war er immer noch nicht angeschnallt, sodass ich auch das für ihn übernahm. Gerade als ich den Wagen startete drehte er seinen Kopf zu mir.

„Ich will nicht nach Hause! Ich kann nicht! Bitte Anton! Ich kann nicht!“ bettelte er mich an und fing an wieder zu weinen.

Verdammt! Die Feiertage waren für mich sowas von gelaufen. Mist, Mist, Mist! Und was nun?

„Dann kommst du mit zu mir! Aber du rufst zu Hause an!“ forderte ich ihn auf.

Ich machte mir schon Hoffnungen als er sein Handy griff und die Nummer wählte. Doch anstatt selbst ranzugehen reichte er mir das klingelnde Handy. Verdammt!

„Hallooooo? Jerome? Bist du es?“ fragte eine weibliche Stimme.

„Guten Abend Frau Lindner hier ist Anton Biedermeier.“ meldete ich mich.

„Ach Anton! Das ist ja eine Überraschung! Was ist mit Jerome? Wo ist er? Geht es ihm gut? Was ist mit Lena?“ fragte sie mich besorgt.

„Frau Lindner ich habe leider eine traurige Nachricht! Lena ist vorhin verstorben und Jerome ist total fertig!“ sagte ich wahrheitsgemäß.

Nun war es auch am anderen Ende der Leitung ruhig. Sehr lange war es ruhig! Dann kam eine weinende Stimme ans Telefon. Sie schluchzte und fand keine Worte.

„Wenn es für sie in Ordnung ist, dann nehme ich Jerome heute mit zu uns. Er wollte nicht nach Hause und braucht glaube ich etwas Abstand und Ruhe!“ meinte ich.

„Ja, ja das ist wohl besser so! Sagen sie ihm bitte, dass wir ihn lieben und das er sich alle Zeit der Welt nehmen soll!“ meinte sie verweint und legte auf.

Ich gab Jerome das Handy, richtete die Worte seiner Mutter aus und fuhr zu mir nach Hause. Im Flur wurden wir von meiner Mutter empfangen. Sie schaute mich fragend an, als sie den verweinten Jerome sah, aber ich schüttelte nur mit dem Kopf und schob ihn die Treppe hoch. Wir hatten kein Gästezimmer und daher musste er wohl oder übel bei mir schlafen. In meinem Zimmer angekommen fing ich an ihn auszuziehen. Er ließ es einfach geschehen und schon bald stand er nur in Unterhose vor mir. So sehr ich diesen Moment genoss, so sehr hasste ich mich auch dafür. Sonst hätte ich alles für diesen Moment gegeben, aber jetzt hätte ich lieber allein im Bett gelegen und mich auf Weihnachten gefreut.

Er war drahtig gebaut, hatte ein flaches Sixpack und immer noch keine Behaarung. Seine Nippel waren recht klein, was ich eigentlich schade fand, aber bei ihm war es mir total egal. Für meine Beule in der Hose hätte ich mich töten können, aber Jerome bemerkte sie gar nicht. Auch ich zog mich aus und kramte noch ein zweites Kissen und eine zweite Decke aus dem Schrank. Mühsam quetschten wir uns in mein 1,40m Jugendbett. Als Teenager hat es noch gepasst, wenn man die ersten Male gemeinsam im Bett verbrachte, aber nun als gestandene Männer war es schon recht eng.

Ich war ziemlich geschafft von der langen Autofahrt und der nervenaufreibenden Operation, sodass ich bald einschlief. Noch im Halbschlaf merkte ich, wie sich Jerome von hinten an mich anschmiegte. Ich konnte seinen Schritt deutlich an meinem Hinter spürten und wie seine Arme sich um meine Hüfte schlangen, doch ich sagte nichts. Anscheinend schlief er schon und hielt mich für Lena.

Diesen Moment hatte ich mir immer erträumt. Nun war er da und ich konnte keine Sekunde genießen. Voller Sorgen und Gedanken im Kopf schlief ich ein.

Was würde wohl morgen sein?

 

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