Versteckspieler - Teil 5

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5. »Finn«

 

Finn konnte den Namen noch immer auf seinen Lippen, seiner Zunge spüren. Stephan. Es hatte etwas so Selbstverständliches, wie Hendrik diesen Namen ausgesprochen hatte. Ob sie wohl mal ein Gespräch darüber gehabt hatten? Hatte Hendrik ihren Trainer einfach so geduzt? Hatte Bertold ihn gebeten, ihn nur, wenn sie alleine waren, so zu nennen?

Er hatte mehr Ehrfurcht als alles andere vor Stephan Berthold. Der Trainer mochte ihn, pushte ihn in den richtigen Momenten, war selten enttäuscht von ihm. Trotzdem fühlte er sich wie früher in der Schule mit seinen Lehrern. Immer der brave, ruhige Finn, große Aufmerksamkeit hatte ihm das nicht eingebracht.

Hendrik bekam Aufmerksamkeit.

Finn fühlte sich so unwohl mit dem Gedanken, dass es möglicherweise so weitergehen würde. Die WM Qualifikation war nicht mehr weit weg. Sie würden sich wiedersehen, Hendrik und Berthold, denn Hendrik blieb sicher im Kader bei seiner Leistung. Er konnte nicht mehr vor der geschlossenen Tür sitzen, nicht jetzt, wo Hendrik davon wusste und er verdrängte den Gedanken, dass Hendrik es wusste sofort wieder. Er fühlte sich nicht bereit, mit diesem Gedanken umzugehen.

Aber was sollte er dann tun? Es einfach ignorieren? Hendrik fragen? Ihm Hilfe anbieten, aus der Situation herauszukommen? Hendrik wollte keine Hilfe. Er fand seine... Beziehung zu Bertold gut. Er mochte die Art, wie sie Sex hatten, auch wenn das offenbar Gewalt beinhaltete. Vielleicht war das auch keine Gewalt. Finn war sich da sehr unsicher, ob das noch im Rahmen lag oder schon zu weit ging, unsicher, ob er Hendrik retten musste oder ihm damit nur unangenehm nah kam.

Immerhin hatte der Jüngere das ja recht gut zusammengefasst, sein Sexualleben war langweilig, wenn er ehrlich war, langweilig bis nicht existent. Und deshalb würde er auch wieder vor Hendriks Tür sitzen, egal wie sehr er sich vornahm, es nicht zu tun.

»Hast du vor, jemandem was zu sagen?«

Finn lächelte und sah mit hoffentlich gefasstem Gesichtsausdruck auf. »Wohl eher nicht, wenn ich nicht will, dass du erzählst, dass ich auf Männer stehe.«

Ihm wurde jetzt erst klar, dass er sich strenggenommen erst jetzt geoutet hatte. Das vorher war allerdings so wenig Abstreiten gewesen, dass Hendrik unzurechnungsfähig hätte sein müssen, um es nicht richtig zu interpretieren. Und dass er ihn belauscht hatte, hatte das Bild wohl noch bunter, rosaroter gemacht... Finn konnte darüber wirklich nicht nachdenken, ihm wurde fast schwindlig dabei.

»Ich hab‘ nicht vor, dich zu outen. Das bringt keinem was, außer der BILD. Aber »Spieler lässt sich von Trainer vögeln« wäre sicher auch nicht die geilste Titelseite in meinem Portfolio. Behalt es für dich, okay?«

 

Finn nickte. Was sollte er schon tun? Es brachte ihm ja auch nichts, Hendrik und Berthold zu verraten. Damit kam er einem potentiellen Partner keinen Schritt näher. Und Hendrik war ein erwachsener Mann, wenn er so eine Beziehung führen wollte, dann war das sein gutes Recht. Aber er konnte diesen Moment nutzen! Noch nie hatte er als Finn mit jemandem über diese Sache geredet, immerhin durfte ja keiner erfahren, was mit ihm los war.

»Wie lange weißt du schon, dass du schwul bist?«, fragte Finn mutig.

»Schon immer, irgendwie. Irgendwann in der Pubertät war‘s dann klar. Du?«

»Ich hatte mal einen Freund. Wir waren vierzehn oder so und immer zusammen und dann hat es sich ergeben. Fußball kam da schnell

dazwischen, David hat halt nicht mithalten können, wenn der Fortuna Trainer dir sagt, dass du auf dich aufpassen sollst, nachdem er dich mit ihm gesehen hat. Ich hatte dann Freundinnen

Warum er Hendrik das alles erzählte? Es war fast wie eine Zwangshandlung. Er musste die Chance nutzen. Sein Herz klopfte wie nach einer Achterbahnfahrt.

»Weißt du, ob noch jemand anderes im Team auf Männer steht?«

Hendrik war also auch neugierig.

»Keine Ahnung. Bin, glaube ich, nicht so gut, das zu bemerken. Hab‘ ich bei dir ja auch nicht«, entgegnete Finn.

»Ach, ich glaube, wir sind alle sehr gut trainiert darin, es nicht offensichtlich zu machen. Wer weiß... Bei Hitzlsperger hat’s auch keiner gedacht.«

Finn lächelte, nickte. Hendrik sah auf sein Handy am Nachttisch, ließ sich anzeigen, dass es bereits deutlich nach zwei Uhr früh war. Finn begann, sich unwohl zu fühlen in diesem Zimmer. Es war, als hätte Hendrik ihn für ein paar Augenblicke in seine Welt hineingeholt und ihm gezeigt, was er alles haben könnte, und nun wollte er zwar um jeden Preis dortbleiben – aber was sollte Hendrik mit ihm? Hendrik hatte eine Beziehung, hatte ein »echtes schwules Leben« und war kein verklemmter, verunsicherter Feigling wie er.

»Ich denke, ich geh dann mal«, zwang er sich, zu sagen, obwohl alles in ihm sich dagegen sträubte. Hendrik nickte nur und erhob sich vom Bett.

 

»Du musst diesen Blick loswerden«, sprach er dann leise, sanfter als Finn es je gehört hatte. »Wenn Stephan sieht, dass du mich so ansiehst, rastet er aus, der merkt das sofort. Stell dir einfach vor, es ist gestern und du wüsstest von all dem nichts.«

Diesmal nickte Finn nur stumm, unfähig, noch irgendetwas zu sagen. Hendrik durchschaute ihn, einfach so.

»Wir sehen uns morgen früh?«, verabschiedete Hendrik sich als Finn die Türklinke in der Hand hielt. Er wollte etwas sagen, wollte tough und selbstsicher wirken, wollte diesen Blick loswerden, aber er brachte kein Wort über seine Lippen.

Sein kleiner Moment in Hendriks Welt war vorbei, der Ausflug hinter diese Hotelzimmertür, vor der er so oft gesessen hatte, war zu Ende.

Hendrik war sein neuer Teamkollege. Er hatte vor dieser Nacht schon ein paar Mal drüber nachgedacht, wie es sein würde, wenn Hendrik und er nun auch im Verein zusammenspielten. Er hatte sich vorgestellt, dass Hendrik vielleicht einmal von Henry vom Training abgeholt werden würde, nur als Freunde. Finn hätte es sicher bemerkt.

Jetzt wo er wusste, dass es keinen Henry gab, hätte er aufhören können, Hendrik mit Argusaugen zu beobachten, immerhin würde der Bundestrainer sicher nicht kommen, um ihn vom Training abzuholen. Aber Finn konnte nicht. Es war alles anders seit dieser Nacht und er wollte mit einem Mal einfach alles über Hendrik wissen. Er beobachtete ihn beim Training, in der Kabine, wenn er mit dem Team sprach, wenn er seine Sachen packte und Richtung Parkplatz lief... Es drehte sich alles nur noch um Hendrik.

Berthold hatte sein Vertrauen in die Mannschaft beteuert, hatte alle Schuld von ihren Schultern genommen und sie ganz öffentlich in die nächste Runde, die WM Qualifikation geschickt. Hendrik saß einige Plätze neben ihm und nahm seine Sonnenbrille nicht ab, seine Gesichtszüge versteinert.

Manchmal dachte Finn darüber nach, ob Hendrik nicht vielleicht doch verliebt war. Immerhin hatte er einige Male mit so einer Bitterkeit gesprochen, das passte gut zu jemandem, der unglücklich verliebt war. Und unglücklich musste er ja trotz des Sex sein, immerhin war Berthold

verheiratet. Hendrik fragen war ausgeschlossen. Er hatte beim letzten Mal nichts dazu gesagt und es war ja auch nicht so, als redeten sie viel miteinander. Hendrik kannte genug Kollegen aus dem Team, hatte sich schnell eingelebt und brauchte keinen Finn, der eh die Hälfte der Zeit seinen Mund nicht aufkriegte und ihn ständig mit großen Kuhaugen ansah. Er gab sich Mühe mit dem Blick, aber er hatte nicht das Gefühl, damit sonderlich erfolgreich zu sein.

 

Ein paar Tage war es erst her, dass sie ihr erstes gemeinsames Spiel mit dem Verein bestritten hatten. Finn war völlig hin und weg von Hendriks Motivation, seiner Laufleistung, seiner Zweikampfstärke. Nichts davon hätte er bemerken dürfen und doch waren seine Augen bei dem Jüngeren, sobald der Ball nicht mehr in ihrer Hälfte war.

Er mochte es, dass er jemanden wie Hendrik auf dem Platz vor sich stehen hatte. Er war ein glorreicher Verteidiger und er hatte sich so unglaublich schnell in ihr Spiel eingefunden, es war, als hätte er schon immer dazugehört.

Seit gestern hatte sich nun seine Obsession um Hendrik noch verschlimmert. Er hatte erfahren, dass er gegen Schweden auf dem Platz stehen würde, Hendrik auch. Sie würden damit das erste Mal seit dieser Nacht mit dem Nationalteam und damit auch mit Berthold im Ausland sein, sich in ein Hotel einquartieren und Finn war schon jetzt bis zum Zerbersten gespannt, ob es das Einzelzimmer wieder geben würde. Und er wollte mit Hendrik sprechen. Zum ersten Mal seit all dem, wollte er Hendrik wieder ansprechen, ihn fragen, was er vorhatte, ob er das Einzelzimmer gewöhnlich bestellt hatte und wenn ja, ob er es auch diesmal tun würde. Wollte Hendrik weiterhin Sex mit Berthold?

Das ganze Training über hatte er an nichts anderes gedacht. Und nun war seine Chance da! Hendrik war grundsätzlich der Letzte in der Kabine. So wie Berthold damals, würde auch Finn das nutzen und ihn konfrontieren. Er machte jeden Schritt extra langsam, ging noch einmal zurück in die Dusche, um seine Addiletten zu holen und spürte ein kribbelndes Gefühl in

seinem Bauch, als nur mehr Hendrik und Nico in der Kabine waren. Nico schulterte seine Tasche und war kurz später auch bereits verschwunden. Mutig setzte Finn sich auf die Bank, die Hendriks Spind gegenüberstand und wartete.

Hendrik hatte noch kein T-Shirt übergezogen, offenbar schwitzte er noch zu sehr vom Duschen, Finn sah genau, wie kleine Schweißperlen seinen gesamten Rücken überzogen. Ihm wurde ein klein wenig anders als er die Muskeln, die sich darunter bewegten, beobachtete. Hendrik war schon wirklich ein sehr, sehr attraktiver Kerl.

»Ist irgendwas?«, fragte der attraktive Kerl ihn etwas unwirsch.

 

Finn war sich nicht sicher, was er antworten sollte. Es war was. Es war so viel, was war. Und mit einem Mal wollte er Hendrik nicht mehr fragen, ob er vorhatte wieder mit Bertold zu schlafen, er wollte wissen, ob Hendrik jemals seit dieser Nacht daran gedachte hatte, mit ihm zu schlafen. Er, Finn, hatte das, öfter sogar. Sie waren die Einzigen in ihrer kleinen Welt, die Interesse an Sex mit Männern hatten, zumindest soweit sie es wussten. Er war nicht der hässlichste Typ der Welt, sicher nicht zu hässlich für Hendrik, oder? Und keiner von ihnen war in einer richtigen Beziehung, es gab niemanden, den sie betrügen würden. Sie konnten doch einfach zum Spaß, zum Dampf ablassen, einfach nur, weil sie es eben konnten...

Hendrik saß neben ihm, Finn hatte es nicht mal bemerkt.

»Er hat mir damals in Italien, in der Nacht, wo du auch... Er hat gesagt, dass er nicht mehr weitermacht als Trainer. Ich warte bis heute darauf, dass er das wahrmacht. Aber sieht wohl nicht danach aus, oder?«

»Warum sollte er auch? Es war ja nicht seine Schuld.«

»Ich weiß, aber hätte es dich nicht auch gewundert, wenn er das schon sagt... «

Finn nickte. »Hast du gehofft, dass er aufhört, damit er nicht mehr... mit dir... «

Er konnte es nicht mal aussprechen. In all der Wut in ihrem Gespräch damals, hatte er es doch auch geschafft, zumindest einigermaßen.

»Finn, Berthold vergewaltigt mich nicht oder so. Du weißt, dass ich jederzeit nein sagen könnte, oder?«

»Klar«, antwortete der Ältere mit weniger Überzeugung, als er es gerne gehabt hätte. »Aber so ist es ja fast noch komplizierter, oder? Ich meine, wenn du nein sagst, ist es ja irgendwie, als wäre es... In einer Beziehung sagt man ja nicht einfach nein zu Sex, man trennt sich.«

»Mann, wir haben keine Beziehung, wir haben Sex, einvernehmlich. Und wer weiß, vielleicht jetzt den auch nicht mehr.«

»Hat er sowas gesagt? Hattest du Kontakt mit ihm seit Italien?«

»Nein. Wie du sicher auch vorher schon bemerkt hast, ignoriert Stephan mich, wenn wir nicht gerade Sex haben, so gut es geht.«

»Hast du in Schweden wieder ein Einzelzimmer?«

 

Ha! Wenigstens das hatte er geschafft.

»Keine Ahnung. Ich such mir das nicht aus, es passiert einfach. Keine Ahnung, was Berthold erzählt hat, damit mir diese Ehre zukommt. Glaube, es gibt einige Kollegen, die mich da ziemlich beneiden.«

Beneidete Finn ihn? Er war sich darüber nicht so sicher, hatte aber natürlich schon mit dem Gedanken gespielt. Denn neben Hendrik und ihm gab es da ja noch Berthold. Stephan. Ob Berthold Interesse an Sex mit ihm hätte, wenn er wüsste, dass Finn Männern nicht abgeneigt war? Bei Hendrik war es ja auch passiert, nachdem Berthold bemerkt hatte, dass seine Nähe Hendrik angemacht hatte. Hatte er Interesse an Berthold? Fände er es gut, wenn Berthold ihm so nahe war, ihn vor Wut gegen die Wand drückte?

Er konnte sich das nicht so recht vorstellen. Bei Hendrik hingegen war das keine große Frage mehr. Vermutlich beneidete er also bizarrerweise Berthold mehr als Hendrik.

»Wir könnten doch...« Finn stoppte sich im letzten Moment. Er schluckte, spürte seine Wangen rot werden. »Wir könnten ein Bier trinken gehen. Jetzt dann.«

Wahrscheinlich hätte er die Frage nie über die Lippen bekommen, wenn die beinahe entfleuchte Alternative nicht gewesen wäre »Wir könnten doch Sex haben«.

Hendrik sah ihn etwas überrascht an.

»Ich treff‘ mich noch mit Freunden nachher«, antwortete er dann. »Leute von früher.«

Ein Nein hätte es auch getan und irgendwie tat das ganze plötzlich genauso weh, wie wenn er Hendrik tatsächlich gefragt hätte, ob er mit ihm schlafen wollte und dieser nein gesagt hätte. Finns Wangen mussten krebsrot sein.

»Ein andermal vielleicht, okay?«

Hendrik war aufgestanden, hatte seine Tasche bereits genommen. Finn sah auf und dachte sich, dass er diesmal vermutlich nicht diesen Blick aufhatte, versuchte jedoch, genauso schnell Enttäuschung und Traurigkeit aus seinem Blick zu vertreiben.

»Klar, gerne.«

Er blieb zurück, musterte seine Hände. Vielleicht war es gar nicht nur der Sex mit Berthold, mit einem anderen Mann, der ihn Hendrik so beneiden ließ. Hendrik hatte seit Jahren nicht mehr wirklich in dieser Stadt gelebt und es hatte ihn wenige Wochen gebraucht, um mehr soziale Kontakte zu haben als er, der seit Jahren hier lebte. Und er konnte sich nicht mal damit herausreden, dass er diese Kontakte mied, um andere nicht merken zu lassen, dass er schwul war.

Hendrik schaffte das immerhin auch alles.

Er fühlte sich armselig und das Gefühl wollte sich auch Tage später nicht vertreiben lassen. Er stand im Hotelflur und wartete. Wie so oft. Er wusste Hendriks Zimmernummer und so wie der Jüngere ihn angesehen hatte, nachdem sie ihre Schlüsselkarten bekommen hatten, musste er ein Einzelzimmer haben.

Als die Tür nach einem scharfen Klopfen geöffnet und wieder geschlossen worden war, trat er um die Ecke und setzte sich vorsichtig im Dunkeln vor die Tür. Er lehnte sich nicht einmal gleich nach vorn, um zu hören, was gesagt wurde. Finn legte seine Hand auf das Holz vor sich und fühlte sich armselig.

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