Mann fĂŒr Mann
 
 
Justin und ich.
Junge MĂ€nner / Romantik
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Teil 17

In dieser Folge finden jetzt keine Sexberichte statt. Hier steht der Gedanke ĂŒber Liebe im Vordergrund, die Liebe, die alles verbindet und alles versöhnt.

 

Gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit, ich hatte gerade meine Hausarbeiten abgegeben, fuhr ich mit Justin in den Urlaub. Wir waren bei seiner Familie zu Gast, die sehr wohlhabend war und ein großes Landhaus mit vielen WĂ€ldern und Feldern vor der Stadt hatte. Einige Wochen verbrachten wir dort den SpĂ€tsommer und erholten uns von den Strapazen des letzten Semesters bzw. schöpften neue Kraft fĂŒr das neue Semester. Dieser Urlaub vertiefte noch einmal unsere Freundschaft und fĂŒhrte sie meiner Meinung nach auf eine andere SphĂ€re.

Wir machten viele Dinge miteinander, genossen die warme Jahreszeit, machten AusflĂŒge, gingen Schwimmen, tollten im See dabei wie kleine Jungs und ließen es uns gutgehen. Justins Familie war sehr nett zu mir und nahm mich gleich auf, so dass ich niemals ein GefĂŒhl der Ablehnung oder des Missfallens erfuhr und empfand. Und mit der Zeit spĂŒrte ich bei mir ein GefĂŒhl fĂŒr Justin, ein GefĂŒhl, das ĂŒber Sex und Freundschaft hinausgeht. Im Deutschen ist es schwierig dafĂŒr die geeigneten Worte zu finden. Die alten Griechen selbst haben dafĂŒr bessere Ausdrucksmöglichkeiten. War es möglich, dass ich fĂŒr Justin diese drei Bereiche, die im Deutschen mit dem Wort Liebe nur unzureichend wiedergegeben werden, empfand?

Mit „erotikao“ ist die körperliche Liebe gemeint, „agapao“ bezeichnet die fĂŒrsorgliche und „phileo“ ist die freundschaftliche Liebe. Dieser Dreiklang Sex, Freundschaft und FĂŒhrsorge, die der große Philosoph Platon im vierten Jahrhundert vor Christus in seinem Werk Symposion, das Gastmahl, thematisierte, bewegten mich hinsichtlich meiner Beziehung zu Justin.

SelbstverstĂ€ndlich war ich kein Waisenknabe und kein KostverĂ€chter, nahm – diese Formulierung soll aber gewiss nicht despektierlich klingen- was mir ĂŒber den Weg lief, sondern ich genoss das Leben und zog die VerfĂŒhrungen desselben auf. An Liebe oder Beziehung hatte ich nicht allzu viele Gedanken verschwendet, erst nach dem Tod meiner Familie kamen mir derartige Überlegungen. Gewiss ich bin noch jung, 20 Jahre, ein Student mit dem Schwerpunkt Philosophie, klassische Sprachen und Rechtstheorie, manche Spötter wĂŒrden dies sicherlich als merkwĂŒrdige KuriositĂ€t abtun.

Und jetzt Justin. Ein lieber Roommate, der mir sehr geholfen hatte mich einzuleben, der mir nach dem Tod meiner Familie Beistand gegeben hatte, mit dem ich einige sexuelle Abenteuer erleben durfte. Aber auch hinsichtlich seines Charakters gab es fĂŒr mich nichts zu beanstanden. Justin hatte alle Merkmale, die ein guter Freund, die ein wahrer Freund haben sollte. Wir waren auf einer WellenlĂ€nge, gute Kameraden, gute Freunde, die sich auf den anderen verlassen konnten. Vielleicht sogar Seelenpartner, aber das musste ich noch eruieren.

Über Justin kreisten in letzter Zeit meine Gedanken, wenn ich nachts ins Bett ging und nicht einschlafen konnte, wenn ich beim Sportmachen war, wenn ich dies und das machte. Mein Gott, was mache ich mir fĂŒr Gedanken. Kann es sein, so sprach ich zu mir, dass ich fĂŒr Justin etwas Besonderes empfand. Ist es, um Goethes Faust aus dem zweiten Teil zu paraphrasieren, die Liebe, die wie ein Feuermeer uns alle um- und dann verschlingt?

Liebe ich Justin, empfinde ich solche GefĂŒhle fĂŒr ihn? Wenn ja, was ist mit ihm? Welche GefĂŒhle hegt er mir gegenĂŒber? Nur die eines guten Freundes mit dem man mal ins Bett steigt, Freundschaft plus sozusagen, oder auch etwas tiefergehendes? Wenn ja will ich eine Beziehung? Bin ich bereit fĂŒr eine Beziehung? Fragen ĂŒber Fragen, die mich beschĂ€ftigten, die mir den Schlaf raubten. Mit Justin konnte ich nicht darĂŒber reden, noch nicht. Ich muss erstmal selbst bei mir aufrĂ€umen und fĂŒr Klarheit sorgen; was will ich.

Eines Morgens hatte ich ein GesprĂ€ch mit Justins Mutter; da sie Psychologin ist, hatte sie ein ganz besonders GespĂŒr fĂŒr das, was mich bewegte. Sie nahm mich zur Seite, schenkte uns eine Tasse Kaffee ein und meinte, dass mich etwas bewegen wĂŒrde und ob ich Lust hĂ€tte darĂŒber zu sprechen, mit dem Ziel die Last abzuschĂŒtteln.

„Wie soll ich am besten anfangen, womit soll ich am besten beginnen,“ fragte ich sie. „Wo du willst, fang einfach irgendwo an, wir kommen dann schon zum Hauptproblem“ meinte sie. „Nun denn“ begann ich und erzĂ€hlte von dem Versuch Klarheit ĂŒber meine GefĂŒhle zu bekommen und die Schwierigkeiten, die dem im Wege stehen. Zwar versuchte ich bei dem ein oder anderen Gedanken ins Detail zu gehen, blieb aber was Namen oder so angeht im Unklaren.

Justins Mutter zeigte VerstĂ€ndnis fĂŒr meine Situation und riet mir, nur auf meine innere Stimme und auf mein Herz zu hören. Die innere Stimme und das Herz sorgen fĂŒr dein Wohlbefinden. „Also, prĂŒfe dein Herz und mach dir klar was du willst.“ Mit diesen Worten und einer Umarmung entließ sie mich aus der Sitzung.

Nun denn, wieder auf mich allein gestellt, prĂŒfte ich mein Herz. DafĂŒr ging ich alleine durch die Natur und streifte an Seen, WĂ€lder und Feldern vorbei. Dabei machte ich mir Gedanken und versuchte rational abzuwĂ€gen. Optisch war Justin eine Bombe und dazu noch eine Granate im Bett. Gewiss der Sex mit ihm war super und erfĂŒllend. Aber ich genoss die Zeit mit ihm, das gemeinsame Aufwachen, die gemeinsamen Unternehmungen. Sein Halt in schwerer Zeit war ein wichtiger Faktor.

Mein Gott, fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen, ich liebe Justin. Ich empfand LiebesgefĂŒhle fĂŒr meinen Roommate. Ich war verliebt in ihn. Es kann kein Zweifel geben, ich liebe ihn, ich liebe Justin.

Ich hatte nun die Klarheit hinsichtlich meiner GefĂŒhle zu Justin und wollte ein klĂ€rendes GesprĂ€ch fĂŒhren. Zu diesem Zweck ging ich mit ihm auf einen lĂ€ngeren Spaziergang. Auf einer kleinen Bank vor einem Wald machten wir halt und dort ließen wir uns nieder.

Wir saßen nebeneinander, so dass wir uns aber in die Augen sehen konnten, ich nahm seine HĂ€nde und hielt sie fest. „Justin“ begann ich, „ich muss dir was sagen.“ Ich erzĂ€hlte ihm von meinen BewegrĂŒnden, von meinen Gedanken. Dann nahm ich mein Handy heraus und spielte aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz LehĂĄr das Lied Lippen schweigen vor. Immer noch seine Hand haltend sagte ich zu ihm: „Justin ich liebe dich. Willst du mein Freund sein?“

Mein Herz raste, mein Puls schlug schneller und ich erwartete eine Antwort. Justin aber nahm sein Handy und spielte das Lied, ebenfalls von LehĂĄr „Dein ist mein ganzes Herz“ vor. Dabei sahen wir uns tief in die Augen und begannen uns zu kĂŒssen, leidenschaftlich zu kĂŒssen.

Es war das erste Mal, dass wir dies coram publico taten, sonst waren wir immer in unserer WG oder bei speziellen Partys. Es war mir aber auch egal, was andere womöglich dachten. Hier ging es um uns, um Justin und mich. Nachdem wir Luft holen mussten, sagte er dann zu mir: „Ich liebe dich auch und ja ich will dein Freund sein.“ Zufrieden saßen wir weiterhin HĂ€ndchenhaltend auf der Bank, kĂŒssten uns immer wieder und waren froh einander zu haben.

 

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