Mann für Mann
 
 
Wie das Leben so unfair spielt. Es wird in dieser Geschichte keinen Sex geben.
Junge Männer / Romantik / Sportler
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Based on 'Jans Expedition 1-16'

Für alle, die meine Staffeln 'Club Bekanntschaft' und 'Jans Expedition' nicht gelesen haben, gebe ich hier eine kurze Zusammenfassung. Meine treuen Leser dürfen diesen ersten Absatz gern überspringen. Ich bin Tom, inzwischen 38, wohne in Stralsund und habe meinen Freund Erik auf einer Dienstreise nach Berlin in einem Club kennengelernt. Das alles war im September 23. Nach unserem ersten Date hat er mich stehen gelassen, ohne dass ich seinen Namen wusste. Trotzdem hat er mich wiedergefunden und es ist eine großartige Liebe daraus entstanden. Zu Weihnachten habe ich ihm dann einen Antrag gemacht (Das Weihnachtsgeschenk). Der Termin für die Hochzeit ist für Juli dieses Jahres geplant im Jagdschloss Gelbensande. Da wir keine Kinder von Traurigkeit sind, hatten wir in Berlin viel Spaß mit Leon, einem Freund von Erik und auch mit dessen schüchternem Kumpel Jan, die beide Fußball in einem Verein spielen (Eine unerwartete Überraschung). Im Januar hat Jan mich dann überrumpelt und ist zu mir nach Stralsund gekommen. Schnell hat er entdeckt, dass er es lieber mit Jungs als mit Mädchen hat. Da er in einer Pflegefamilie aufgewachsen ist, haben wir ihn in unsere kleine Familie aufgenommen und wir lieben uns alle drei. Jan ist noch in Ausbildung und verbringt abwechselnd eine Woche Berufsschule bei Erik in Berlin und eine Woche Praktikum bei mir in Stralsund. Inzwischen spielt er im Stralsunder Verein, hat hier neue Freunde gefunden und wir auch. Lina, Elias und Felix sind nicht nur eine befreundete Familie, sondern Jan und Elias könnten vielleicht mehr voneinander wollen. Wer mehr wissen will, braucht viel Zeit und liest die einzelnen Stories nach Erscheinungsdatum. Ich schreibe nicht aus Fantasie, sondern einen Teil meiner (unserer) Lebensgeschichte.

 

Es ist Freitag Nachmittag, Feierabend und ich bin auf dem Rückweg von einem Kundentermin in Rostock. Den Tempomat bei 220 eingerastet fliege ich über die A20 Richtung Stralsund. Ich will pünktlich zu Hause sein, denn auch meine Jungs werden gleich bei mir aufschlagen. Im Radio läuft 'You can have me if you want me' Ich liebe das Original von Suzanne Vega, "Tom's Diner", dass mich immer wieder an meinen Namen erinnert. Plötzlich platzt der Verkehrsfunk mitten in den Song. 'Muss das gerade jetzt sein?' "Massencrash auf der A20 zwischen Gützkow und Greifswald. Letzte freie Ausfahrt ist Jarmen". Ich bin beruhigt, denn das ist die andere Seite der Autobahn von Stettin nach Stralsund. Ich werde also pünktlich zu Hause sein und kann meine Liebsten in Empfang nehmen.

Der kleine rote Flitzer steht auch noch nicht auf dem Hof als ich zu Hause ankomme. Nagut, dann kann ich mich ja schon mal um das Abendessen kümmern. Jan kocht besser als ich, aber immer will ich ihn ja auch nicht ausnutzen. Ich bin schon eine Weile mit Kochen fertig, aber noch immer ist niemand angekommen. Dann sind die beiden bestimmt noch einkaufen gefahren, denn das habe ich ja mal wieder nicht geschafft.

Ich bin von Natur aus ein fröhlicher Mensch und mache mir nicht gleich Sorgen oder rufe die Polizei wenn jemand mal eine Stunde zu spät kommt. Na okay, eine Nachricht kann ich ja schreiben. An Erik, denn Jan fährt ja Auto. "Hallo Sweetheart wo steckt ihr? Küsschen".

Kurz später klingelt mein Telefon und ich bin beruhigt, weil ich mir umsonst Sorgen gemacht habe. Es ist aber nicht Erik der mich anruft, sondern eine mir unbekannte Nummer. Ich melde mich mit "Tom Steiner TA", denn es könnte ja auch ein Kunde sein, dessen Nummer ich nicht gespeichert habe. "Universitätsklinikum Greifswald, Station 55, Unfallchirurgie, Schwester Petra". Ein schmerzhafter Blitz schießt mir durch den Hinterkopf ins Gehirn 'Massencrash auf der A20'. Ja natürlich, das ist genau die Richtung aus der Jan und Erik anreisen. Ich fange an zu zittern, dass mir fast das Smartphone aus der Hand fällt. "Sie sind der Notfallkontakt von Erik N." Ich bringe kein Wort heraus und mein Nicken kann sie nicht sehen. Ruhig redet Schwester Petra weiter. "Er liegt hier bei uns auf Station und es sieht so aus, als ob er nur leichte Verletzungen hat". Da dies aber noch niemand genau sagen kann und er auch erst morgen einen CT-Termin bekommt, weil noch so viele Schwerverletzte vor ihm dran sind, muss er bestimmt noch ein paar Tage bleiben. Leichte Verletzungen sind schlimm genug. Ich will nicht dass ihm irgendjemand weh tut, ich will nicht dass er Schmerzen hat, aber 'leichte Verletzungen' beruhigen mich dann doch ein wenig. Er hat es überlebt!

Mein Zittern beginnt wieder, denn er saß ja nicht alleine in dem Auto. "Wie geht es Jan?" "Jan wer?" "Jan Ahrens". Sein Geburtsdatum fällt mir vor Schreck nicht ein. Ich höre eine Tastatur klimpern. "Kein Jan Ahrens auf unserer Station". "Wo dann?" heule ich in das Telefon. "Selbst wenn er bei uns im Klinikum ist, darf ich Ihnen das nicht sagen, wenn sie nicht sein Notfallkontakt sind". "Natürlich bin ich sein Notfallkontakt!" Meine Tränen laufen und ich schluchze in das Telefon. Die Schwester ist nett und schaut noch einmal in Eriks Akte. "Ah hier, Jan Ahrens ist auch als Notfallkontakt bei Erik N. eingetragen". Den Zusammenhang muss sie ja nicht verstehen. Wieder höre ich die Tastatur klimpern bevor sie leise sagt "Das mag ich Ihnen jetzt gar nicht sagen". "Was?" heule ich ins Telefon. Sie wird noch leiser, so dass ich sie fast nicht mehr verstehe. "Ihr Jan liegt seit fast drei Stunden im OP und es gibt noch keine Eintragung über Befunde oder Ergebnisse". Noch leiser fügt sie hinzu "Das sieht nicht gut aus". "Nein!" Schwestern sind Profis. "Herr Steiner können Sie bitte für Erik ein paar Sachen einpacken und zu uns kommen?" Natürlich kann ich das, alles würde ich für diesen Mann tun, bekomme aber nur ein gequältes leises "Ja" heraus. Leise fügt sie hinzu "Und packen sie auch für Jan etwas ein, noch ist es nicht zu spät".

 

Ich weiß nicht ob mich das beruhigen oder trösten soll. Ich weiß im Moment nur, dass Erik es überlebt hat und mir niemand sagen kann, was mit Jan ist. Ich muss jetzt funktionieren. Erik bringt keine Sachen mit nach Stralsund. Er zieht einfach meine an. Genauso machen wir es in Berlin ja auch, damit wir nicht mit Reisetaschen hin und her fahren müssen. Jan ist ein Stück größer. Meine Hose würde ihm nicht mal bis zum Knöchel reichen und in mein T-Shirt könnte er zweimal rein. Gerade mache ich mir Gedanken, was ich alles einpacken sollte, da klingelt wieder mein Telefon. Ist das nicht die Nummer von eben? Nein, aber ähnlich.

Mit zitternden Fingern drücke ich auf grün. "Ja". Ich kann nicht mehr klar denken, ich kann mich gerade nicht vorstellen, weil ich andere Sachen im Kopf habe. "Sind Sie Tom Steiner," "Ja". "Uniklinik Greifswald, Intensivstation, Pfleger Daniel". Jetz fällt mir doch mein Smartphone aus der Hand, ich kann mich nicht mehr halten und sinke zu Boden. Aus dem Handy höre ich nur "Hallo noch jemand da?" Instinktiv greife ich nach meinem Smartphone und eine Routine läuft ab "Tom Steiner hier, was kann ich für Sie tun?" "Sie sind der Notfallkontakt von Jan Ahrens?" Ich habe Mühe das Handy am Ohr zu behalten. "Ja das bin ich". Der Pfleger ist wesentlich geklärter als die Schwester von der Chirurgie. "Bitte bringen Sie Jan ein paar Sachen vorbei, er muss bestimmt noch eine Weile bei uns verbringen". "Welche Station?" "Habe ich doch gesagt Intensivstation!" Ende des Gesprächs. Das macht mir die Sache nicht leichter, aber zumindest weiß ich, dass auch Jan überlebt hat. Er ist am Leben. So viele andere nicht, wie ich aus den Nachrichten weiß.

Ich bin am Boden zerstört, sitze auf dem Fußboden in der Küche, aber muss jetzt funktionieren. Die Jungs brauchen mich. Für Jan ist das einfach, die Schubladen, die er bei mir hat ausräumen und in eine Tasche packen. Noch meinen Bademantel dazu, da ich es noch nicht geschafft habe ihm einen zu kaufen. Genau das Gleiche packe ich für Erik in eine Tasche.

Verheult und mit zittrigen Fingern sitze ich hinter dem Lenkrad. Gut, dass die Kiste alle möglichen Assistenzsysteme hat, sonst wäre ich wohl nicht heil nach Greifswald gekommen. Da das Klinikum Kunde von uns ist, kann ich auf dem Technikerparkplatz direkt vor der Tür parken. Mit den beiden Taschen mache ich mich auf. Muss man eigentlich studiert haben, um sich in diesem Labyrinth zurechtzufinden? An der Information sitzt ein junger Mann, den ich nach dem Weg frage. "Fahrstuhl 11, 3 Etage" und er weist mir die Richtung.

Wenig später stehe ich vor der Station und bekomme die Tür nicht auf. Das 'Bitte klingeln!' Schild habe ich nicht gesehen. Soweit haben mich meine Beine getragen, jetzt kann ich nicht mehr, sinke auf den Boden und fange bitterlich an zu weinen. Mit dem Rücken lehne ich an der Wand, ziehe die Beine an meinen Körper, auf die ich meinen Kopf lege und meine Arme darum verschränke. Ich muss wohl weggenickt sein, denn ich hatte einen kurzen Traum. Ich selber lag in einem dieser Krankenhausbetten und wurde von einem Pfleger über irgendwelche Flure geschoben.

"Achtung! Achtung! Automatischer Transport" höre ich plötzlich neben mir. Eine von diesen dusseligen Blechdosen, auf die man hier überall aufpassen muss rollt auf mich zu. "Bitte machen Sie den Weg frei". Das Ding hat neben mir angehalten und plappert unaufhörlich seinen Text. "Ist ja schon gut!" blaffe ich den Transporter an, stehe auf und gehe aus dem Weg. Er rollt an mir vorbei und die Tür zur Station öffnet sich automatisch. Jetzt aber schnell hinterher.

Auf dem Flur läuft mir Schwester Petra über den Weg. "Wie kommen Sie denn hier rein?" "Ich bin der Blechdose nachgelaufen". "Aha und zu wem wollen sie?" "Erik Steiner". Sie grübelt kurz und zuckt mit den Schultern. "Kommen Sie mit". Ich folge ihr zum Schwesternstützpunkt und sie recherchiert im Computer. "Wir haben keinen Steiner auf der Station". Als ob ich es nicht schon schwer genug hätte, wollen mich heute auch noch alle ärgern. "Aber sie haben mich doch angerufen" schluchze ich sie an. "Steiner, Steiner?" murmelt sie leise vor sich her, bevor sie mich angrinst. "SIE sind Herr Steiner. Ja wir haben telefoniert und sie wollen zu Erik N." In meiner Aufregung habe ich nicht daran gedacht, dass Erik ja noch gar nicht 'Steiner' heißt. "Zimmer 15. Folgen Sie mir". Sie klopft und öffnet vorsichtig die Tür. Zwei-Bett-Zimmer, na wenigstens muss er nicht in einem Schnarchsaal liegen. Sehr hell ist es nicht, da nur die indirekte Beleuchtung über den Betten eingeschaltet ist.

 

Da liegt er, mein Mann und schläft. Die Schwester kontrolliert noch seinen Tropf und flüstert dann "Er hat ein starkes Schmerzmittel bekommen. Ich glaube nicht, dass sie ihn wach bekommen, aber Sie können es ja mal versuchen". Dann verlässt sie das Zimmer. Ich stelle die beiden Taschen ab und setze mich zu ihm auf die Bettkante. Beide Arme und Hände sind verbunden, ein großes Pflaster klebt auf seiner Stirn und ein kleineres an seinem Kinn. Vorsichtig beuge ich mich zu ihm runter und drücke meine Lippen auf seine. Keine Reaktion. Mir laufen schon wieder die Tränen, wie ich ihn so daliegen sehe. "Ja schlaf mein Schatz, schlaf dich gesund. Ich liebe dich. Über alles" flüstere ich, während ich mir die Tränen wegwische. Noch einmal beuge ich mich zu ihm herunter und verteile viele zärtliche Küsschen in seinem Gesicht und auf seinen Lippen. Plötzlich öffnet er die Augen einen Spalt, sieht mich an und hat mich erkannt. "Tom" haucht er leise und legt seine verbundenen Arme um mich. Viel Kraft hat er nicht um mich zu drücken, aber ich genieße diese zärtliche Umarmung. "Ja mein Schatz, ich bin da und ich halte dich". Erik nickt und seine Augen schließen sich wieder, während seine Arme von meinem Körper auf das Bett fallen. Er ist wieder eingeschlafen. Ich würde gerne die ganze Nacht hier sitzen und seinen Schlaf bewachen, habe aber auch noch eine zweite Tasche dabei. Erik bekommt noch einen zärtlichen Kuss und ich streichel ihm über den Kopf. "Ich komme morgen wieder. Schlaf dich aus mein Liebster".

Ich greife Jans Tasche, winke noch einmal und versuche so leise wie möglich davon zu schleichen. Auf dem Weg zum Ausgang komme ich wieder am Schwesternstützpunkt vorbei. Schwester Petra ist gerade dabei Tabletten aufzustellen. Vorsichtig klopfe ich an den Türrahmen. Sie dreht sich herum, steht auf und kommt auf mich zu. Ich halte die Tasche hoch und frage "Wie komme ich denn zur Intensivstation?" Sie zuckt nur mit den Schultern "Am besten mit dem Fahrstuhl ganz nach unten und dann an der Information fragen". Selbst die Schwestern kennen sich in diesem furchtbaren Gebäude nicht aus. Ein Wunder, dass hier jeder jeden Morgen zur Arbeit findet. Ich atme tief durch. Nein, ich will mich heute nicht mehr ärgern lassen. Schwester Petra reicht mir die Hand und legt mir die andere auf die Schulter. Ich bin überrascht, aber sie lächelt mich an "Ich habe gerade geschaut, Jans OP scheint gut gelaufen zu sein". Es gibt auch noch nette Menschen auf diesem Planeten. Am liebsten würde ich sie jetzt in den Arm nehmen, aber das wäre wohl sehr unprofessionell. Ich verabschiede mich von ihr und sie drückt noch einmal fest meine Hand "Viel Glück Herr Steiner". "Danke".

Also wieder in den Fahrstuhl, nein natürlich nicht. Da steht schon wieder so eine Blechbüchse drin und quakt "Automatischer Transport bitte nicht zusteigen". Ich könnte das Ding gegen die nächste Wand treten, muss aber wohl oder übel abwarten, bis der Fahrstuhl wieder da ist. Zehn Mal auf die Knöpfe drücken bringt auch nicht viel, ist aber im Moment die einzige Form mich abzureagieren. Endlich gehen die Türen wieder auf und ich kann einsteigen. Zurück im Erdgeschoss, komme ich an einem Getränkeautomaten vorbei. Meine Tränen haben viel Wasser aus meinem Körper entzogen, wie gerne würde ich jetzt etwas trinken. Geld habe ich aber nicht eingesteckt, dafür könnte ich mich selber ohrfeigen. Ein junger Mann auf Krücken kommt an mir vorbei und sieht, wie ich auf den Automaten starre. "Der funktioniert sowieso nicht, der frisst nur die Euros und unten kommt nichts raus". Ich bin erschrocken, dass mich hier jemand anspricht. Aber er lächelt mich an. "Geh mal zur Seite". Mit seinen Krücken haut er rechts und links auf den Automaten. In das Ausgabefach fällt eine Cola und der junge Mann humpelt davon. "Gern geschehen" höre ich ihn gerade noch sagen bevor er verschwindet. Es gibt also noch mehr nette Menschen auf dieser Erde. Ja ich muss jetzt trinken und exe die geschenkte Cola.

 

Wieder stehe ich an der Info und auch der junge Mann von vorhin ist noch da, lächelt mich an und fragt mich ob ich denn die Station nicht gefunden hätte, weil ich ja noch die Tasche in der Hand habe. "Vorhin hatte ich zwei Taschen in der Hand". Sein Lächeln verschwindet. "Wie übel haben sie dir denn mitgespielt?" Wenn es ein normaler Tag gewesen wäre, hätte ich geantwortet 'Kannst ja gerne mal mitspielen'. Wie komme ich nur auf sowas? Wie kann ich jetzt an Sex denken? Vielleicht lenkt es mich ja einfach von meinen Sorgen ab. Er reißt mich aus meinen Gedanken "Wohin, zu wem?" "Jan Ahrens 19.05.03, soweit ich weiß Intensivstation". "Fahrstuhl 3, zweite Etage" und er weist mir die Richtung. "Danke". Nur nebenbei höre ich ein "Viel Glück", als ich mich auf den Weg mache. Glück?, das hätte ich im Moment wirklich nötig. Noch einmal drehe ich mich um, aber der junge Mann hat bereits die nächste Kundschaft. Fahrstuhl 3, ja habe ich gefunden, und schon wieder, steht so eine Blechbüchse neben mir. "Automatischer Transport, bitte nicht zusteigen". Nein nicht jetzt! Ich verpasse dem Transporter einen Tritt, dass er gegen die Wand fliegt, steige selbst in den Fahrstuhl und drücke auf die zwei. Ausgestiegen, stehe ich auch direkt vor der Station. Auch diese Tür lässt sich nicht öffnen, aber ich habe das "Bitte klingeln" - Schild gesehen. Ich drücke auf den Knopf. Für mich dauert es eine Ewigkeit, aber es waren nur ein paar Minuten, bevor sich die Tür öffnet. Wieder steht ein junger Mann vor mir und fragt mich, was ich denn hier will. Ich halte die Tasche hoch und antworte "Jan!" "Nein Sie können hier nicht rein, aber ich werde die Tasche entgegennehmen". Ich reiche ihm die Tasche, mag aber nicht loslassen. Der Pfleger sieht mich überrascht an. "Du bist doch der Computer-man?" Ich nicke. "Komm rein", zieht er mich in die Station. Ich darf an den Überwachungsplatz. Nur durch eine Glasscheibe kann ich Jan sehen. Kopfverband, dass ich kaum noch sein Gesicht sehe. Ein Tubus mit einem dicken Schlauch steckt in seinem Hals. Der Rest versteckt sich unter der Bettdecke. Überall hängen irgendwelche Schläuche und Kabel.

Mir laufen schon wieder die Tränen. So will ich unseren 'Großen' nicht sehen. Er ist doch so ein lebenslustiger, fröhlicher und liebevoller Junge, jetzt liegt er halb tot in einem Krankenbett. Pfleger Daniel hat sich ein Tablet gegriffen und beginnt "Herr Steiner". Ich schüttel den Kopf und schluchze "Tom". Kurz legt er mir die Hand auf die Schulter "Tom es wird alles wieder gut. Die OP ist gut verlaufen, aber es wird nicht die letzte gewesen sein". Dann scrollt er auf seinem Tablet. "Knochenbrüche, der rechte Arm und fast alle Rippen. Becken und Beine sind heil geblieben. Innere Verletzungen.. willst du es wissen?" Ich schüttel nur den Kopf. Ich habe keine Ahnung von Medizin, ich will nur, dass Jan wieder gesund wird. "Hat er Schmerzen?" "Nein er liegt in einem künstlichen Koma". "Wird er wieder?" schluchze ich unter Tränen. Wieder legt mir Daniel die Hand auf die Schulter. "Zu 100%, kann das noch niemand sagen, aber die Ärzte sind guter Dinge". Will ich das jetzt hören? Nein, er soll mir sagen, dass wir Jan heil wieder bekommen.

Das tut er nicht, legt mir noch einmal seine Hand auf die Schulter und flüstert "Tom du musst jetzt gehen, Wenn das einer mitbekommt verliere ich meinen Job". Am liebsten würde ich ihm jetzt um den Hals fallen, ihn an mich ziehen.. Tom Steiner, komm wieder zu dir! Daniel begleitet mich noch zur Tür, drückt mir die Hand und sieht mir in die Augen "Wir tun alles Menschenmögliche, dass er wieder wird". Mehr als ein "Danke" bekomme ich nicht raus.

Mit dem Fahrstuhl wieder runter auf Ebene 0, verlasse ich das Klinikum. Alleine soll ich jetzt nach Hause fahren? Gern hätte ich die beiden wieder gesund und munter mitgenommen. Auf dem Weg zu meinem Wagen, läuft mir einer der Haustechniker über den Weg. Wir sind schon aneinander vorbei gelaufen, da ruft er "Tom bist du das?" Ich drehe mich um und erkenne Micha, mit dem ich schon so oft zusammen gearbeitet habe. "Habe mich schon über den Firmenwagen auf dem Technikerparkplatz gewundert". "Nein ich bin heute nicht dienstlich hier". "Der Crash auf der Autobahn?" "Ja und das gleich zweimal". "Frau und Kind?" "Nein, der Mann an meiner Seite und ein Freund". Michas Lächeln verschwindet aus seinem Gesicht. Er kommt einen Schritt auf mich zu, nimmt mich in den Arm und drückt mich ganz fest. "Wir haben hier gute Ärzte, die kriegen das schon wieder hin" sagt er leise. "Komm mit, ich mache uns erstmal einen Kaffee".

Wie ein Hund laufe ich hinter ihm her, in seine Werkstatt im Keller. Er stellt den Wasserkocher an und zwei Tassen auf den Tisch. "Für mich bitte keinen Kaffee, ich komme schon so nicht in den Schlaf". Micha kramt in seinem Schrank "Gemüsebrühe?" "Ja gerne" denn gegessen habe ich ja auch noch nichts. Auf einem Stück Küchenpapier legt er mir eins seiner Pausenbrote hin. Zu Hause steht ein leckeres Essen auf dem Herd, aber Käsestulle und Gemüsebrühe sind jetzt viel besser, da ich jemanden zum Reden habe. Er weiß auch schon in etwa, was passiert ist.

Auf der Gegenspur hatte ein LKW einen Reifenplatzer und ist über die Mittelleitplanke gegangen. Dabei hat er seine Ladung über die gesamte Fahrbahn verteilt, in der dann einige Autos ins Schleudern geraten sind und sich gecrasht haben. Der nachfolgende Verkehr hat es wohl mitbekommen und alle haben angehalten, bis ein polnischer LKW ungebremst in das Stauende gefahren ist und die Autos zusammengeschoben hat. Einige Tote und viele Schwerverletzte, die in alle umliegenden Krankenhäuser verteilt wurden. "Da hattest du Glück, dass deine Beiden bei uns gelandet sind". "Glück? Erik vielleicht, aber für Jan sieht es im Moment nicht wirklich gut aus". Micha nimmt mich noch einmal in den Arm und drückt mich "Tom das wird alles wieder".

Plötzlich geht sein Pieper los. Er schaut auf das Display "OP 3. Tom ich muss los, da klemmt irgendwas. Da geht es heute aber auch heiß her". Bis zum Ausgang begleitet er mich und nimmt mich noch einmal in den Arm "Alles Gute Tom, ich drücke dir die Daumen". "Danke Micha". Wieder sitze ich mit zittrigen Fingern hinter dem Lenkrad und fahre nach Hause. Essen kann ich heute nichts mehr, brauche jetzt aber dringend einen Schluck Whiskey. Das ist zwar keine Lösung, beruhigt mich aber und ich habe die Hoffnung, wenigstens ein bisschen schlafen zu können.

 

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